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Merkel, Sarkozy und Papandreou Das Ende der Geduld


Merkel und Sarkozy haben Papandreou klargemacht: Wir können auch anders! Was gestern noch als Horrorszenario galt, ist urplötzlich eine Option: der Ausstieg der Griechen aus dem Euro.
Ein Kommentar von Axel Vornbäumen, Cannes

Es ist nicht das Ende der Krise, es ist aber das Ende der Schönrednerei. Was die Bundeskanzlerin und Frankreichs Staatspräsident ihrem griechischen Kollegen am späten Mittwochabend in Cannes mit auf den Nachhauseweg nach Athen gaben, hatte mit freundlichen Empfehlungen oder Appellen aber auch gar nichts mehr zu tun – es war eine unverhohlene Drohung. Sollte das von Griechenlands Premier Giorgos Papandreou angestrebte Referendum scheitern, lässt das immer noch fassungslose Rest-Europa das Land schulterzuckend in die Staatspleite laufen. Es wäre das sprichwörtliche Ende mit Schrecken. Alles Weitere? Nun, das wird sich finden.

Angela Merkel hat an diesem Abend für diese nüchterne Erkenntnis praktisch alles über Bord geworfen, was für gewöhnlich ihren Politikstil ausmacht: Das Ausloten der letzten Details, das von ihr so geliebte "Prozesshafte", die manchmal zähe, emotionslose Politik der kleinen Schritte – nichts davon war plötzlich mehr gefragt. Politik reduzierte sich an diesem Novemberabend am Mittelmeer auf ein einziges Wort: Basta! Zur glaubhaften Untermauerung hat man bis aufs weitere erst mal die nächste Milliardentranche für die Griechen eingefroren.

Ein demonstrativer Bluff

Noch selten hat sich das immer wieder geforderte Leadership von Angela Merkel und Nikolas Sarkozy so auf Mienenspiel und drastische Wortwahl reduziert, wie bei diesem hektisch anberaumten Krisengipfel am Vorabend des G-20-Treffens in Cannes. Das deutsch-französische Duo tat es in dem Bewusstsein, dass es so nicht weitergehen kann – ohne exakt zu wissen, wie es danach weitergehen wird. Was, wenn das Referendum scheitert? "Wir sind gewappnet", sagt die Kanzlerin. Bislang ist das nur eine Haltung, mehr nicht.

Und es ist, zumindest vorerst, nicht mehr als ein demonstrativer Bluff im finalen Pokerspiel um Griechenlands Euro-Mitgliedschaft: ein endloses Aneinanderreihen von die Märkte irgendwie beschwichtigenden Krisengipfeln wird es danach nicht mehr geben. Dann werden eben die Trümmer, die die Griechen im Euro-Raum hinterlassen werden alleine weggeräumt, für den Schutt im eigenen Land ist Athen dann selbst verantwortlich.

Merkel und Sarkozy haben Papandreou im Kern damit zwei Dinge abgerungen. Die Griechen werden zum wohl frühest möglichen Zeitpunkt, am 4. Dezember, über ihr Euro-Schicksal abstimmen. Das sind immer noch gut vier Wochen, in denen die Märkte sich an ihrer eigenen Unsicherheit ergötzen können, aber deutlich weniger, als Papandreous Ursprungspläne, die sich auf das kommende Frühjahr bezogen. Zweitens, und wichtiger aber: Die Griechen werden darüber entscheiden, ob sie den Euro behalten wollen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das muss nicht das Ende der Krise sein. Aber der Anfang von Ehrlichkeit.


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