McCain-Vizekandidatin Die wahren Geografie-Lücken der Sarah Palin


Intellektuell wirkt sie bisweilen unbeholfen, und auch sonst weist Sarah Palin, bis gestern Vizepräsidentschaftskandidatin von John McCain, manche Wissenslücke auf. Wie wenig sie wirklich über die Welt weiß, wurde erst jetzt bekannt.

Die Wahl ist verloren, die Stunden der Wahrheit sind angebrochen. Im Wahlkampfteam des unterlegenen John McCain werden nun die Messer gezückt - und Wahrheiten verkündet, deren vorheriges Bekanntwerden tunlichst verhindert wurde. Und so gibt es neue Erkenntnisse, die vor allem McCains Vizekandidatin Sarah Palin betreffen. Die Gouverneurin von Alaska sei von Anfang an eine riskante Wahl gewesen, heißt es. Schon vor dem Parteitag der Republikaner hätten einige McCain-Berater Palins Eignung für das Amt der Nummer zwei im Staate angezweifelt, berichtet der konservative US-Sender "Fox News".

Stück für Stück habe sich bestätigt, dass die Gouverneurin Alaskas der Aufgabe nicht gewachsen sei. Ihre Wissenslücken hätten McCains Berater zur Verzweiflung gebracht. So wusste Palin offenbar nicht, welche Staaten das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) unterzeichnet hatten, berichtete ein Reporter von "Fox News". Peinlich, denn die drei Länder sollte sie eigentlich kennen: Es sind die USA, Mexiko und Kanada. Geografische Kenntnisse über ihren Heimatkontinent scheint sie auch nicht zu haben. Sie habe Probleme gehabt, alle Länder Nordamerikas aufzählen zu können, wird laut "Fox News" behauptet.

Sobald sich die geografischen Kenntnisse auf Gebiete außerhalb Amerikas erstreckten, sei Palin ohnehin verloren gewesen. Was ist eigentlich Afrika? So genau wusste Palin das offenbar nicht. Ihr habe erklärt werden müssen, dass Afrika ein Kontinent ist und kein eigenständiges Land.

Aber nicht nur die weißen Flecken auf Palins innerer Landkarte verstörten die Umgebung der eigenwilligen Vizekandidaten, auch andere Aktionen riefen Stirnrunzeln hervor. Eines Tages, als man sie von ihrem Hotel abholen wollte, kam Palin geradewegs aus der Dusche und stand im Bademantel vor den überraschten Gästen. McCain Berater beschwerten sich zudem über den Kaufrausch der Nummer zwei. Diese sei gerne auf große Shoppingtour gegangen: Dabei habe sie doch schon genug passende Kleidung gehabt, hieß es.

Anekdoten aus dem Wahlkampf 2008, die eines klar belegen: Es passte nicht zwischen Palin und ihrem Team. Vielleicht war es deshalb auch ein wenig Trotz, der Palin dazu brachte, jede Vorbereitung für ein TV-Interview mit dem US-Sender CBS abzulehnen. Was folgte, war ein Desaster für McCain und reichlich Futter für amerikanische Comedy-Shows. Mit ihrem Blödsinn über Russland, das man von Alaska aus sehen könne, und den immer gleichen Wahlkampfparolen, machte sie sich an nur einem Abend zu einer Karikatur einer Vizekandidatin.

Wutanfall nach TV-Patzer

Das Gelächter war groß, doch Palin selbst fand die Sache gar nicht komisch. Ihren ganzen Frust über den TV-Patzer habe sie anschließend an ihren Mitarbeitern ausgelassen. Als sie morgens die Zeitungen aufschlug und die Häme und Kritik über ihren TV-Auftritt las, habe sie einen Wutanfall bekommen, so "Fox News". Das Verhältnis zu ihrem Beraterstab war nun endgültig zerrüttet. Palin sei danach so gehässig zu ihren Mitarbeitern gewesen, dass einige Mitarbeiter oftmals in Tränen ausgebrochen seien.

Palins Eskapaden führten offenbar zu Streitereien innerhalb des McCain-Lagers. Ein außenpolitischer Berater von McCain wurde sogar gefeuert, weil er die internen Angriffe auf Palin und das Lästern hinter ihrem Rücken öffentlich machte.

Palin selbst zeigte am Wahlabend ein wenig Reue. "Falls ich John McCain Stimmen gekostet haben sollte, dann tut es mir Leid. Ich glaube John McCain ist ein amerikanischer Held." Obamas Wahlsieg könnte ein doppelter Segen für Amerika sein: Ein Hoffnungsträger übernimmt das Präsidentenamt, und eine Dilettantin muss die Rückreise antreten. In die politische Provinz nach Alaska. Doch wer weiß, vielleicht kommt sie in vier Jahren wieder zurück. Zumindest ihre Fans glauben daran. Begeistert riefen Anhänger "2012! 2012!", als Palin auf dem Flughafen von Anchorage das Flugzeug verließ.

tob

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