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Wahl im Libanon: Sieg für antisyrische Opposition

Die Libanesen haben den prosyrischen Kräften im Land eine Niederlage beschert. In der letzten Runde der Parlamentswahl konnte das Oppositionsbündnis unter Saad Hariri seinen Vorsprung behaupten.

Das antisyrische Oppositionsbündnis um den Sohn des ermordeten früheren libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri hat sich zum Sieger der Parlamentswahlen in Libanon erklärt. Erste Ergebnisse der entscheidenden vierten und letzten Wahlrunde würden belegen, dass das Bündnis von Saad Hariri im künftigen Parlament die Mehrheit der Sitze erhalten werde, hieß es am Sonntagabend in Beirut aus Hariri nahe stehenden Kreisen.

"Wir liegen vorn und wir sind sehr optimistisch", sagte ein Vertreter des Bündnisses. Offizielle Ergebnisse lagen zunächst nicht vor, doch das prosyrische Lager räumte seine Niederlage bereits ein. "Wir beugen uns dem Willen des Volkes", sagte der frühere Innenminister Suleiman Frandschieh, ein enger Freund der Familie des syrischen Präsidenten Baschar Assad. In den Straßen der Hafenstadt Tripoli und Beiruts wurde am frühen Montagmorgen schon der Sieg der Opposition gefeiert.

48 Prozent Wahlbeteiligung

Offizielle Ergebnisse sollten am Montag bekannt gegeben werden. Nach Ansicht von Wahlbeobachtern lag die Beteiligung an dem Urnengang im Norden Libanons mit etwa 48 Prozent vergleichsweise hoch. Bei der letzten von vier Wahlrunden ging es um die Besetzung von 28 von insgesamt 128 Parlamentssitzen.

An vier Wahlsonntagen waren insgesamt rund drei Millionen Libanesen wahlberechtigt, die zu 59 Prozent Muslime und zu 41 Prozent Christen der verschiedensten Konfessionen sind. Das konfessionelle Proporzsystem Libanons legt genau fest, wie viele Angehörige der einzelnen Religionsgruppen im Parlament vertreten sind. Außerdem muss der Staatspräsident ein maronitischer Christ, der Regierungschef ein sunnitischer Muslim und der Parlamentssprecher ein schiitischer Muslim sein.

Der Ausgang der Wahl entscheidet darüber, ob Libanon sieben Wochen nach dem Abzug der syrischen Truppen eine Regierung bekommen wird, die sich aktiv gegen jede künftige Einmischung des "Großen Bruders" in Damaskus wehren wird.

Steile politische Karriere

Der 35 Jahre alte Geschäftsmann Saad Hariri rechnet sich gute Chancen auf den Posten des künftigen Ministerpräsidenten aus. Die Ermordung seines Vaters, Ex-Regierungschef Rafik Hariri, im vergangenen Februar hatte den sunnitischen Milliardärssohn innerhalb weniger Wochen in die politische Arena katapultiert. Das Attentat löste eine Protestbewegung aus, die den Abzug der Syrer, die 1976 während des Bürgerkrieges ins Land gekommen waren, beschleunigte.

Das Hariri-Bündnis hatte bei der ersten Runde in Beirut am 29. Mai bereits alle 19 Sitze gewonnen. Im Süden siegten eine Woche später die schiitischen, prosyrischen Organisationen Hisbollah und Amal. Bei der dritten Runde am vergangenen Sonntag hatte der erst vor einem Monat aus dem Pariser Exil zurückgekehrte ehemalige Regierungschef Michel Aoun unerwartet stark abgeschnitten.

AP/DPA / AP / DPA