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US-Bürgerrechtler US-Justiz prüft: Neue Hinweise auf Verwicklung von FBI und Polizei in Attentat auf Malcolm X

US-Bürgerrechtler Malcolm X im Portrait
Der US-Bürgerrechtler Malcolm X wurde 1965 durch ein Attentat getötet. Neue Hinweise werfen die Frage auf, ob FBI und New Yorker Polizei in die Tat verwickelt waren.
© Picture Alliance
Genau 56 Jahre nach dem tödlichen Attentat auf den US-Bürgerrechtler Malcom X ist der Fall wieder Gegenstand von Ermittlungen. In einem posthum veröffentlichten Brief eines Polizisten werden FBI und Polizei beschuldigt, in das Attentat verwickelt gewesen zu sein.

Er ist neben Martin Luther King das wohl bekannteste Gesicht der US-Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre: Malcolm X alias Malcom Little, nach seiner Mekka-Hadsch 1964 El Hajj el-Shabazz. Anders als "MLK" vertrat der Wortführer der Schwarzen-Bewegung "Nation of Islam", mit der es im selben Jahr zum Bruch kam, aber radikalere Ansichten. Malcolm X hielt King immer noch für eine Art Weißen-freundlichen "Onkel Tom" und - wörtlich - dienstbaren "Hausneger", der bei der Unterdrückung der rebellischen "Feldneger" hilfreich sei. Eines ist beiden Männern gleich: Sie wurden Opfer eines Attentats.

Auf den Tag genau 56 Jahre nach den tödlichen Schüssen auf Malcolm X am 21. Februar 1965 haben Nachfahren des Aktivisten am vergangenen Wochenende während einer Pressekonferenz in New York nun neue Hinweise zum Attentat veröffentlicht und eine umfassende Untersuchung gefordert. Alle neuen Belege zu dem Fall müssten "gründlich geprüft" werden, verlangte Ilyasah Shabazz, eine der sechs Töchter des Bürgerrechtlers. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in New York bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, dass eine neue Überprüfung des Mordfalls bereits "im Gange" sei.

Malcolm X: Verdeckter Ermittler stellte Bodyguards eine Falle

Quelle der neuen Hinweise ist ein Brief des inzwischen verstorbenen verdeckten Ermittlers Raymond Wood. Dieser hatte eigens verfügt, dass das Schreiben erst nach seinem Tod veröffentlicht werden sollte. Demnach sollen das FBI und die New Yorker Polizei mindestens an der Vorbereitung der Ermordung von Malcolm X beteiligt gewesen sein. Wood, ein Afroamerikaner, schreibt, er sei von seinen Vorgesetzten angewiesen worden, als Undercover-Agent die beiden Leibwächter von Malcolm X in eine Falle zu locken. Tatsächlich wurden die beiden Bodyguards wenige Tage vor dem Mord festgenommen. Bei seinem Auftritt in Harlem war der Bürgerrechtler somit ohne persönliche Leibwächter.

Kurz bevor X am fraglichen Tag seine Rede beginnen wollte, entstand ein Streit zweier Zuhörer. Die kurzfristig engagierten Bodyguards ließen Malcolm X ungeschützt auf der Bühne zurück, um sich um den Streit zu kümmern. Diesen Moment nutzte ein Mann, um mit einer Schrotflinte auf den Aktivisten zu schießen. Zwei weitere Attentäter schossen ebenfalls auf Malcolm X, der laut Obduktion von 21 Schüssen getroffen und getötet wurde. Eine gezündete Rauchbombe vergrößerte das Chaos zusätzlich, so dass zwei der Schützen fliehen konnten. Nur einer der mutmaßlichen Täter wurde bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.

Malcolm X kämpfte für die Rechte der schwarzen Bevölkerung und bezahlte dafür mit seinem Tod

Geständiger Attentäter: Mit-Verurteilte unschuldig

Dieser Mann, der damals 23-jährige Thomas Hagan, gestand die Tat. Es wurden jedoch drei Männer - alle Mitglieder der "Nation of Islam" - wegen des Attentats zu lebenslanger Haft verurteilt. Hagan bezeichnete die beiden anderen Verurteilten als unschuldig. Er kam im Jahr 2010 auf freien Fuß, nachdem einem von ihm eingereichten Gnadengesuch stattgegeben worden war. Motiv des Attentats sei Vergeltung für die Kritik an Elijah Muhammad, Gründer der "Nation" und anfangs Mentor von Malcolm X, gewesen. Einer der beiden anderen Verurteilten starb im Jahr 2009 im Gefängnis. Der dritte Verurteilte kam 1985 auf Bewährung frei.

Bis heute gilt das Mordkomplott gegen den Aktivisten als nicht vollständig aufgeklärt. In seiner Malcolm-X-Biografie aus dem Jahr 2011 behauptet der US-Historiker Manning Marable, die meisten am Attentat Beteiligten seien auf freiem Fuß. FBI und Polizei hätten aufgrund ihrer Überwachung von Malcolm X frühzeitig von Anschlagsplänen erfahren, diese aber bewusst geduldet und keine Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Brief des verstorbenen Undercover-Mann Wood scheint nun eine aktive Rolle der Sicherheitsbehörden offenzulegen.

Fordern intensive Prüfung neuer Hinweise zum Attentat auf ihren Vater: Illya, Attallal and Gamilah Shabazz (v.li.), drei der Töchter des 1965 ermordeten US-Bürgerrechtlers Malcolm X.
Fordern intensive Prüfung neuer Hinweise zum Attentat auf ihren Vater: Illya, Attallal and Gamilah Shabazz (v.li.), drei der Töchter des 1965 ermordeten US-Bürgerrechtlers Malcolm X.
© Stan Honda / AFP

Malcolm X galt als "schwarzes Monster"

Dass FBI und Polizei ein Attentat auf den streitbaren Bürgerrechtlicher billigend in Kauf genommen haben könnten, scheint aus historischer Sicht auf die unruhigen 1960er-Jahre nicht abwegig. Malcolm X, der eine kriminelle Vergangenheit und den Kriegsdienst in Korea verweigert hatte, galt aufgrund seiner kompromisslosen und kämpferischen Einstellung als "Hass-Prediger" und "schwarzes Monster". Die Ermordung des überaus beliebten US-Präsidenten John F. Kennedy kommentierte X 1963 sinngemäß mit den Worten "Die Verbrechen, die man begeht, fallen auf einen zurück". Das brachte ihm enorme Empörung und ein durch die "Nation of Islam" ausgesprochenes Redeverbot ein.

dho / mt Material von AFP

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