Milan Milutinovic Prominenz in Den Haag


Bis vor kurzem noch war Milan Milutinovic als letzter enger Gefolgsmann von Slobodan Milosevic in Amt und Würden. Bei der serbischen Bevölkerung war der 60-Jährige lange spöttisch als der "Postbote" des abgelösten Machthabers bekannt.

Vier Jahre nach Ausbruch der Gewalt im Kosovo kommt die ganze angeklagte Führungsspitze des Belgrader Regimes vor das UN-Kriegsverbrechertribunal. Als letzter enger Gefolgsmann des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic flog am Montag auch Milan Milutinovic zur Überstellung an die internationale Justiz nach Den Haag. Der bisherige serbische Präsident, dessen Amtszeit am Jahreswechsel ablief, ist wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

Doch der 60-Jährige will ein Mann ohne Befehlsgewalt in dem blutigen Krieg gewesen sein, in dem Belgrad eine Kampagne des Terrors gegen Hunderttausende kosovo-albanische Flüchtlinge vorgeworfen wird. "Ich habe während des ganzen Jahres 1998 an Abkommen gearbeitet", sagte er in einem Interview. Nach Gesetz und Verfassung habe er keine Macht über Militär und Polizei gehabt, erklärte der Politiker.

Aufstieg engstens mit Milosevic verknüpft

Dabei ist der Aufstieg des gelernten Juristen vom Sekretär der sozialistischen Parteiorganisation in Belgrad zum Präsidenten der Teilrepublik von Beginn an engstens mit Milosevic verknüpft. Beide kennen sich aus Studienzeiten. Nachdem Milosevic die Macht ergriff, wurde Milutinovic Botschafter in Athen, später Außenminister Jugoslawiens. Er führte 1999 die Belgrader Delegation bei den gescheiterten Friedensgesprächen im französischen Rambouillet.

Die diplomatische Verbindung zu Griechenland war in den Jahren der internationalen Isolation Serbiens und des UN-Handelsembargos politisch und vor allem wirtschaftlich immens wichtig. Das Regime in Belgrad konnte von dort auf Unterstützung der Kräfte zählen, die den orthodoxen Serben freundlich gesinnt waren. Mit der Missachtung von Sanktionen wurde letztlich aber auch ein Beitrag zur Finanzierung der Belgrader Kriegsmaschinerie geleistet.

Unangenehme Details

So könnten vor dem Tribunal für den EU-Staat Griechenland unangenehme Details über Kooperationen mit Belgrad öffentlich werden. Schlimmer noch: Die britische Presse erinnerte jüngst daran, dass griechische Freiwillige, die auf Seiten der Serben kämpften, 1995 stolz die Flagge ihres Landes über der gefallenen UN-Schutzzone Srebrenica im Osten Bosniens gehisst hätten, nachdem beim schlimmsten Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg mehr als 7000 Moslems ermordet worden waren.

Obwohl Milutinovic eine der Schlüsselfiguren der Herrschaft von Milosevic war, will sich die neue Belgrader Regierung von Zoran Djindjic mit staatlichen Garantien für eine Freilassung des Angeklagten einsetzen. Der bisherige Präsident habe nach dem Sturz von Milosevic eine positive Rolle gespielt, meint Djindjic. Milutinovic hofft auf eine Art Sonderbehandlung, so als ob er durch sein späteres Wohlverhalten seine Hände reinwaschen könnte.

Rolle als Platzhalter

"Ich bin überzeugt, dass Serbien und Milutinovic zumindest so viel verdienen", sagt Djindjic, nachdem das Tribunal andere Mitglieder der alten Führungsspitze nicht bis zur Verhandlung auf freien Fuß gesetzt hat. "Milutinovic hat uns mit seiner konstruktiven Haltung erstmals in mehr als einem halben Jahrhundert einen zivilisierten Wechsel des Republikschefs ermöglicht." Dabei hat Milutinovic mit Duldung der internationalen Gemeinschaft nach dem Sturz des Belgrader Regimes die Rolle eines schweigenden Platzhalters auf dem serbischen Präsidentenstuhl übernommen.

Carsten Hoffmann DPA

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