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"Ukraine – die Lage" "Völlig undurchsichtige Suppe": Militärexperte Masala sieht Manipulation und Desinformation auf allen Seiten

Ein Porträt der Russin Daria Dugina wird während einer Abschiedszeremonie neben ihrem Sarg aufgehängt
"Was wir jetzt sehen im Zuge dieses Attentates, ist natürlich ganz einfach, dass der Geheimdienst sehr schnell sehr eindeutig mit einer Täterin um die Ecke gekommen ist", sagt Militärexperte Carlo Masala.
© Kirill KUDRYAVTSEV / AFP
Der Militärexperte Carlo Masala analysiert die Rolle der Geheimdienste und die Faktenlage nach dem tödlichen Anschlag auf die russische Nationalistin Darja Dugina.

Der Militärexperte Carlo Masala hat nach dem tödlichen Anschlag auf die russische Nationalisten Darja Dugina die Bedeutung der Geheimdienste hervorgehoben: "Die Geheimdienste spielen eine zentrale Rolle." Der russische Dienst FSB habe hier sehr schnell eine mögliche Täterin aus der Ukraine präsentiert "Das erstaunt schon sehr, weil Geheimdienste und Polizei in anderen Fällen bei Morden russischer Oppositioneller seit Jahren ergebnislos ermitteln." Es sei aber durchaus möglich, dass das Attentat von innerrussischen Kräften verübt worden sei.

Dass die Schuld nun dem Asow-Regiment zugeschoben werde, passe zur russischen Erzählung für die eigene Bevölkerung, dass der Krieg zur Entnazifizierung der Ukraine geführt werde. "Das ist ein klassisches Ablenkungsmanöver", so Masala. Der Politikprofessor mahnt aber auch insgesamt einen vorsichtigen Umgang mit allen Informationen an. Man solle keinen der vermeintlichen Fakten glauben. "Es sind sehr viele Manipulationen dabei, von allen Seiten", so Masala. "Wenn Clausewitz vom Nebel des Krieges redet, dann haben wir hier eine völlig undurchsichtige Suppe." Die Geheimdienste würden dabei die Nebelmaschinen nicht nur bedienen, sondern auch produzieren.

Prof. Dr. Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München
© Imago Images

Dr. Carlo Masala ist Professor für Internationale Politik an der Bundeswehruniversität München. 

Masala zu britischen Geheimdienstinfos: "Spiegelt die eine Seite des Ukraine-Krieges wider"

Der Militärexperte beleuchtet auch die Rolle des britischen Geheimdienstes, der sich regelmäßig über Twitter zum Krieg äußert. Dabei würden Informationen herausgestellt, die im Interesse der britischen Politik seien. "Es wird nicht umfänglich veröffentlicht, was man weiß. Es ist gefiltert." Als Beispiel nannte Masala die Angaben zu Verwundeten und Toten. "Die ukrainische Regierung rückt die nicht raus – genauso wenig wie die russische." Der britische Geheimdienst würde häufig die russischen Verluste beleuchten – und nicht die ukrainischen. "Es ist nicht alles gelogen, das meiste ist richtig, aber spiegelt die eine Seite des Krieges wider."

rw

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