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Krise in Syrien: Brahimi warnt vor Ausweitung des Krieges

Syrien-Beauftragter Lakhdar Brahimi sieht kaum Chancen für eine Waffenruhe in dem Land. Er warnt: Der blutige Konflikt könnte auf den gesamten Nahen Osten übergreifen.

Der Syrien-Sondervermittler Lakhdar Brahimi hat vor einer Ausweitung des Syrien-Krieges gewarnt. "Diese Krise kann auf Dauer nicht innerhalb Syriens gehalten werden", sagte der Gesandte der Vereinten Nationen und Arabischer Liga am Mittwoch in Beirut. Sollte keine Lösung gefunden werden, werde sich die Krise verschärfen und könnte auf den gesamten Nahen Osten übergreifen. In seltener Einigkeit unterstützen sowohl die Türkei wie der Iran Brahimis Plan für einen Waffenstillstand. Frankreich warnte vor einer immer größeren Gefahr für die Zivilbevölkerung durch Angriffe der Luftwaffe.

Brahimi will die Konfliktparteien davon überzeugen, das islamische Opferfest in diesem Monat zu nutzen, um die Waffen ruhen zu lassen. Brahimi bemüht sich um die Unterstützung für einen Waffenstillstand, den UN-Beobachter überwachen sollen. UN-Diplomaten sagten, der Vorstoß sei mit dem fehlgeschlagenen Plan seines Vorgängers Kofi Annan vergleichbar.

Syrien äußerte sich offen für die Bemühungen. Jeder Friedensplan müsse jedoch von beiden Konfliktparteien respektiert werden, sagte ein Außenamtssprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte der staatlichen Nachrichtenagentur Irna zufolge, ein Waffenstillstand und freie Wahlen seien der richtige Weg zur Lösung der Krise.

Rebellengruppen einigen sich

In Diplomatenkreisen werden dem Vorstoß Brahimis aber kaum Erfolgsaussichten beschieden. Weder Syrien noch die Opposition hätten Andeutungen gemacht, die Waffen ruhen lassen zu wollen, hieß es in New York. Auch aus Saudi-Arabien und Katar sei keine Unterstützung gekommen. Brahimi stellte die Reaktion der Rebellen am Mittwoch anders dar. "Jeder Oppositionelle hat uns gesagt: Sobald die Regierung die Gewalt beendet, werden wir darauf direkt reagieren."

Der französische Außenminister warnte unterdessen vor immer ungenaueren Angriffen der syrischen Luftwaffe auf oppositionelle Städte. Die Rebellen verfügten über schwerere Waffen, sagte Laurent Fabius in Paris. Dies zwinge die Kampfjets, höher zu fliegen und unpräziser zu feuern. Zudem warf der Minister Syrien vor, international geächtete Streubomben einzusetzen. Dies hatte die Führung unlängst bestritten.

Die zersplitterten Rebellengruppen einigten sich offenbar auf die Bildung einer gemeinsamen Führung - eine zentrale Forderung des Auslands für eine stärkere Unterstützung. In Kreisen der Aufständischen hieß es, die zersplitterten Gruppen hätten sich am Wochenende geeinigt. Der von Dutzenden Rebellen - darunter auch Anführern der Freien Syrischen Armee - getroffene Beschluss solle die militärische Zusammenarbeit im Kampf gegen Präsident Baschar al Assad verbessern.

Türkei und Syrien liefern sich Schusswechsel

Unterdessen haben sich Syrien und die Türkei erstmals seit mehreren Tagen wieder einen Schusswechsel an ihrer gemeinsamen Grenze geliefert. Den Einschlag eines syrischen Geschosses in der Provinz Haytan habe die türkische Armee mit dem Abschuss von Mörsergranaten auf syrisches Territorium beantwortet, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwochabend.

Die Garnison der türkischen Grenztruppen in Hacipasa in Haytan habe einen Vergeltungsschuss auf Syrien abgegeben, meldete Anadolu mit Verweis auf eine Mitteilung des Gouverneursbüros von Haytan. Demnach schlug am späten Nachmittag drei Meter hinter der Grenzlinie ein syrisches Geschoss ein, ohne dass es Verletzte gab. Nur 150 Meter entfernt vom Einschlagsort habe sich ein Bauernhof befunden. Nach einem Bericht des türkischen Nachrichtensenders NTV schlug die syrische Granate auf einer Sandbank des Flusses Oronte ein.

Berichte über Opfer auf syrischer Seite lagen zunächst nicht vor. Am 3. Oktober waren fünf türkische Zivilisten von einem von Syrien aus abgefeuerten Artilleriegeschoss getötet worden; auch in den Tagen danach gingen mehrmals aus Syrien abgefeuerte Geschosse auf türkischem Territorium nieder. Die Türkei reagierte bislang auf jedes Geschoss aus Syrien mit Vergeltungsschlägen.

kave/Reuters/AFP / Reuters