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Widersprüche im Donbass Streit um Lyssytschansk: Moskau will die Großstadt erobert haben, Kiew dementiert

Russland nimmt Lyssytschansk und Luhansk ein
Ukrainische Feuerwehrleute löschen ein Feuer in einem beschädigten Wohnhaus in Lyssytschansk in der Region Luhansk
© Unbekannt / Militärverwaltung der Region Luhansk / AP / DPA
Die stark umkämpfte Stadt Lyssytschansk ist nach russischen Angaben an Moskau gefallen. Kiew weist diese Meldung zurück. Die Stadt werde nicht vollständig von den Russen kontrolliert, heißt es.

Die russische Armee hat nach eigenen Angaben die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk in der Ostukraine erobert. Damit sei die gesamte Donbass-Region Luhansk "befreit" worden, erklärte am Sonntag das Verteidigungsministerium in Moskau. Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung. Von unabhängiger Seite lassen sich Berichte aus den Kampfgebieten kaum überprüfen. In der heftig umkämpften Stadt lebten früher mehr als 100.000 Menschen. Die Nachbarstadt Sjewjerodonezk hatte Russland zuvor schon erobert.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu habe Präsident Wladimir Putin in dessen Funktion als Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte "über die Befreiung der Volksrepublik Luhansk informiert", erklärte das Ministerium. "Durch erfolgreiche Kampfhandlungen der russischen Streitkräfte zusammen mit den Einheiten der Luhansker Volksrepublik wurde die völlige Kontrolle über die Stadt Lyssytschansk und eine Reihe der nächstgelegenen Ortschaften hergestellt", heißt es nach Angaben von Interfax in der Mitteilung des Ministers. Innerhalb eines Tages hätten die eigenen Truppen demnach in der Region 182 Quadratkilometer erobert.

Die Ukraine hat den russischen Angaben nun widersprochen. Die Stadt stehe nicht unter vollständiger russischer Kontrolle, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kiew am Sonntag dem britischen Sender BBC. Die Situation sei seit einiger Zeit jedoch "sehr intensiv", russische Truppen griffen die Stadt permanent an.

Lyssytschansk strategisch und symbolisch von Bedeutung

"Für Ukrainer hat der Wert menschlichen Lebens oberste Priorität", sagte der Sprecher weiter. "Deshalb könnten wir uns manchmal aus gewissen Gebieten zurückziehen, um sie in der Zukunft zurückzuerobern." Der ukrainische Ministeriumssprecher sagte, der Donbass sei nicht verloren, selbst wenn Russland ganz Luhansk erobere. Es gebe dort weitere große Städte, vor allem im Gebiet Donezk, die unter ukrainischer Kontrolle seien. "Diese Städte waren in den vergangenen Tagen Ziel schwerer Raketenangriffe und von Artilleriebeschuss. Aber der Kampf um den Donbass ist noch nicht vorbei."

Lyssytschansk ist Teil des Ballungsraums Sjewjerodonezk-Lyssytschansk, um den monatelang gekämpft wurde. Vor dem Krieg lebten insgesamt 380.000 Einwohnern in dem Ballungsgebiet. Lyssytschansk ist ist strategisch, aber auch symbolisch von Bedeutung. Die Stadt war ein bedeutendes Industriezentrum, unter anderem für die Ölverarbeitung.

Mit ihrem Fall hätte die Ukraine die letzte größere Stadt im Gebiet Luhansk verloren. Die Eroberung des Gebiets war von Beginn an von russischer Seite als wichtiges Kriegsziel ausgegeben worden. Die Nachbarstadt Sjewjerodonezk hatten russische Truppen vor einer Woche erobert. Beide Städte gehören zur Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbass.

cl AFP DPA

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