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London: "Die Absicht war zu töten"

Auf den Londoner Nahverkehr sind erneut Bombenanschläge verübt worden. Sie waren offenbar weit weniger schwer als die Anschläge vor zwei Wochen. Dennoch geht die Polizei davon aus, dass die Explosionen Menschen töten sollten.

Die Bomben in drei U-Bahnen und einem Bus waren zwar von geringer Sprengkraft, verbreiteten aber Angst und Schrecken. Opfer gab es keine. Wenige Stunden nach den Detonationen in drei U-Bahnen und einem Doppeldeckerbus hatte die Polizei die Lage nach eigenen Angaben wieder "unter Kontrolle".

"Die Absicht war zu töten", sagte der Londoner Polizeichef Ian Blair am Abend. "Diese Absicht haben die Terroristen aber nicht umsetzen können." Einige der Sprengsätze seien nicht hochgegangen.

Wie viele Leute an der Tat beteiligt waren, sei noch nicht bekannt, sagte Blair weiter. Ob die Anschläge im Zusammenhang mit den Selbstmordattentaten vom 7. Juli stünden, sei ebenfalls nicht klar, doch gebe es Parallelen. In beiden Fällen gab es Bomben in drei U- Bahnen und einem Doppeldeckerbus.

Die Ermittlungen bei den erneuten Anschlägen beziehungsweise Anschlagsversuchen stünden möglicherweise vor einem "bedeutenden Durchbruch", da an den Tatorten wichtige Spuren gesichert worden seien, sagte der Polizeichef. Weitere Details nannte er nicht und bat die Öffentlichkeit um Geduld.

Blair sagte als Reaktion auf Berichte über einen penetranten Geruch nach den Explosionen, nichts deute auf einen Chemiewaffenanschlag hin. Die Bomben seien anscheinend "recht konventionell" gewesen. "Das sind kleinere Sprengsätze, von denen einige nicht richtig losgegangen sind", sagte er. Die Bomben seien aber fast gleichzeitig explodiert.

"Wir können Dinge wie diese nicht herunterspielen. Alles, was ich dazu sagen möchte ist dies - wir wissen, warum diese Dinge geschehen sind, um den Menschen Angst zu machen", sagte Regierungschef Blair. Er bestätigte, dass niemand verletzt worden sei.

Die neuen Anschläge trafen die Metropole ins Mark. Zahlreiche U-Bahnstationen wurden vorübergehend evakuiert und scharenweise in Panik geratene Fahrgäste aus den Waggons geholt. Das Regierungsviertel Whitehall wurde kurzzeitig abgesperrt.

Augenzeugen berichteten von einem Mann, der seinen Rucksack in einer U-Bahn fallen ließ und dann weggelaufen sei. Ein großer Teil des Londoner U-Bahnnetzes wurde nach den Anschlägen gesperrt. "Wir verließen alle den Bahnsteig und der Typ rannte los, er fing an, die Rolltreppe hochzulaufen", sagte eine Frau der BBC. "Alle schrien, jemand solle ihn festhalten. Er lief an mir vorbei, er lief aus dem Bahnhof." Einem Fernsehbericht zufolge sperrte die Polizei Oval ab und setzte dort Spürhunde ein. In der Nähe von Warren Street liefen drei bewaffnete Polizisten in ein Krankenhaus. Das University College Hospital sei anschließend abgeriegelt worden, berichtete ein Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters.

Rettungskräfte wurden an die drei U-Bahn-Stationen Oval, Warren Street und Shepherd’s Bush beordert, die jeweils im Süden, Norden und Westen der Hauptstadt liegen. Im Osten der Stadt detonierte ein Sprengsatz in einem Bus, der von Waterloo nach Hackney unterwegs war. Auch am 7. Juli waren Anschläge auf drei U-Bahnen und einen Bus verübt worden. Dieser war von Hackney nach Zentral-London unterwegs gewesen. Als Täter wurden radikale Moslems vermutet.

An dem Bus im Osten der Stadt wurden dem Betreiber zufolge die Fenster zerstört. "Der Fahrer hörte ein Knall im hinteren Teil des Busses", sagte ein Polizist Reuters. "Er dachte, dass er wohl von einem Auto getroffen worden war. Er hielt an einer nahe gelegenen Haltestelle und sah ein verdächtiges Paket im hinteren Teil des Busses." Ein Sprecher der Betreiberfirma sagte, die Karosserie des Busses der Linie 26 sei noch intakt.

Blair rief die Bevölkerung auf, ihrer normalen Tätigkeit weiter nachzugehen. Er forderte die Briten auf, wie in der Vergangenheit mit der bekannten Ruhe, Würde und Entschlossenheit zu reagieren. Das Ziel der Attentäter sei genau, die Leute einzuschüchtern. "Wir wollen so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren." Zuvor hatte er an einem Krisentreffen über die Explosionen mit den Chefs der Sicherheitskräfte sowie Innenminister Charles Clarke, Verteidigungsminister John Reid und Außenminister Jack Straw teilgenommen.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters