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Koranschändung durch US-Soldaten: Afghanische Polizei ist in Alarmbereitschaft

Die Unruhen wegen der Koranschändung in Afghanistan fordern immer mehr Opfer. Die Polizei erwartet neue Proteste und ist in Alarmbereitschaft.

Aus Angst vor neuen Ausschreitungen nach dem Freitagsgebet wegen der Koranverbrennung durch US-Soldaten ist die Polizei in Afghanistan in Alarmbereitschaft. "Die Polizei ergreift im ganzen Land Maßnahmen", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki. Es habe bisher zwei kleinere Demonstrationen gegeben. Das sei aber "kein Grund zur Beunruhigung".

Am Donnerstag waren bei gewalttätigen Protesten mindestens acht Menschen getötet worden. Darunter waren neben sechs Demonstranten auch zwei Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf, die ein Angehöriger der afghanischen Armee erschoss. Bereits am Mittwoch waren mehrere Demonstranten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Die Bundeswehr zog sich wegen der gewaltsamen Proteste vorzeitig komplett aus ihrem nordafghanischen Stützpunkt Talokan zurück. Allerdings sollte das Lager im März ohnehin geräumt werden.

Taliban schwören Rache

Der Kommandeur der Internationalen Schutztruppe, US-General John Allen, rief zur Ruhe auf. "Ich appelliere an jeden im ganzen Land - Isaf-Angehörige und Afghanen -, Geduld und Zurückhaltung zu üben." Die Isaf teilte mit, die gemeinsame Untersuchung mit den afghanischen Behörden zur Verbrennung von Koran-Exemplaren auf der US-Basis Bagram dauere an. Noch stehe kein Datum für ihren Abschluss fest.

US-Präsident Barack Obama hatte sich für die unbedachte Koranschändung entschuldigt. Die Taliban schworen Rache und riefen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte zur Fahnenflucht auf.

kave/DPA / DPA