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Massaker von Katyn: Putins auf Versöhnnugskurs mit Polen

70 Jahre nach dem Massaker von Katyn haben die Regierungschefs von Russland und Polen, Wladimir Putin und Donald Tusk, gestrigen Mittwoch erstmals gemeinsam der Opfer in dem westrussischen Ort gedacht.

Beide Politiker legten am Mahnmal für tausende vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordete polnische Offiziere und Intellektuelle Kränze nieder. Danach reichten sich Tusk und Putin in einer historischen Versöhnungsgeste die Hand

Die polnische Presse kommentiert:

Zur Rede des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin in Katyn schreibt die konservative polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita" am Donnerstag:

"Hervorzuheben ist (...) Putins deutliche Aussage, dass polnische Offiziere auf Stalins Befehl getötet wurden. Und er betonte, "es kann nur eine Bewertung des Totalitarismus geben". Schade, dass das Wort "Kommunismus" nicht gefallen war, denn so heißt die Ideologie, die sowohl hinter der großen Säuberung als auch hinter dem Völkermord an polnischen Offizieren stand."

Zur Teilnahme Wladimir Putins schreibt die polnische Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" am Donnerstag:

"Putin ging es nicht nur um eine Geste an Polen. Wichtiger war möglicherweise seine Botschaft an Russland. Sie lautete: Verabschieden wir uns vom Erbe des Stalinismus, haben wir keine Angst, darüber zu reden. (...) Putin hat begriffen, - wie schon früher Präsident Medwedew - dass Russland ohne eine Überwindung dunkler Seiten sowjetischer Vergangenheit keine moderne Identität schaffen kann. Katyn ist ein ideales Symbol, um solche Botschaft an die Gesellschaft zu richten. (...) Aus polnischer Perspektive hätte man mehr verlangen können, für die Russen bedeuten aber Putins Worte einen mutigen Durchbruch. Das ist eine gute Nachricht für die ganze Welt. In Katyn zeigte Putin Russland einen europäischen Weg zur Vergangenheitsbewältigung. Nun sollten weitere Mitglieder der russischen Führung diesen Kurs verstehen und mitmachen."

DPA / DPA