Massenerschießung Polizisten richten Massaker im Nordirak an


Es war eine regelrechte Hinrichtung: Schiitische Polizisten haben mindestens 45 sunnitische Einwohner einer nordirakischen Stadt getötet. Behörden vermuten einen Racheakt. Erst ein Ausgehverbot brachte die Polizisten wieder unter Kontrolle.

Schiitische Polizisten haben am Mittwoch in einem Racheakt in der nordirakischen Stadt Tal Afar mindestens 45 sunnitische Einwohner umgebracht. Die Zahl wurde von einem Krankenhausmitarbeiter genannt, das Massaker wurde von ranghohen Polizeikreisen mitgeteilt.

Die Polizisten, die nicht im Dienst waren, seien von Haus zu Haus gegangen und hätten willkürlich Männer durch Kopfschüsse getötet. Das Massaker in Tel Afar sei eine Antwort auf drei Auto- und Lkw-Bomben in Schiiten-Vierteln gewesen, bei deren Explosion am Vortag 51 Menschen ums Leben gekommen und 183 weitere verletzt worden waren. Die Anschläge wurden sunnitisch-arabischen Extremisten zugeschrieben.

Soldaten setzten Ausgehverbot durch

Das Blutbad sei erst gestoppt worden, als Soldaten einschritten und ein Ausgehverbot über die gesamte Stadt verhängt wurde, hieß es weiter. Bis dahin seien die Polizisten zwei Stunden schießend durch die Viertel gelaufen. Bei den Toten handele es sich um Männer zwischen 15 und 60 Jahren. Allen Opfern sei in den Kopf geschossen worden, sagte ein Arzt. Die Leichen lägen vor dem Gebäude, weil im Krankenhaus nicht genügend Platz sei. "So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen", sagte er.

Tal Afar ist eine Stadt nahe der syrischen Grenze, in der sunnitische Araber, Schiiten und türkischstämmige Menschen leben. In den Gebieten an der Grenze zu Syrien kämpft ein Bündnis von Stämmen gegen Einflüsse der Extremistenorganisation Al-Kaida.

Spirale der Gewalt

Bei zwei Bombenanschlägen im westirakischen Falludscha wurden am Mittwoch nach Polizeiangaben acht irakische Soldaten getötet. Unbekannte zündeten die Sprengsätze nahe eines irakischen Kontrollpunktes. Kurz darauf seien drei Granaten auf einen nahe gelegenen US-Stützpunkt abgefeuert worden. Bei einem darauf folgenden Schusswechsel seien drei Zivilisten verletzt worden. Vom US-Militär lag zunächst keine Stellungnahme dazu vor.

Die Gewalt im Irak hat jüngst zugenommen, in der Hauptstadt Bagdad haben die USA und die irakischen Sicherheitskräfte tausende zusätzliche Soldaten im Einsatz, um der Lage Herr zu werden und ein Abgleiten des Landes in den Bürgerkrieg zu verhindern.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker