Kindersoldaten Konvention soll Schicksale lindern


Kindersoldaten werden meist nicht nur ihren Familien entrissen, sondern auch zu Gräueltaten gezwungen. 58 Staaten haben in Paris eine Konvention gegen diese Kinderschicksale unterschrieben - einige fehlten jedoch.

Die Regierungen von 58 Staaten haben sich zum besseren Schutz von Kindern in bewaffneten Konflikten verpflichtet. Die Delegationen unterzeichneten auf einer Konferenz des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Paris eine politische Erklärung, die den Einsatz von Kindersoldaten verbietet und die Wiedereingliederung der Betroffenen in die Gesellschaft verlangt. Die "Pariser Prinzipien" sind der größte Schritt zum Schutz von Kindern in Kriegen seit zwanzig Jahren. Laut Unicef werden weltweit 250.000 Minderjährige in bewaffneten Konflikten eingesetzt, als Soldaten, Spione, Träger, Köche oder Sexsklaven. Von "kleinen Zeitbomben" sprach der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy, der die zweitägige Konferenz mit organisierte. Die Erklärung verbietet den Staaten, Kindern das Tragen von Waffen zu erlauben. Auch in einem Krieg verpflichten sich die Regierungen, nach Kindersoldaten zu suchen, diese zu entwaffnen und die für ihre Rekrutierung Verantwortlichen zu bestrafen.

Eine Erklärung, kein Vertrag

Das Dokument ist zwar juristisch nicht bindend. Aber es werde eine große politische Wirkung erzeugen, sagte Douste-Blazy zum Abschluss der Konferenz. Unicef-Frankreich-Präsident Jacques Hintzy zeigte sich "sehr zufrieden", dass das Problem der Kindersoldaten nun auch von Staaten, und nicht allein von Nichtregierungsorganisationen angegangen werde. Zu den Unterzeichnern gehören neben den 27 EU-Mitgliedern zahlreiche Länder in Asien, Lateinamerika und Afrika, darunter Sierra Leone, Liberia und Kongo, in denen tausende Kinder für Kriege missbraucht wurden. Allerdings blieben mehrere am stärksten betroffene Staaten wie Birma der Konferenz fern.

40 Prozent der Kindersoldaten sind Mädchen

Besonderes Augenmerk wurde in Paris auf Hilfen für Mädchen gerichtet, die in einigen bewaffneten Gruppierungen 40 Prozent der Rekruten ausmachen und die hinsichtlich sexueller Misshandlung besonders gefährdet sind. Knapp 100.000 frühere Kindersoldaten haben bereits an Wiedereingliederungsprogrammen teilgenommen. Der Weg zurück in die Gesellschaft ist für viele Kinder schwer und manchmal unmöglich. Die Programme sind oft zu kurz oder die Hilfestellung kommt zu spät, wie Konferenzteilnehmer berichteten. Sie hoffen, die Justiz werde sich als schärfste Waffe gegen den Einsatz von Kindern in Kriegen entwickeln. Vergangene Woche beschloss der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag einen Prozess gegen den kongolesischen Milizenführer Thomas Lubanga, der in einem bewaffneten Konflikt Kinder zum Töten eingesetzt haben soll. Im Statut des Gerichtshofes ist festgelegt, dass die Rekrutierung von unter 15-Jährigen ein Kriegsverbrechen ist und verfolgt wird.

AP AP

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