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Mögliche Obama-Gegenkandidaten im TV: Ronald Reagan über alles

Acht Bewerber, ein Ziel: Obama muss weg. Bei einer TV-Debatte versuchten die Republikaner, sich gegen den US-Präsidenten in Stellung zu bringen. Eines ist bereits sicher: Der Wahlkampf wird schmutzig.

Von Niels Kruse

Ach, wäre Ronald Reagan doch noch da, der große, alte Held der amerikanischen Konservativen: Die Steuern wären niedrig, die Wirtschaft entfesselt, es gäbe Jobs und Wohlstand für alle. Ronald Reagan ist schon lange tot, aber die Sehnsucht nach ihm, nach seinem Geist und seiner Führungskraft schwebte über allen acht republikanischen Anwärtern für die Präsidentschaftskandidatur, die sich im kalifornischen Simi Valley an diesem Abend eine zweistündige TV-Debatte lieferten. Was natürlich damit zu tun hatte, dass die Veranstaltung in der Ronald-Reagan-Library stattfand. Und dass Witwe Nancy Reagan unter den Zuschauern war. Vor allem aber hatte es damit zu tun, dass nicht einer der künftigen Obama-Herausforderer auch nur annähernd in der gleichen politischen Liga spielt wie der Ex-Präsident.

Dabei könnte es so gut aussehen für die Republikaner. Die nicht enden wollende Wirtschaftskrise, die den USA seit Jahren eine für das Land enorm hohe Arbeitslosenquote von fast zehn Prozent aufbürdet, schadet vor allem Barack Obama: 77 Prozent aller Amerikaner glauben neusten Umfragen zufolge, der US-Präsident habe das Land auf den falschen Weg geführt und mehr als die Hälfte ist unzufrieden mit seiner Arbeitsmarktpolitik. Doch die Konservativen profitieren davon nicht. 68 Prozent der Befragten beurteilen die Politik der Republikaner ebenfalls negativ. Das ist schlecht für eine Partei, die sich als Freund der Wirtschaft versteht und den ungeliebten Mann aus dem Weißen Haus drängen will.

"Weniger Staat" als Totschlagargument

Doch welcher der acht möglichen Kandidaten soll es auch machen? Zurzeit hat Mitt Romney die besten Karten bei den Wahlen 2012 gegen Obama anzutreten. Der Gouverneur von Massachusetts machte zu Beginn der Runde die interessante Rechnung auf, dass er in seinem Bundesstaat mehr Jobs geschaffen habe, als Obama zur gleichen Zeit im gesamten Land. Was im Grunde auch sehr einfach sei: Weniger Staat, weniger Steuern, weniger Regulierung, mehr Luft zum Atmen. Es ist das gleiche Horn, in das auch seine Konkurrenten an diesem Abend unablässig stoßen. Es wird das Totschlagargument des aufziehenden Wahlkampfs werden, und wie der Präsidentschaftswahlkampf funktioniert, weiß der 64-Jährige spätestens seit 2008, als er sich, erfolglos allerdings, ebenfalls um die Kandidatur für den Einzug ins Weiße Haus bemüht hatte.

Regelrecht staatsmännisch wirkt er nun auch, mit seinem gutsitzenden Anzug und den grauen Schläfen, er erinnert an den Werbeschönling Don Draper aus der US-Serie "Mad Men". Und respektvoll kann er auch: "Obama ist ein netter Typ, aber er versteht einfach nicht, wie dieses Land funktioniert", sagte Romney höflich über das Staatsoberhaupt. Wahrscheinlich aber ist der Gouverneur zu nett und vernünftig für die Schlacht um den republikanischen Spitzenposten. Was zum Beispiel an Typen wie Ron Paul liegt - dem 76-jährigen Repräsentantenhaus-Abgeordneten und Marktradikalen, der ernsthaft behauptet, bei echter Deregulierung würde die Gallone Benzin zehn Cent kosten und auf die nationale Katastrophenschutzbehörde Fema könne man getrost verzichten.

Nicht, dass dieser schrullige alte Mann ernsthafte Chancen hätte, doch seine Hauptthese, der Staat sei im Grunde fast überflüssig, ist in abgeschwächter Form bei fast allen Kandidaten der Konservativen zu hören. Zum Beispiel bei Michele Bachmann, dem neuen Poster-Girl der erzkonservativen und bibelfesten Tea-Party-Bewegung. Die 55-Jährige, eine elegante Erscheinung mit erstaunlich langen Fingernägeln, glaubt weder an vom Menschen gemachten Klimawandel, noch an den Libyen-Einsatz der USA und am allerwenigsten an Barack Obamas umstrittene Gesundheitsreform. Obamacare, wie die Konservativen die Reform schmähen, sei die Wurzel aller aktuellen Probleme Amerikas: "Obamacare vernichtet Arbeitsplätze, bindet dringend notwenige Investitionen und muss sofort wieder abgeschafft werden", sagte sie. Es ist ihr einziges Mantra und vielleicht auch der Grund dafür, dass sie ansonsten reichlich blass blieb in der Ronald-Reagan-Library und das Publikum bei ihren Einlassungen eher ruhig.

Republikaner wollen keine neuen Schulden

Wäre es nach dem Applaus-O-Meter gegangen, wäre wohl Newt Gingrich als Sieger aus dem Abend hervorgegangen: Er brauchte nur zwei Sätze, um die Zuschauer zu begeistern: "Barack Obama betreibt bürokratischen Sozialismus" und "Englisch muss offizielle Landessprache werden". Der Mann, der einst Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre aus dem Amt entheben wollte, ist auch einer dieser bösen, alten Männer, denen die USA nicht konservativ genug sein können - und der seinen Job als Sprecher des Repräsentantenhauses wegen außerehelicher Liebeleien verlor. Doch außer dieser beiden populistischen Poltereien war nicht viel von dem 68-Jährigen zu hören.

Ähnlich erging es auch einigen anderen Kandidaten, die als Außenseiter keine Chance haben werden, von der Partei und dem Wahlvolk als Spitzenkandidat auserwählt zu werden: Rick Santorum etwa, ein höflicher und relativ liberaler Republikaner, der bei der kurzen Debatte um Integration laut sagte, sein Volk müsste sich Gedanken machen, wie man die Menschen nach Amerika hineinbekomme, statt darüber, wie man sie fernhalte. Oder Herman Cain, Gründer einer Fastfoodkette, der in Powerpoint-Rhetorik seinen 9,9,9-Plan präsentierte (Neun Prozent Steuern auf alle und jeden). Jon Huntsman, ein ehemaliger Diplomat und vor wenigen Wochen noch einer der Favoriten, trat zwar eloquent und weltmännisch auf, beschränkte sich aber auf die Forderungen: "Obama, lass mal deinen Teleprompter weg" und "Obama, sieh zu, dass dieses Land wieder funktioniert".

Ein aggressiver, populistischer Kampf bahnt sich an

Wäre die Kandidatenwahl mit dieser TV-Debatte entschieden, würde es wohl auf ein Duell zwischen Mitt Romney und Rick Perry hinauslaufen. Wie Romney ist Perry Gouverneur und sein Staat Texas hatte mit George W. Bush erst vor wenigen Jahren einen US-Präsidenten hervorgebracht. Der 61-Jährige ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass er noch mehr Jobs geschaffen habe als Romney, und noch dazu einige namhafte Unternehmen wie Ebay und Facebook nach Texas geholt habe. Den ganz Rechten bietet er zudem die Beschneidung des Staates als auch die der Sozialleistungen an. Er ist natürlich für die Todesstrafe und hat jüngst ein umstrittenes Buch mit dem vielsagenden Titel "Fed up" geschrieben, was sowohl "Es reicht" als auch "weniger Bundesregierung" bedeutet.

Wie alle acht Kandidaten auf dem Podium beschwörten sowohl Romney und Perry den Geist Ronald Reagans - und die goldenen 80er-Jahre, in denen die Welt noch schön übersichtlich war, und man mit ein paar einfachen Parolen und reichlich Bodenständigkeit noch Präsident der USA werden konnte. Vermutlich werden die Republikaner noch lange über den richtigen Mann im Kampf gegen Barack Obama streiten - aggressiver, plumper, schmutziger und populistischer denn je. Das Personal jedenfalls dafür haben sie jetzt schon.