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Libanon: Hariri bei Parlamentswahl offenbar vorn

Die ersten libanesischen Parlamentswahlen ohne syrischen Einfluss beginnen ohne Überraschung: Der haushohe Favorit Saad al-Hariri hat die erste Teilabstimmung offenbar klar für sich entschieden.

Bei der Parlamentswahl im Libanon hat sich bei der ersten Teilabstimmung in der Hauptstadt Beirut offenbar wie erwartet der 35-jährige Saad al-Hariri durchgesetzt.

Dort zeichne sich ein erdrutschartiger Sieg der Hariri-Liste ab, hieß es in Kreisen der libanesischen Regierung am Sonntagabend. Die Liste habe alle verbleibenden zehn Sitze gewonnen. Beirut gilt als Hochburg der Sunniten, die Hariri vertritt. Der Millionär wird seit der Ermordung seines Vaters und Ex-Ministerpräsidenten von einer Welle der Sympathie getragen. Es ist in dem Land die erste Wahl seit 33 Jahren, bei der die Libanesen ohne direkten syrischen Einfluss ihr Parlament wählen. Das Land steht damit am Beginn einer neuen politischen Ära, nachdem Syrien im April nach jahrzehntelanger Präsenz seine Truppen abgezogen hat.

Die rund drei Millionen Libanesen sind an vier aufeinander folgenden Sonntagen aufgefordert, 128 Parlamentsabgeordnete zu wählen. Den Auftakt machten die 400.000 Wahlberechtigten in Beirut. Das offizielle Ergebnis der Hauptstadt soll Montag bekannt gegeben werden.

Keine Gegenkandidaten

Angesichts der Popularität Hariris hatten in Beirut andere Gruppierungen darauf verzichtet, Gegenkandidaten aufzustellen. Damit waren seiner Wahlliste bereits vor Öffnung der Wahllokale neun der 19 in Beirut zu wählenden Parlamentssitze sicher. Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des Innenministeriums bei nur 28 Prozent. Hariri hatte um eine hohe Beteiligung und einen klaren Auftrag gebeten.

Nach der Wahl in Beirut feierten am Sonntagabend die Anhänger Hariris. Bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern anderer Gruppierungen flogen zwar Steine und fielen Schüsse. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurde aber niemand verletzt. Insgesamt ist der Libanon in 14 Wahlkreise aufgeteilt, die von verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen dominiert werden. Das Wahlsystem garantiert Moslems und Christen letztlich dieselbe Zahl der Parlamentssitze.

Reuters / Reuters
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