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Unwürdige Szene Die Nerven lagen blank: Handgreiflichkeiten unter den Republikanern bei McCarthy-Wahl

Richard Hudson muss den aufgebrachten Mike Rodgers zurückhalten
Richard Hudson muss den aufgebrachten Mike Rodgers zurückhalten. Am vierten Tag zur Wahl im Repräsentantenhaus lagen bei den Republikanern die Nerven blank. 
© Andrew Harnik / DPA
15 Runden brauchte Kevin McCarthy, um zum neuen Sprecher des US-Repräsentantenhauses gewählt zu werden. Eine stressige Situation nicht nur für ihn – auch andere Republikaner verloren am Freitagabend in Washington die Nerven.

Es war ein unwürdiges Szenario für die amerikanische Politik, das sich in den vergangenen Tagen im Kapitol abspielte. 15 Wahlgänge brauchte Kevin McCarthy, um zum neuen Sprecher für das Repräsentantenhaus gewählt zu werden – mehr Wahlgänge brauchte es zuletzt 1859/1860, als der Republikaner William Pennington erst nach 44 Wahlgängen in das dritthöchste Amt der US-Politik gewählt wurde. Wie lange der Republikaner sein Amt ausüben darf, liegt in den Händen des rechten Flügels der Partei, der erst nach zahlreichen Zugeständnissen McCarthys einlenkte (Mehr dazu lesen Sie hier).

Dass die Dramatik der Wahl und die vergangenen vier Tage nicht spurlos an einigen Republikanern vorbeiging, zeigte sich am späten Freitagabend. Als McCarthy auch seinen 14. Wahlgang verlor, kochten die Emotionen bei einigen Vertretern der Grand Old Party, als die sich die Republikaner gerne bezeichnen, hoch. Zunächst suchte McCarthy zum wiederholten Mal das Gespräch mit Matt Gaetz, dem Gesicht der bis zu 20 Aufständischen in der Partei. Gaetz, Abgeordneter aus Florida, hatte in der 14. Runde erstmals eingelenkt und statt eines republikanischen Gegenkandidaten zu wählen sich enthalten. Weil aber vier Abtrünnige weiterhin an der Strategie festhielten, ihre Stimme anderen Republikanern als McCarthy zu geben, scheiterte dieser erneut. "Auf die Knie", rief jemand aus dem demokratischen Block des Abgeordnetenhauses – in Anspielung auf die verzweifelten Eingeständnisse McCarthys gegenüber seiner Parteikollegen.

Kevin McCarthy: Republikaner geraten bei Wahl aneinander

Doch es sollte nicht nur beim Austausch der beiden Republikaner bleiben, immer mehr Mitglieder der Partei versammelten sich zu der Debatte, bis es zum unwürdigen Höhepunkt der Speaker-Wahl kam. Auf Bildern von C-Span war zu sehen, wie Mike Rodgers, Abgeordneter aus Alabama, aufgebracht den direkten Weg zu Gaetz suchte. Was Rodgers Gaetz zurief, ist auf dem Video nicht zu hören, doch musste Rodgers vor möglichen Handgreiflichkeiten zurückgehalten werden – indem ihm sein Parteikollege Richard Hudson ins Gesicht griff und ihn zurückzog.

McCarthy selbst bekam die Auseinandersetzung erst nach ein paar Sekunden mit. Er hatte gerade das Gespräch mit Gaetz beendet und war auf dem Weg zurück zu seinem Platz. Derweil mahnte Cheryl Johnson, die Protokollführerin, die in den vergangenen Tagen zu ungewolltem Ruhm kam, doch weiterhin "höflich" zu bleiben. Dass die Bilder überhaupt übertragen wurden und den Ruf der Partei weiteren Schaden zufügen, haben sich die Republikaner auch selbst anzukreiden. Denn weil weiterhin kein Sprecher gewählt wurde, der die Regeln für das Filmen im Plenarsaal festlegen darf, durfte der Sender frei die Eindrücke aus dem Parlamentssaal in die Welt ausstrahlen.

Weder Rodgers noch Gaetz wollten sich im Anschluss zu dem Vorfall äußern, auch McCarthy spielte die hitzige Debatte gegenüber der "New York Times" runter. "Da war nichts. Es gab wieder einen Stillstand und er (Matt Gaetz) hat es geschafft, dass sich die anderen der Stimme enthalten haben", so der 57-Jährige. Denn im finalen 15. Wahlgang entschieden sich auch die restlichen vier abtrünnigen Republikaner, "Present" zu wählen, was einer Stimmenthaltung spricht. So war es für McCarthy möglich, auch mit 216 Stimmen die Mehrheit zu bekommen. Ursprünglich hätte der Republikaner 218 der 222 Stimmen seiner Partei gebraucht.

Quellen: NY Times, NPR, AP

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