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Konflikt in der Ostukraine: Ukrainisches Militär greift russische Armee an

Das ukrainische Militär hat eine russische Armeekolonne zerstört, die in den Osten der Ukraine eingedrungen war. Gepanzerte Fahrzeuge würden täglich über die Grenze kommen, sagte ein Militärsprecher.

Ukrainische Militärfahrzeuge in der umkämpften Region Donezk

Ukrainische Militärfahrzeuge in der umkämpften Region Donezk

Im Osten der Ukraine droht eine weitere Eskalation: Trotz aller Warnungen aus Kiew drangen russische Militärfahrzeuge in der Nacht zum Freitag über die Grenze in die Ukraine ein, worauf die ukrainische Armee nach Angaben der Präsidentschaft in Kiew mit Artilleriebeschuss reagierte. Moskau warf der Ukraine einen Versuch zur Verhinderung seiner Hilfslieferungen vor, die EU-Außenminister riefen Russland zur Einstellungen der "Feindseligkeiten" auf.

Die meisten Fahrzeuge der Kolonne seien in der Nacht von ukrainischer Artillerie zerstört worden, teilte die ukrainische Präsidentschaft mit. Das Eindringen der Kolonne aus 23 russischen Truppentransportern und mehreren Tanklastwagen nahe dem russischen Grenzort Donezk war zuerst von britischen Journalisten vor Ort gemeldet worden. Später bestätigten die ukrainischen Streitkräfte, dass eine Kolonne russischer Militärfahrzeuge die Grenze überquert habe.

Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte später, dass es "einen russischen Einmarsch" im Osten der Ukraine gegeben habe. "Das ist ein klares Anzeichen für eine fortdauernde Beteiligung Russlands an der Destabilisierung der Ostukraine", sagte Rasmussen in Kopenhagen. Großbritannien bestellte den russischen Botschafter Alexander Jajowenko in London ein. Frankreichs Präsident François Hollande rief Moskau auf, die "territoriale Integrität" der Ukraine zu respektieren.

Britischer Außenminister warnt vor "sehr ernsten Konsequenzen"

Die EU-Außenminister drängten Russland, "alle Feindseligkeiten" an der Grenze zur Ukraine umgehend einzustellen. Insbesondere müsse der Fluss von Waffen, Militärberatern und bewaffneten Kräften gestoppt und die Truppen von der Grenze zurückgezogen werden, forderten die Minister nach einem Sondertreffen in Brüssel. Der britische Außenminister Philip Hammond warnte vor "sehr ernsten Konsequenzen", sollten sich die Berichte über die Kolonne bestätigen.

Das russische Außenministerium warf der Ukraine seinerseits am Freitag einen Versuch vor, "seine humanitäre Hilfe" zu blockieren. Das Ministerium kritisierte insbesondere "die brutale Verstärkung der Militäroperationen" im Osten der Ukraine, die "offenkundig zum Ziel hat, den mit Kiew vereinbarten Weg zu blockieren". Der umstrittene Hilfskonvoi von knapp 300 Lastwagen befindet sich seit Freitag an der Grenze, wann er ins Land gelassen wird, ist aber weiter offen.

Ukrainische Grenzschützer sollten die Ladung der Lastwagen auf der russischen Seite des Grenzübergangs Iswarin kontrollieren. Beamte des russischen Katastrophenschutzministeriums präsentierten die Ladung von zehn Lastwagen am Freitag Journalisten, um zu beweisen, dass es sich nur um harmlose Lebensmittel handelt. Kiew und der Westen befürchten jedoch, dass die Güter den bedrängten prorussischen Separatisten zugute kommen oder der Konvoi gar als Deckmantel für eine Invasion dient.

Separatisten verlieren an Boden

Der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin teilte derweil mit, er werde am Sonntag in Berlin seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow treffen. An dem Gespräch würden auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Frankreichs Außenminister Laurent Fabius teilnehmen, teilte Klimkin über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. "Ob eckiger oder runder Tisch, wir müssen reden", schrieb er. Das Auswärtige Amt bestätigte "Überlegungen" für ein baldiges Treffen in Berlin zur Ukraine.

Die prorussischen Separatisten verloren im Osten der Ukraine zuletzt zunehmend an Boden. Mehrere Separatistenführer, darunter Militärchef Igor Strelkow, verkündeten in den vergangenen Tagen ihren Rücktritt. Die ukrainische Armee schnitt am Donnerstag die Rebellenhochburg Lugansk von der russischen Grenze ab, später meldete sie die Einnahme dreier kleiner Städte. Die Innenstadt von Donezk lag weiter unter Beschuss. Elf Zivilisten wurden laut der Stadtverwaltung dabei getötet.

amt/DPA/DPA

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