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Moskau Sprengsatz unter Auto montiert: Tochter des rechten Ideologen Dugin bei Explosion getötet

Bei einem mutmaßlichen Mordanschlag in der Nähe von Moskau ist die Tochter von Alexander Dugin getötet worden
Ermittler am Unfallort: Bei einem mutmaßlichen Mordanschlag in der Nähe von Moskau ist die Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Alexander Dugin getötet worden
© Investigative Committee of Russia / DPA
In Moskau ist die Tochter des rechten Ideologen Alexander Dugin bei einem Anschlag getötet worden. Daria Dugina saß am Steuer eines Autos, als es auf einer Autobahn explodiert und in Flammen aufgegangen war. 

Bei einem mutmaßlichen Mordanschlag in der Nähe von Moskau ist nach Angaben russischer Behörden die Tochter des rechtsnationalistischen Ideologen Alexander Dugin getötet worden. "Am 20. August gegen 21.00 Uhr explodierte (...) bei voller Geschwindigkeit auf einer öffentlichen Straße ein Sprengsatz, der vermutlich in einem Toyota Land Cruiser installiert war. Das Auto ging anschließend in Flammen auf", hieß es in einem ersten Bericht des Ermittlungskomitees für die Region Moskau. "Die Fahrerin, die sich am Steuer befand, starb noch am Unfallort. Die Identität der Toten ist geklärt – es ist die Journalistin und Politologin Darja Dugina", teilte das nationale Ermittlungskomitee am Sonntag weiter mit.

Die 29-Jährige galt als glühende Verfechterin des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Sie stand nach Berichten Moskauer Medien auf der Sanktionsliste Großbritanniens wegen der Verbreitung von Propaganda und Falschnachrichten über die von Kremlchef Wladimir Putin am 24. Februar befohlene Invasion.

Duginas Auto explodierte nach Angaben der Ermittler während der Fahrt in einer Vorstadtsiedlung im Moskauer Gebiet. "Momentan steht bereits fest, dass der Sprengsatz unter dem Boden des Autos auf der Fahrerseite platziert war", teilte das Untersuchungskomitee am Sonntagnachmittag mit. Der Vorsitzende Bastrykin ließ Ermittlungen wegen Mord einleiten. 

Welche Rolle spielt Alexander Dugin?

Der Vater der Getöteten, der radikale Autor Dugin, wird von westlichen Medien immer wieder als Einflüsterer oder sogar als "Gehirn" des russischen Präsidenten Putin sowie als Ideengeber auch für den Angriff auf die Ukraine bezeichnet. Doch im Gegensatz zu dieser Darstellung greift Dugin vielmehr Vorstellungen und Ideen, die seit langem die russische Gesellschaft prägen, auf und arbeitet daran, sie auch im Ausland populär zu machen. In einem Interview von 2014 gab er selbst zu, Putin niemals persönlich begegnet zu sein. Auch seine Entlassung von der renommierten Lomonossow-Universität spricht für eine fehlende Schirmherrschaft seitens der russischen Behörden.

Der finnische Wissenschaftler Jussi Backman schrieb in einer Arbeit über Dugin, dass seine Ideen zweifellos mit den Gedanken der modernen russischen politischen Elite in Einklang stehen, aber aus der Sicht der Regierung sei er maximal einer der inoffiziellen ideologischen Attachés, während seine Vergangenheit ebenso wie die Komplexität seiner theoretischen Konstruktionen, für den Kreml vielmehr eine Bürde seien. 

War das Ziel des Anschlags in Moskau Dugin selbst? 

Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax hatten Dugin und seine Tochter am Samstag gemeinsam das patriotische Festival "Tradition" besucht, wo der Ultranationalist einen Vortrag unter dem dem Titel "Tradition und Geschichte" gehalten hat. Der Telegrammkanal "112" spekuliert, dass der Sprengsatz auf dem Parkplatz in der Nähe des Anwesens platziert worden sein könnte. Augenzeugen zufolge planten Dugin und seine Tochter, gemeinsam nach Moskau zurückzukehren. Aber im letzten Moment hätten sie ihre Pläne geändert und Dugin sei seiner Tochter in einem anderen Auto gefolgt. 

Videos zeigen ihn fassungslos am Unfallort. 

Der Freund der Familie, Andrej Krasnow, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Tass, diese Darstellung. "Dies war das Fahrzeug des Vaters", sagte er über den explodierten Wagen. "Daria fuhr ein anderes Auto, aber heute nahm sie sein Auto, während Alexander mit einem anderen Weg wegfuhr. (...) So wie ich es sehe, war Alexander oder wahrscheinlich beide zusammen das Ziel", so Krasnow.

Kiew bestreitet jegliche Beteiligung 

Unter russischen Nationalisten und prorussischen Kräften in der Ukraine löste der Anschlag einen Aufschrei aus. "Die Terroristen des ukrainischen Regimes haben versucht, Alexander Dugin zu liquidieren und haben seine Tochter in die Luft gesprengt... im Auto", kommentierte der Anführer der selbstproklamierten Separatistenhochburg Donezk, Denis Puschilin, in seinem Nachrichtenkanal Telegram.

Mehrere Kreml-Getreue machten sofort Kiew für den Anschlag verantwortlich. Der russische Senator Andrej Klischas forderte: "Die Terroristen müssen vernichtet werden, sowohl die Ausführer als auch die Auftraggeber, egal wo sie sich aufhalten." 

Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak wies eine Beteiligung Kiews unterdessen zurück: "Die Ukraine hat natürlich mit der gestrigen Explosion nichts zu tun, weil wir kein krimineller Staat sind - wie die Russische Föderation - und schon gar kein Terrorstaat", sagte er bei einem Fernsehauftritt am Sonntag. 

ivi

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