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Libanon Armee schätzt Lage im Land als kritisch ein


Der Libanon kommt nicht zur Ruhe. In der Nacht wurde wieder geschossen. Drei Menschen starben. Die Armee warnt vor zunehmender Gewalt und kündigt entschlossenes Handeln an.

Die libanesische Armee hat entschlossene Maßnahmen zur Verhinderung von Gewalt und Chaos in dem Land angekündigt. Libanon durchlebe nach der Ermordung des Chefs des Polizei-Geheimdienstes eine kritische Zeit, erklärte die Armee am Montag. "Wir fordern alle politischen Führer auf, ihre Positionen und Meinungen mit Vorsicht zu äußern", mahnte die Armee.

Am Montagmorgen gab es in der libanesischen Hauptstadt Beirut erneut Schusswechsel. Bewaffnete Kämpfer riegelten mehrere sunnitische Viertel ab, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Beim Versuch der Armee, eine der Straßenblockaden zum Stadtteil Tarik al-Schdide zu räumen, schossen die Kämpfer demnach auf Soldaten. Diese erwiderten das Feuer. Schon in der Nacht war die Armee in Tarik al-Schdide gegen Bewaffnete vorgegangen. Aus dem Viertel waren Schüsse automatischer Waffen und panzerbrechender Raketen zu hören.

Die vermummten und teils mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Männer hatten die Straßensperren aus Müll, Eisenteilen und Steinen am Montagmorgen errichtet. Sie gaben sich als Unterstützer des früheren libanesischen Regierungschefs Saad Hariri und seiner oppositionellen Bewegung Zukunft aus.

In der Nacht war es auch in der nördlichen Hafenstadt Tripoli zu Schusswechseln gekommen. Zum Teil seien Artillerie und schwere Waffen eingesetzt worden. Nach Angaben der Polizei kamen drei Menschen ums Leben. Unter den Toten war ein neun Jahre altes Mädchen.

Verletzte bei Sturm auf Regierungssitz

Mehrere Menschen wurden am Sonntag in der libanesischen Hauptstadt Beirut verletzt, als Oppositionsanhänger versuchten, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen. Die Polizei fuhr Panzer auf und setzte Tränengas ein, um die Angreifer zu stoppen.

Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den benachbarten Libanon zu einer echten Zerreißprobe. Die Anhänger der anti-syrischen Zukunftsbewegung wollen die Regierung zum Rückzug zwingen. Beobachter sehen die Drahtzieher für das Attentat, bei dem am Freitag der mächtige libanesische Geheimdienstchef Wissam al-Hassan starb, in Damaskus. Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon, da das Land - was die Haltung zum Regime in Syrien angeht - zutiefst gespalten ist.

Drahtzieher des Attentats aus Syrien?

Am Rande der offiziellen Trauerfeier für die Todesopfer versammelten sich am Sonntag Tausende Demonstranten zum "Tag des Zorns" am zentralen Märtyrer-Platz. Dabei kam es zu Krawallen.

Die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter wurden durch die Straßen von Beirut getragen. An der Trauerfeier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist.

Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.

Krawalle am Rande der Trauerfeier

Unweit der Trauerfeier kam es zu den heftigen Ausschreitungen mit Anhängern der anti-syrischen Zukunftsbewegung. Die Polizei setzte Tränengas ein, als nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Demonstranten versuchten, den nahe gelegenen Regierungssitz zu stürmen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Armee rückte an, um das Regierungsgebäude abzusichern. Schüsse waren zu hören.

Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Ministerpräsident argumentierte: "Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon." Die Opposition besteht auf einem Rückzug der Regierung.

kng/DPA/Reuters DPA Reuters

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