Terror in London Angeblich gibt es eine erste Spur


Britischen Zeitungsberichten zufolge suchen die Ermittler nach dem gebürtigen Marokkaner Mohammed al-Gerbouzi, dem auch Verwicklungen in die Anschläge von Madrid und Casablanca nachgesagt werden. Unterdessen verzögern sich die Bergungsarbeiten wegen Einsturzgefahren.

Die britische Polizei sucht nach den Bombenanschlägen in London mit mehr als 50 Toten laut einem Zeitungsbericht einen Verdächtigen marokkanischer Herkunft. Wie die Zeitung "The Independent" in ihrer Internet-Ausgabe berichtet, wurden Nachrichtendienste und Polizei mehrerer europäischer Länder um Informationen über den Verbleib von Mohammed al-Gerbouzi gebeten. Al-Gerbouzi soll in die Terroranschläge von Madrid und Casablanca verwicklet sein. Al-Gerbouzi, der in Großbritannien Asyl genießt, sei spurlos aus London verschwunden.

Nach Informationen deutscher und französischer Sicherheitsbehörden hat Al-Gerbouzi Verbindung zu den jordanischen Topterroristen im Irak Abu Mussab al-Sarkawi, schrieb das Blatt weiter. Ein spanischer Richter bringt den gebürtigen Marokkaner auch mit dem Chef des Terrornetzwerkes Osama bin Laden in Verbindung. Er habe Verbindung zu einem Mann, der Bin Ladens Botschafter in Europa sei, schrieb "The Independent" unter Berufung auf den Richter weiter.

In Marokko in Abwesenheit verurteilt

Die marokkanische Regierung habe mehrfach versucht, die Auslieferung des 45-Jährigen zu erreichen. In Marokko wurde er in Abwesenheit zu 20 Jahren für seine Verwicklung in die Anschläge in Casablanca im Jahr 2003 mit 44 Toten verurteilt. Laut spanischen Polizeibehörden hat einer der Verdächtigen der Anschläge vom März 2004 in Madrid mit 191 Toten bei Al-Gerbouzi in London angerufen. Wie der "Independent" weiter schriebt, hätten Scottland Yard und der britische Inlandsgeheimdienst MI5 am Donnerstagabend um alle möglichen Informationen im Zusammenhang mit Al-Gerbouzi gebeten.

Einsturzgefahr verzögert Bergungsarbeiten

Fast zwei Tage nach den Anschlägen in London sind noch nicht alle Leichen geborgen. Wegen Einsturzgefahr eines Tunnels seien Bergungsmannschaften immer noch nicht zu einem U-Bahnwagen vorgedrungen, sagte Londons Polizeichef Sir Ian Blair. Die Zahl der dort Getöteten sei unklar. Die Arbeiten gestalteten sich sehr schwierig.

Die G8-Staaten und die NATO zeigten sich entschlossen, den Kampf gegen den internationalen Terror auszuweiten. "Heute stehen wir erneut zusammen", sagte der britische Premierminister Tony Blair im schottischen Gleneagles. Die reichen Industriestaaten und Russland wollen unter anderem mit einer Verdoppelung der Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder der Welt dem Terrorismus den Boden entziehen.

Royals gehen in die Krankenhäuser

Queen Elizabeth II. und andere Mitglieder der Königsfamilie besuchten Verletzte in Londoner Krankenhäusern. Danach sprach die Königin mit einem ungewöhnlich emotionalen Appell den Briten Mut zu. Die Briten würden trotz der brutalen Anschläge ihre Lebensweise nicht ändern. "Traurigerweise sind wir in Großbritannien nur allzu gut mit Terror vertraut", sagte sie unter Bezug auf den IRA-Terrorismus und die Bombardierung Londons durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg.

Polizei weist Kritik von sich

Ian Blair und Innenminister Charles Clarke bestritten den Vorwurf, die Polizei habe die Terrorgefahr in letzter Zeit unterschätzt. Clarke sagte: "Wir glauben nicht, dass wir irgendetwas verpasst haben, die Anschläge kamen wirklich aus heiterem Himmel. Wir haben zwar einen sehr effektiven Geheimdienst, aber diesen konkreten Anschlag zu diesem konkreten Zeitpunkt haben wir nicht vorausgesehen." Der Inlandsgeheimdienst MI5 hatte im vergangenen Monat verkündet, die Terrorgefahr in London sei seit dem 11. September 2001 noch nie so niedrig gewesen. Der Terroralarm wurde von der zweit- auf die dritthöchste Stufe gesenkt.

Ian Blair rief die Bevölkerung bei der Fahndung zur Mithilfe auf und zollte allen Londonern Respekt: "London kann so was wegstecken, das ist jetzt klar", sagte er. Immer wieder betonte er, dass auch die muslimische Gemeinschaft in Großbritannien die Anschläge verurteilt habe und das ganze Land zusammenstehe. Der Dachverband der britischen Muslime hatte in den ersten Stunden nach den Anschlägen 30 000 E- Mails mit Hassbekundungen erhalten.

Sorge bei den Verbündeten

Bei den Verbündeten der USA im Irak und in Afghanistan wächst indes die Sorge, dass sie als nächstes ins Visier der Terroristen kommen könnten. Die dänische Regierung ordnete eine erhöhte landesweite Alarmbereitschaft für die Polizei an, auch Australien, Italien, Japan und Polen weiteten die Sicherheitsvorkehrungen aus. In Deutschland forderte die Union neue Sicherheitsgesetze. Dagegen halten SPD, Grüne und FDP die bestehenden Regelungen für ausreichend. Die SPD lehnte eine aus der CDU geforderte Sondersitzung des Bundestages ab.

Die G8-Staaten machen nach den Anschlägen in London gegen den internationalen Terror mobil. Die Führer von sieben afrikanischen Staaten stellten sich in Gleneagles demonstrativ auf die Seite der führenden sieben Industrienationen und Russlands. Am Vortag hatten sich schon die aufstrebenden Wirtschaftsnationen China, Indien, Mexiko, Südafrika und Brasilien mit der G8 solidarisch erklärt.


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