Klima-Ministertreffen bei Bonn UN-Klimachef: Cancún wird nur Zwischenschritt sein


Nach dem Scheitern eines verbindlichen Klimaschutz-Abkommens in Kopenhagen setzt UN-Klimachef de Boer auf kleine Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels.

UN-Klimachef Yvo de Boer hofft trotz der stockenden Klimaschutz-Verhandlungen auf ein Ergebnis beim nächsten Klimagipfel in Mexiko. "Ich denke, dass Fortschritte möglich sind", sagte de Boer am Montag bei der internationalen Klimatagung auf dem Petersberg bei Bonn. Auf dem nächsten Weltklimagipfel im November/Dezember in Cancún müsse ein Gerüst angepeilt werden zur Minderung von Treibhausgasen, zu Finanzhilfen für arme Länder, Technologietransfer und Anpassung an den Klimawandel. Daraus könne später ein neues Abkommen geformt werden. Über die rechtliche Verbindlichkeit müsse dann noch beraten werden.

Cancún wird nach Ansicht des UN-Klimachefs nur ein wichtiger Zwischenschritt sein. Es werde bei Treibhausgasen noch kein Ergebnis herauskommen, das die Erderwärmung auf zwei Grad begrenze, sagte de Boer. "Der Kampf gegen den Klimawandel wird noch länger dauern." Er rechnet aber vor 2015 mit einem umfassenden Klima-Abkommen, das für ihn allerdings nicht das Ende aller Verhandlungen ist.

Beim Kopenhagener UN-Klimagipfel in Dezember war die Vereinbarung verbindlicher Ziele wegen zu großer Differenzen gescheitert. Die Vertreter von rund 40 Ländern versuchen beim "Petersberger Klimadialog" auf Einladung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bis zu diesem Dienstag, neue Bewegung in die Verhandlungen zu bringen und konkrete Projekte in Gang zu setzen.

Der UN-Klimachef wertete es positiv, dass 42 Industrie- und 35 Schwellen- und Entwicklungsländer als Konsequenz aus Kopenhagen bereits verbindliche Ziele zugesagt haben. "Die Welt handelt." Die Länder machten 90 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes aus. Dies reiche aber noch nicht.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht die Ursache für die stockenden Klimaschutzverhandlungen vor allem bei US-Präsident Barack Obama. "Er hat es immer noch nicht fertiggebracht, in den USA ein nationales Klima- und Energiegesetz zu verabschieden, was immer als Fundament für ein internationales Abkommen kommuniziert wurde", sagte Klimaexperte Martin Kaiser der Nachrichtenagentur dpa. Er forderte, dass sich die EU unabhängig von den UN-Verhandlungen auf eine bedingungslose Kohlendioxid-Senkung von 30 Prozent bis 2020 verpflichtet. Bisher hat die EU nur 20 Prozent zugesagt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnte die Bundesregierung, wegen der schlechten Haushaltslage und der Griechenland-Krise beim Klimaschutz auf die Bremse zu treten. "Die Rettung des Klimas ist nicht weniger wichtig als die Rettung des Euro", sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger der dpa.

DPA DPA

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