Kurdenkonflikt Türkei marschiert im Nordirak ein


Die türkischen Streitkräfte haben nach Angaben kurdischer Sicherheitskräfte am Dienstag Soldaten in den Nordirak geschickt. Die Soldaten seien drei Kilometer weit in den Irak eingedrungen, sagte ein Sprecher. Bereits am Wochenende hatte die Türkei Angriffe auf den Nordirak geflogen.

Türkische Soldaten sind am Dienstag in den Nordirak eingedrungen. "Die Soldaten haben bei der Verfolgung von Kämpfern der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) im Dreiländereck zwischen der Türkei, dem Irak und dem Iran die Grenze überquert", sagte Dschabar al-Jawar, ein Sprecher der kurdischen Kämpfer "Peschmerga" in Erbil.

Es handelt sich aber offenbar nicht um eine größere Offensive. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, in der Nacht zum Dienstag seien rund 300 türkische Soldaten in den Nordirak marschiert. Die leicht bewaffneten Truppen seien etwa zwei Kilometer ins Landesinnere vorgerückt. Die PKK wird nicht nur von der Türkei, sondern auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Bereits am Wochenende hatte die Türkei Angriffe auf den Nordirak geflogen. Es war die größte türkische Luftoffensive gegen die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) seit Jahren. Ziel waren nach Militärangaben Stellungen der PKK in der Grenzregion und in den Kandil-Bergen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Angriffe als Erfolg. Offiziellen Angaben zufolge wurde bei der Offensive eine Frau getötet, die kurdischen Rebellen sprachen von insgesamt sieben Toten. An den Angriffen waren nach türkischen Medienberichten etwa 50 Kampfflugzeuge beteiligt.

Die Regierung in Bagdad hat empört auf die Luftangriffe reagiert. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari warf der Türkei am Montag vor, den Militäreinsatz nicht mit der irakischen Regierung abgesprochen zu haben. Das Parlament in Bagdad bezeichnete die Luftangriffe als unerhörte Verletzung seiner Souveränität. Der Ministerpräsident der autonomen kurdischen Region im Nordirak, Mahmud Barsani, verurteilte die Angriffe, die "mit indirekter US-Zustimmung" ausgeführt worden seien.

Unterdessen ist US-Außenministerin Condoleezza Rice am Dienstag zu einem aus Sicherheitsgründen vorab nicht angekündigten Besuch in die nordirakische Vielvölkerstadt Kirkuk gekommen. Dort traf sie sich mit 35 Vertretern aller ethnischen und religiösen Gruppen der Stadt. Auf der Tagesordnung stehen das geplante Referendum über die Eingliederung der Stadt und ihrer Ölfelder in das kurdische Autonomiegebiet, die Gründung eines "Komitees des Erwachens" für den Kampf gegen die El-Kaida-Terroristen sowie der Konflikt zwischen der Türkei und den Kämpfern der radikalen Kurdenpartei PKK im Nordirak.

Lokalpolitiker, die an einem Treffen mit Rice im Gebäude der Provinzverwaltung teilnahmen, erklärten, auch sie hätten zunächst nicht gewusst, dass sie die Rice treffen sollten. "Wir wurden zu einem Gespräch mit einem hochrangigen US-Beamten eingeladen. Die Araber unter uns wurden gebeten, in traditioneller Tracht zu erscheinen." Rice hatte den Irak zuletzt im vergangenen September besucht. Damals hatte sie gemeinsam mit Präsident George W. Bush Mitglieder des "Komitees des Erwachens" der Anbar-Provinz getroffen.

AP AP

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