Libanon Israel verbietet Hilfslieferungen

Die verzweifelte Lage zehntausender Zivilisten im Libanon spitzt sich zu. Israel hat den Hilfsorganisationen die Genehmigung entzogen, Lebensmittel zu verteilen. In den Häfen stapeln sich Tonnen von Hilfsgütern.

Hilfsorganisationen haben nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag keine Genehmigung für die Verteilung von Lebensmitteln und medizinischen Versorgungsgütern im südlichen Libanon erhalten. Israel habe sozusagen eine Blockade über Teile das Grenzgebiet verhängt, sagte IKRK-Sprecher Richard Huguenin in Tyrus. Die Militärbehörden hätten zudem entgegen früheren Zusagen keine Sicherheitsgarantien abgegeben. Schon seit zwei Tagen seien deshalb keine Hilfstransporte mehr möglich gewesen.

Zivilisten brauchen dringend Hilfe

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind inzwischen mindestens 180.000 Libanesen nach Syrien geflohen. 48.000 von ihnen seien in Camps, vorwiegend Schulen, untergekommen. Im Südlibanon hielten sich noch etwa 90.000 Zivilisten auf, das Rote Kreuz schätzt die Zahl sogar auf 100.000. In Tyrus befinden sich unterschiedlichen Schätzungen zufolge noch zwischen 27.000 und 65.000 Zivilisten. Sie müssten dringend mit Hilfsgütern versorgt werden, betonte Huguenin.

Auch auf dem Seeweg konnte Huguenin zufolge die südlibanesische Bevölkerung nicht mehr versorgt werden. Ein griechisches Schiff mit Hilfsgütern des Roten Kreuzes habe keine Erlaubnis erhalten, den Hafen von Tyrus anzusteuern. Es sei schließlich nach Sidon nördlich des Litani-Flusses umgeleitet worden.

Treibstoffmangel und Fahrverbot

Außerdem bedroht Treibstoffmangel nach Darstellung der Weltgesundheitsorganisation WHO die medizinische Versorgung im Libanon. Wenn das Problem nicht gelöst werde, würden 60 Prozent der Krankenhäuser bis Freitag ihre Funktion einstellen, teilte die Organisation am Montag in Genf mit. Ein Krankenhausbett benötige pro Woche 80 Liter Treibstoff.

Am Montag wurde zudem ein allgemeines Fahrverbot verkündet. Ein israelischer Militärsprecher erklärte, es gehe darum, der Hisbollah die Zulieferung von Waffen und Munition unmöglich zu machen. Fahrzeuge, die zu humanitären Einsätzen unterwegs seien, würden von der Regelung ausgenommen.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef habe es geschafft, Wasser, Hygieneartikel und Medikamente nach Tyrus zu bringen. Im Raum Beirut benötigten die Hilfsorganisationen dringend Impfstoff für die Flüchtlingsunterkünfte. Es fehle auch an Fahrzeugen.

Israel zerstört Zufahrtswege

Am Montag hatte die israelische Luftwaffe laut einer Hilfsorganisation den letzten großen Transportweg für Hilfsgüter nach Tyrus zerstört. Die einzig verbliebene Brücke über den Litani-Fluss bei Kasmijeh sei zerbombt worden, sagte ein Vertreter der Gruppe Ärzte ohne Grenzen (MSF). Nun könne ein Konvoi mit Lebensmitteln, Medizin und Benzin nicht mehr wie geplant nach Tyrus fahren.

Israel hat mehrfach angekündigt, das rund 30 Kilometer breite Gebiet südlich dieses Flusses bis zur israelischen Grenze zur Pufferzone auszuweiten. Die dortige Bevölkerung wurde zur Ausreise aufgerufen.

Die israelische Armee habe der Organisation zudem mitgeteilt, dass für die an dem Transport beteiligten Mitarbeiter keine Sicherheitsgarantien gegeben werden könnten. „Wenn wir weitermachen, dann auf unser eigenes Risiko“, sagte der MSF-Vertreter. Die Gruppe denke nun darüber nach, die Hilfslieferungen am Flussbett abzuladen und dann per Hand auf die andere Seite zu schaffen.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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