Mohammed-Aussage Die Zweifel am Geständnis häufen sich

Nach dem vom Pentagon veröffentlichten Geständnis der ehemaligen Nummer 3 des Terrornetzes Al Kaida, wachsen in den USA Zweifel an den Aussagen. Experten glauben nun, Khalid Scheich Mohammed habe übertrieben.

Die Protokolle zum umfangreichen Geständnis des ranghohen Al-Kaida-Mitglieds Khalid Scheikh Mohammed haben Zweifel an der Zuverlässigkeit der Aussage aufkommen lassen. Experten zufolge könnten persönliche Motive Mohammeds wie die Selbstdarstellung als Märtyrer vor einer weltweiten Anhängerschaft die Angaben verzerrt haben. Die Bundesregierung wollte die Protokolle am Freitag nicht kommentieren.

Verantwortung für über 30 Anschläge

Regierungssprecher Sprecher Thomas Steg sagte in Berlin, die Berichte seien zur Kenntnis genommen worden. Es gebe scheinbar Widersprüche in den Aussagen und Bewertungen, "die die Bundesregierung nicht auflösen kann". Inwieweit sich Mohammed zu recht einzelner Taten bezichtigt habe, "kann die Regierung nicht beurteilen", betonte Steg. Das US-Verteidigungsministerium hatte die Verhörprotokolle am Mittwoch veröffentlicht. Darin habe der Pakistaner ausgesagt, dass er die Anschläge vom 11. September 2001 geplant und organisiert habe. Zudem sei er für 30 weitere geplante oder ausgeführte Anschläge verantwortlich.

In einer vor der Militärkommission verlesenen schriftlichen Aussage hat Mohammed nach Angaben des Pentagons unter anderem gestanden, den Anschlag auf das World Trade Center 1993 sowie auf einen Nachtclub auf der indonesischen Ferieninsel Bali 2002 vorbereitet zu haben. Er übernahm ebenfalls die Verantwortung für das 2001 fehlgeschlagene Schuhbomben-Attentat auf ein Flugzeug der Fluggesellschaft American Airlines. Außerdem habe Mohammed noch Attentate auf Papst Johannes Paul II. und den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton geplant. Er gestand überdies, den US-Journalisten Daniel Pearl 2002 eigenhändig enthauptet zu haben.

Der Superheld des Terrorismus?

Die Zeitung "Los Angeles Times" zitierte am Freitag amerikanische Anti-Terror-Experten mit der Vermutung, Mohammed habe übertrieben. "Er ist bestimmt für einige Anschläge verantwortlich. Aber ich denke, er heftet sich auch Dinge ans Revers, mit denen er nichts zu tun hatte", sagte ein früherer Terrorfahnder der US-Bundespolizei FBI. "Es scheint da einige Übertreibungen zu geben in Bezug auf all die Anschläge, für die er verantwortlich sein will", sagte auch der frühere US-Geheimdienstberater und Nahost-Experte Paul Pillar. Allerdings dürfe das nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass Mohammed dennoch einer der wichtigsten Vertreter des "Dschihad-Terrorismus der vergangenen zehn Jahre" sei, fügte Pillar hinzu.

Andere Beobachter äußerten sich skeptischer. "Mohammed gibt vor, der Superheld und Superterrorist zu sein", sagte Al-Kaida-Experte Mustafa Alani vom Gulf Research Center in Dubai. "Wenn Khalid Sheikh Mohammed wirklich so wichtig und groß ist, dann wäre Al-Kaida nun tot und begraben."

Motiv: Sehnsucht nach Unsterblichkeit?

Auch der Al-Dschasira-Reporter Yosri Fouda, der vor fünf Jahren das einzige Interview mit Mohammed über die Anschläge vom 11. September geführt hatte, sieht hinter dem umfangreichen Geständnis eher eine Sehnsucht Mohammeds nach Unsterblichkeit. "Wahrscheinlich dachte er sich in dem Moment: 'Wo ich nichts mehr zu verlieren habe, kann ich auch über all die anderen Anschläge reden und wie ein Held aussehen.'" Schon bei seiner persönlichen Begegnung 2002 in Pakistan habe Mohammed auf ihn den Eindruck gemacht, einen Hang zum Theatralischen zu haben, erklärte Fouda.

Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) forderte die US-Regierung unterdessen auf, eine unzensierte Version des Protokolls zu veröffentlichen. Mohammed habe in seinen Aussagen Foltervorwürfe erhoben. "Es ist ein klarer Missbrauch der Geheimhaltung durch die Regierung, wenn sie Informationen zurückhält, weil sie möglicherweise ungesetzlich oder peinlich sind", sagte der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth Roth. "Mohammeds Foltervorwürfe sollten untersucht statt verheimlicht werden."

Anhörung von 14 "besonders gefährlichen" Gefangenen

Vor einer US-Militärkommission in Guantànamo werden derzeit 14 als besonders gefährlich eingestufte Gefangene angehört. Sie wurden im September vergangenen Jahres aus geheimen CIA-Gefängnissen im Ausland in das Militärgefängnis gebracht. Die 14 Gefangenen sollen nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush wegen Kriegsverbrechen angeklagt werden.

DPA/Reuters DPA Reuters

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