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Machtkampf um Elfenbeinküste: Bewaffnete Offensive der Wahlsieger

Im Machtkampf in Elfenbeinküste erhöht der international anerkannte Wahlsieger Alassane Quattara den militärischen Druck. Truppen begannen mit einer Offensive gegen Staatschef Laurent Gbagbo. Dieser weigert sich seit über einem Vierteljahr, seine Wahlniederlage zu akzeptieren.

Bewaffnete Anhänger des international anerkannten Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, haben am Montag einen Großangriff auf mehrere vom bisherigen Staatschef Laurent Gbagbo kontrollierte Landesteile gestartet. Nach eigenen Angaben zielten sie auf Städte im Westen, im Zentrum und im Osten des Landes. Die Vereinten Nationen gingen neuen Hinweisen auf das Verschwinden zweier UN-Mitarbeiter im Februar nach.

Gefechte um Duékoué

Am Morgen griffen die Truppen Ouattaras die strategisch wichtige Stadt Duékoué im Westen des Landes an. Bis zum Abend lieferten sie sich Gefechte mit Getreuen von Gbagbo, die den Verkehrsknotenpunkt kontrollierten. Ein Sprecher der Unterstützer Ouattaras sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie wollten den westlichen Landesteil "sichern". Mindestens zwei Anhänger Gbagbos und ein Unterstützer Ouattaras wurden getötet.

Gegen Abend gaben Ouattaras Anhänger an, Duékoué bis auf ein kleines "Widerstandsnest" eingenommen zu haben. Außerdem hätten sie im Tagesverlauf die Städte Dalao im Zentrum und Bondoukou im Osten des Landes angegriffen. Dalao ist die drittgrößte Stadt der Elfenbeinküste und ein Hauptumschlagplatz für Kakao. Das Land ist der weltweit größte Exporteur von Kakao. Die Gegenseite verwies am Abend darauf, dass die Kämpfe weiter andauerten.

Erfolglose Vermittlungsversuche

In der Elfenbeinküste werden Teile des Nordens von den Anhängern Ouattaras, der Süden und die wichtige Metropole Abidjan hingegen von Unterstützern Gbagbos kontrolliert. Die internationale Gemeinschaft sieht Ouattara als Sieger der Präsidentschaftswahl vom November an und fordert Gbagbos Rücktritt. Alle Vermittlungsbemühungen blieben bislang ohne Erfolg. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind fast eine Million Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen.

Der frühere Außenminister des Inselstaats Kap Verde, José Brito, der von der Afrikanischen Union zum neuen Vermittler in dem Konflikt benannt worden war, akzeptierte die Ablehnung seines Mandats durch Ouattara. "Präsident Ouattara hat Gründe, die ich respektiere", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Das Ouattara-Lager hatte eine Vermittlung Britos am Samstag mit der Begründung abgelehnt, dieser pflege "persönliche Verbindungen" mit Gbagbo.

UNO-Mitarbeiter entführt

Die UNO untersuchte indes das Verschwinden mehrerer vertraulicher Dokumente in der Elfenbeinküste. Laut der US-Tageszeitung "Wall Street Journal" sollen sie Informationen über die Einsätze von UN-Hubschraubern in dem Land enthalten haben und Anhängern Gbagbos in die Hände gefallen sein. Dessen Einheiten hätten die Möglichkeit gehabt, zwei seit Februar vermisste UN-Mitarbeiter zu entführen. Ein UN-Sprecher bestätigte die Untersuchung.

cjf/AFP / AFP