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Trauerfeier im Libanon eskaliert Verletzte bei Angriff auf Regierungssitz


Der syrische Bürgerkrieg greift auf den labilen Nachbarn Libanon über. Die Ermordung des Geheimdienstchefs führt zum Aufruhr der anti-syrischen Kräfte in Beirut. Die Staatsmacht fährt Panzer auf.

Der Konflikt in Syrien wird für den Libanon zu einer echten Zerreißprobe: Unweit der Trauerfeier für den getöteten libanesischen Geheimdienstchef Wissam al-Hassan kam es in Beirut zu heftigen Ausschreitungen mit Anhängern der anti-syrischen Zukunftsbewegung. Die Polizei setzte Tränengas ein, als nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Demonstranten versuchten, den nahe gelegenen Regierungssitz zu stürmen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Armee rückte mit Panzern an, um das Regierungsgebäude abzusichern. Auch Schüsse waren zu hören.

Bei dem Anschlag mit einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sagte in Paris, es deute einiges auf eine Beteiligung Syriens an dem Anschlag hin. Das Attentat zeige, wie dringend der Abgang Assads in Syrien sei.

Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah. Die Opposition will die Regierung deshalb zum Rückzug zwingen. Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon, da das Land - was die Haltung zum Regime in Syrien angeht - zutiefst gespalten ist. Ein westlicher Diplomat bezeichnete die Lage im Libanon als instabil. "Ich weiß nicht, ob das (der Anschlag) der erste einer ganzen Serie ist - aus der Historie heraus würde ich es vermuten." Unter allen Zielen für ein Attentat sei al-Hassan dasjenige gewesen, das die Stabilität des Libanon am meisten ins Wanken habe bringen können.

Verdacht fällt auf syrischen Geheimdienst

Die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter wurden durch die Straßen von Beirut getragen. An der Trauerfeier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angreist.

Mikati und Suleiman stellten bei der Trauerfeier explizit eine Verbindung zwischen dem Anschlag auf al-Hassan und der Festnahme des früheren Abgeordneten Michel Samaha her. Samaha war von al-Hassan unter dem Vorwurf festgenommen worden, im Auftrag des syrischen Geheimdienstchefs Ali Mamluk Sprengstoff in den Libanon gebracht zu haben. Im Zuge der Ermittlungen stellte al-Hassan auch einen Haftbefehl gegen Mamluk aus.

Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.

Angst vor neuem Bürgerkrieg wächst

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte bei Telefonaten mit Präsident Suleiman und Regierungschef Mikati der Regierung in Beirut seine Unterstützung zu. Er äußerte die Hoffnung, dass sich der Libanon nicht von "regionalen Ereignissen" - damit ist der Bürgerkrieg im benachbartren Syrien gemeint - beeinflussen lasse, wie ein Sprecher Bans am Samstag in New York mitteilte.

Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Ministerpräsident argumentierte: "Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon." Die Opposition, die für Sonntag zu einem "Tag des Zorns" aufrief, besteht aber auf einem Rückzug der Regierung.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief die Libanesen zur Besonnenheit auf. "Es muss alles getan werden, damit der syrische Bürgerkrieg nicht auf den Libanon übergreift", erklärte ein Außenamtssprecher in Berlin. Der französische Außenminister Laurent Fabius zeigte sich nach Angaben des Senders Europe 1 überzeugt, dass Syriens Präsident Baschar al-Assad versuche, den Konflikt in die Nachbarländer zu tragen, in die Türkei und den Libanon.

kmi/cjf/fgüs//AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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