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Ärger um "MAGA"-Bekleidung Trump ruft zu Boykott von Goodyear auf – dabei ist sein "Beast" auf Reifen der US-Firma angewiesen

Trump fordert Boykott von Goodyear-Reifen - sein Wagen ist aber auf deren Reifen angewiesen
Ein Mitarbeiter des Secret Service poliert eine Stelle von "The Beast", wie die gepanzerte Limousine des US-Präsidenten genannt wird
© Evan Vucci / Picture Alliance
Von Beginn an verstand sich Donald Trump als Kämpfer für die US-Wirtschaft. Nun aber fordert der US-Präsident einen Boykott des heimischen Reifenkonzerns Goodyear – obwohl dieser seine Limousine "The Beast" erst fahrbereit macht.

Politische Gegner, ehemalige Weggefährten, bei der Nationalhymne kniende Sportstars: Donald Trump hat auf Twitter schon so ziemlich gegen alles und jeden gewettert, sobald er mit einer Äußerung oder Aktion nicht einverstanden war. Jüngstes Opfer seiner wiederkehrenden Schimpftiraden: der US-Reifenhersteller Goodyear, dessen Aktie in der Folge zumindest zeitweise deutlich absackte.

Weil das Unternehmen seine Anhänger benachteilige, rief der US-Präsident am Mittwoch zum Boykott des traditionsreichen US-Unternehmens auf. Auslöser für Trumps Vorgehen waren Medienberichte, wonach bei einer Schulung in einem Goodyear-Werk im Bundesstaat Kansas Bekleidung mit dem Slogan "Make America Great Again" für "nicht akzeptabel" erklärt wurde.

Laut einem im Internet veröffentlichten Foto einer Präsentationsfolie mit Goodyear-Logo waren dagegen Symbole der Bewegung "Black Lives Matter" erlaubt, die Polizei-Gewalt gegen Schwarzen anprangert, sowie die "Pride"-Zeichen für Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten. Nicht zugelassen waren dagegen Bekundungen zur Unterstützung der Gegenbewegungen "Blue Lives Matter", die die Polizei unterstützt, und "All Lives Matter", die argumentiert, dass Rassismus gegen Schwarze nicht speziell hervorgehoben werden sollte.

Trumps "Beast" auf Goodyear-Reifen angewiesen

In dieser Kombination ein No-Go für Trump, der sogleich auf Twitter reagierte: "Kaufen Sie bessere Reifen für viel weniger Geld!" Er wäre auch dafür, die Goodyear-Reifen bei seiner Präsidenten-Limousine durch Produkte eines anderen US-Herstellers zu ersetzen, führte er später aus.

Eine Drohung, die Trump allerdings vor ein Problem stellen könnte. Früheren Medienberichten zufolge sind bei "The Beast", wie das gepanzerte Fahrzeug genannt wird, nämlich Hightech-Sonderanfertigungen der Goodyear-Pneus verbaut, die nicht so leicht auszutauschen wären. Unter Trumps Tweet machten dann auch schnell Bilder die Runde, auf den der Goodyear-Schriftzug auf den Reifen seiner Präsidenten-Limousine zu sehen war. 

Goodyear reagiert mit Statement

Goodyear ist ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz im Bundesstaat Ohio und mehr als 60.000 Mitarbeitern. Zu Trumps Versprechen gehört auch, die Interessen der einheimischen Wirtschaft zu verteidigen. Erst Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany und dann auch er selbst begründeten den Boykott-Aufruf im Laufe des Tages mit dem Verbot von Symbolen von "Blue Live Matters". Die Mitarbeiter sollten tragen können, was sie wollen, sagte Trump. In seinem ursprünglichen Tweet hatte er allerdings nur auf das "MAGA"-Motto Bezug genommen, das vor allem auf Baseball-Kappen prangt.

Goodyear betonte, dass man Mitarbeiter grundsätzlich auffordere, auf Bekundungen der Unterstützung für politische Parteien oder Kampagnen zu verzichten. Dagegen sei der Einsatz für Gleichberechtigung und gegen rassistisch motivierte Ungerechtigkeit erlaubt. Goodyear unterstütze sowohl die Gleichberechtigung als auch die Polizei.

Trump schickt Goodyear-Aktie zeitweise auf Talfahrt

Zugleich schränkte das Unternehmen ein, dass es sich bei der abgebildeten Präsentationsfolie mit Logo des Unternehmens nicht um von Konzernstellen produziertes oder verbreitetes Material gehandelt habe. "Sie haben nicht bestritten, dass dieses Bild an einem ihrer Standorte gezeigt wurde", stellte McEnany nach der Stellungnahme des Unternehmens fest und forderte von Goodyear weitere Klarstellungen.

Die Goodyear-Aktie schloss mit einem Minus von gut zwei Prozent – nach Trumps Tweet sackte sie zunächst steil ab, erholte sich dann aber im Handelsverlauf weitgehend davon. 

mod DPA

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