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Kriegsgebaren in Korea: Martialische Töne aus dem Norden

Scharfe Töne und Schießübungen in Nordkorea: Das Land warnt eindringlich vor dem bevorstehenden Seemanöver der USA mit Südkorea im Gelben Meer. Auch China sieht das Manöver kritisch, Außenminister Yang Jiechi sagte einen für Freitag geplanten Besuch in Seoul ab.

Mit martialischen Tönen hat Nordkorea vor einer Eskalation der Gewalt auf der koreanischen Halbinsel gewarnt. Wegen der anstehenden gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas gerate die ganze Region an den Rand des Krieges, hieß es am Freitag in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Nordkoreas engster Verbündeter China warnte im Vorfeld der Manöver vor jeglichen militärischen Aktivitäten entlang seiner Küste. Südkorea ernannte einen neuen Verteidigungsminister. Der bisherige Amtsinhaber war nach massiver Kritik an der Reaktion der Streitkräfte auf einen nordkoreanischen Angriff vom Dienstag zurückgetreten.

"Armee und Volk der Volksrepublik sind äußerst aufgebracht über die Provokation des Marionettenregimes (Südkorea)", hieß es in dem nordkoreanischen Bericht. "Sie bereiten sich darauf vor, furchtbare Feuergarben loszuschicken und das Bollwerk der Feinde in die Luft zu jagen, sollten diese es erneut wagen, die Würde und Souveränität der Volksrepublik auch nur auf das Geringste zu verletzen." Am Dienstag waren bei einem Artillerie-Angriff Nordkoreas auf eine südkoreanische Insel vier Menschen getötet worden, darunter zwei Zivilisten. Die Führung in Pjöngjang hatte angegeben, damit auf einen Beschuss durch Südkorea zu reagieren.

Im Vorfeld der südkoreanisch-amerikanischen Seemanöver warnte das chinesische Außenministerium vor einseitigen militärischen Aktivitäten jeglicher Art in Chinas Sonderwirtschaftszone. Diese erstreckt sich auf einen bis zu 200 Seemeilen breiten Küstenstreifen. Die USA haben den atomgetriebenen Flugzeugträger "George Washington" zu den bereits seit längerem geplanten Manövern ins Gelbe Meer entsandt. Diese sollen am Sonntag beginnen.

Die USA drängen die chinesische Führung dazu, ihren Einfluss geltend zu machen und Druck auf Nordkorea auszuüben. Präsident Barack Obama werde in den kommenden Tagen mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao telefonieren, kündigte ein US-Präsidialamtssprecher an. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking machte deutlich, dass im Mittelpunkt des Gesprächs die Wiederbelebung der auf Eis liegenden Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm stehen sollte.

In Südkorea wurde unterdessen ein neuer Verteidigungsminister ernannt. Nachfolger des zurückgetretenen Amtsinhabers Kim Tae Young wurde der Berufssoldat Kim Kwan Jin. Der frühere Generalstabschef sei der richtige Mann, um das Vertrauen des Volkes in die Armee und die Moral der Truppe wiederherzustellen, erklärte das Präsidialamt. Die Armee war wegen ihrer als zu spät empfundenen Reaktion auf den nordkoreanischen Beschuss kritisiert worden. Erst nach 13 Minuten hatten die südkoreanischen Soldaten das Feuer erwidert.

Für kurzzeitige Panik sorgte am Freitag ein in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hörbares Artilleriefeuer. Offenbar handelte es sich jedoch nur um eine nordkoreanische Militärübung.

Ju-min Park und Miyoung Kim, Reuters / Reuters
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