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Kayleigh McEnany: Nächstes Fan-Girl, bitte. Donald Trump tauscht mal wieder seine Pressesprecherinnen aus

Kayleigh McEnany war schon Trump-Fan, als noch über ihn gelacht wurde. Seitdem ist sie ihrem Idol treu geblieben, und das zahlt sich nun aus: Die 31-Jährige wird seine neue Pressesprecherin, die keine bizarren Ansichten scheut.

Kayleigh McEnany

Kayleigh McEnany (l.), Trumps neue Pressesprecherin, hier mit Betsy DeVos, US-Bildungsministerin

AFP

Eine ihre ihrer wenigen Äußerungen ist gleichzeitig auch eine ihrer schönsten: "Der Präsident spricht am besten für sich selbst", sagte Stephanie Grisham einmal auf die Frage, warum sie, die Pressesprecherin Donald Trumps, so wenig mit der Presse spreche. Besser kann man Trumps größte Stärke als auch größte Schwäche wohl nicht zusammenfassen. Nun, nach einem Jahr als "Presseschweigerin" wechselt Grisham die Seiten und arbeitet künftig wieder für die First Lady Melania Trump. Ihre Nachfolgerin, die Nummer vier in der Position, heißt Kayleigh McEnany, und die hat ein deutlich entspannteres Verhältnis zu Kameras.

"Real News" weder News noch real

Die 31-Jährige war lange den Stammzuschauern von CNN bekannt, wo sie sich als einer von nur wenigen Kommentatoren offen zu Donald Trump bekannt hatte. Im Sommer vor drei Jahren bekam sie dann ihre eigene Sendung, in der sie nicht länger befürchten musste, dass irgendjemand nervige Fragen stellen würde. "Real News" nennt sich ihre Webshow aus dem New Yorker Trump-Tower. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb zum Start über das Format, dass McEnany darin weder Neuigkeiten verbreite, wie der Name nahelegt, noch "real" sei, dafür aber an staatliche Propaganda wie in Russland erinnere.

Die bedingungslose Verehrung McEnanys für den Präsidenten hatte erst im Februar ihren vorläufig bizarren Höhepunkt erreicht. Damals, es gab ein paar Dutzende Corona-Fälle, behauptete sie im konservativen Sender Fox News, eine Virus-Epidemie wie die jetzige, sei in den Vereinigten Staaten unter Trump ausgeschlossen: "Der Präsident stellt Amerika immer an erste Stelle. Er wird immer Amerikaner schützen. Wir werden hier keine Krankheiten (wie den Coronavirus, d.Red.) sehen. Wir werden hier keinen Terrorismus erleben. Ist das nicht mal eine erfrischende Abwechslung zu der fürchterlichen Präsidentschaft Obamas?", fragte sie rhetorisch.

Coronavirus hat USA fest im Griff

Bislang hat ihr neuer Chef diese Heilsversprechen nicht besonders gut erfüllen können. Im Gegenteil. Die USA sind mittlerweile das Land mit den meisten Corona-Infektionen und auch die Zahl der Toten wird in den  kommenden Tagen wohl die Italiens übersteigen und damit neue Rekordmarken erklimmen.

Bislang waren eigentlich alle von Trumps Presse-Leuten früher oder später mit eigenwilligen Auftritten aufgefallen. Sean Spicer, sein erster Sprecher, machte sich bereits kurz nach der Amtseinführung zum Gespött, als er beteuerte, Trumps Publikum bei der Inauguration im Januar 2017 sei das größte aller Zeiten gewesen – obwohl alles gegen diese Behauptung sprach. Kellyanne Conway, zwar nicht Pressesprecherin aber einer seiner öffentlich aktivsten Beraterinnen, prägte den Ausdruck "alternative Fakten", und Spicer-Nachfolgerin Sarah Sanders war berüchtigt dafür, die Öffentlichkeit offenkundig wie schamlos anzulügen. Deren Nachfolgerin Stephanie Grisham wiederum fiel dadurch auf, dass sie den Präsidenten zwar stets leidenschaftlich verteidigte – aber meist nur im Fernsehen oder via Twitter, aber so gut wie nie im Presseraum des Weißen Hauses.

Wie die Neue an Trumps Seite den eher undankbaren Job seines Pressesprechers ausfüllen wird, ist noch unklar. Argumentativ jedenfalls dürfte sie hervorragend ausgebildet sein: Sie hat Jura in Havard studiert, einer der wohl renommiertesten US-Unis. Neben ihrer Webshow "Real News" tritt sie für den US-Präsidenten auch auf Wahlkampfbühnen auf. Etwa, um Frauen zu bewegen, im November für den Amtsinhaber zu stimmen. Und nebenbei vertritt sie die Republikanische Partei in der Öffentlichkeit. Auch aus ihren politischen Wurzeln macht sie keinen Hehl: Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass der reaktionäre wie umstrittene Radiomoderator Rush Limbaugh Lungenkrebs hat, tweetete sie: "Er hat Generationen dazu gebracht, sich politisch zu engagieren – mich eingeschlossen."

Quellen: DPA; AFP, "Süddeutsche Zeitung", Johns-Hopkins-Universität, RealClearPolitics, Kayleigh Mcenany auf Twitter