Mohammed-Karikaturen Tote bei Demonstrationen


Der Streit um die Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed eskaliert: Bei Demonstrationen im Libanon und in Afghanistan starben zwei Menschen. Nun hat sich auch Bundeskanzlerin Merkel in die Debatte eingeschaltet.

Der Streit um die Karikaturen des Propheten Mohammed eskaliert. Bei gewaltätigen Protesten im Libanon kam ein Mann zu Tode - nach Angaben der Polizei war er unter den Demonstranten, die am Sonntag in Beirut das dänische Konsulat gestürmt und in Brand gesetzt hatten. Der Polizei war es trotz eines massiven Aufgebots nicht gelungen, die Proteste einzudämmen. Auch in Afghanistan kam es bei Demonstrationen zu einem Todesfall.

Unterdessen hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Debatte eingeschaltet. Wenn religiöse Gefühle verletzt worden seien, verstehe sie, dass dies auch zum Ausdruck gebracht werde, sagte Merkel vor der CDU-Präsidiumssitzung in Berlin am Montag. Gewalt sei aber nicht akzeptabel. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch ergänzte: "Wir wollen keinen Kulturkrieg zwischen den Religionen." Auch Christen wollten, dass ihre Religion in der ganzen Welt respektiert werde. "Das muss jeder wissen, der in Deutschland über den Islam diskutiert."

"Beileidigend und entwürdigend"

Auch der neue Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Ayyub Axel Köhler, mahnte zur Mäßigung. Köhler nannte die Karikaturen "blasphemisch, beleidigend und entwürdigend". Zweifellos müsse man als Moslem dagegen protestieren. Andererseits sei es beschämend, dass sich Muslime zu Ausschreitungen hätten provozieren lassen. "Ich appelliere an alle Muslime, die Gewalt zu stoppen. Sie ist unislamisch."

Dass es auch in Deutschland zu Krawallen kommen könnte, befürchtet der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg: "Wir müssen auch bei uns mit Anschlägen rechnen. Und leider passiert zur Abwehr nichts." Der Polizei seien rund 100 islamistische "Gefährder" in Deutschland bekannt, sie könnten aber aufgrund von Personalmangel nicht überwacht werden.

"Tod Deutschland"

Unterdessen gingen die Proteste unvermindert weiter - vor allem im Iran, in Afghanistan, Thailand, den Philippinen und in den Palästinensergebieten. In Gaza-Stadt attackierten Dutzende Palästinenser wieder das seit Tagen geschlossene EU-Büro. Augenzeugen berichteten, die Randalierer hätten eine Fahne mit den Emblemen der Europäischen Union verbrannt und das Gebäude mit Steinen beworfen.

In Teheran sammelte sich die Menge vor der österreichischen Vertretung und lieferte sich Straßenkämpfe mit der Polizei. Mehrere hundert Demonstranten protestierten auch gegen andere europäische Länder. Sie skandierten "Tod Deutschland", "Tod England" und verbrannten Flaggen. In Indonesien feuerte die Polizei am Montag Warnschüsse, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Zuvor hatten rund 300 Mitglieder der extremistischen Islamischen Verteidigungs-Front das US-Konsulat in Surabaya gestürmt und das Gebäude mit Steinen beworfen.

DPA/AP AP DPA

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