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Mullah Omar: Taliban-Führer droht per Tonband

Sein Regime wurde durch eine US-Militärintervention gestürzt, doch der untergetauchte Taliban-Führer gibt nicht auf: Per Tonband rief Mullah Omar zum Widerstand gegen die fremden Truppen in Afghanistan auf.

Der untergetauchte Anführer der afghanischen Taliban, Mullah Mohammed Omar hat angeblich einen zehnköpfigen Rat für den Widerstand gegen die US-Truppen und deren Verbündete im Land ernannt. Omar habe die Gründung des Führungsrats auf einem Tonband aus seinem Versteck mitgeteilt, berichtete die pakistanische Zeitung "The News" am Dienstag unter Berufung auf Taliban-Sprecher Mohammed Muchtar Mudschahid.

Regime durch US-Militärintervention gestürzt

"Mullah Omar rief die Taliban auf, Opfer für die Vertreibung der amerikanischen und verbündeten Soldaten aus Afghanistan und den Kampf gegen das Marionetten-Regime von (Präsident) Hamid Karsai zu erbringen", zitierte das Blatt den Taliban-Sprecher. Dem Bericht zufolge gehören dem Widerstandsrat vor allem frühere Taliban-Führer aus dem Süden Afghanistans an. Das radikal-islamische Regime von Mullah Omar war im Dezember 2001 durch eine US-Militärintervention gestürzt worden.

In jüngster Zeit war es vermehrt zu Angriffen auf US-Truppen und deren Verbündete in Afghanistan gekommen. Am 7. Juni hatte sich ein Selbstmordattentäter in einem Bundeswehrkonvoi in die Luft gesprengt und vier deutsche Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe ISAF mit in den Tod gerissen.

Neuer Terrorprozess im Hochsicherheitstrakt

Unterdessen steht erstmals in Deutschland ein mutmaßliches Mitglied der islamistischen Terrororganisation Al-Tawhid vor Gericht. Der 26 Jahre alte Jordanier palästinensischer Volkszugehörigkeit Shadi Moh'd Mustafa A. muss sich im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie bandenmäßiger Passfälschung verantworten.

Der im niederrheinischen Krefeld wohnende A. war im letzten Jahr festgenommen worden, nachdem er laut Anklage eine Pistole mit Schalldämpfer sowie Handgranaten bei einem Mittelsmann in Düsseldorf bestellt hatte. Der jetzt Angeklagte soll im Auftrag der Al-Tawhid-Bewegung den Auftrag gehabt haben, Anschlagsziele in deutschen Großstädten ausfindig zu machen und die erforderlichen Waffen für Anschläge zu beschaffen.

Die "Einheit der Gläubigen"

Al-Tawhid bedeutet nach Darstellung von Bundeskriminalamt und Bundesanwaltschaft so viel wie "Einheit der Gläubigen". Nach Angaben der Ermittler handelt es sich um eine sunnitisch-palästinensische Bewegung, die ihre Wurzeln in Jordanien hat und neben dem Kampf gegen Israel auch die Bewegung des El-Kaida-Führers Osama bin Laden unterstützt. Die ideologisch-religiöse Gruppe habe sich zudem die Unterstützung des weltweiten „Heiligen Kriegs“ auf ihre Fahnen geschrieben, hieß es vor dem Prozess.

Die deutsche Zelle der Al-Tawhid hatte den Ermittlungen zufolge geplant, Anschläge auf deutsch-jüdische Einrichtungen in Deutschland zu verüben. Konkrete Anschlagsziele gab es allerdings noch nicht. Der Angeklagte hat nach Angaben der Bundesanwaltschaft ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die deutsche Zelle der Terror-Gruppe sei zudem mit Spendensammlungen und der Schleusung von „Kämpfern“ auch mittels falscher Pässe befasst gewesen.

Plante Al-Tawhid Attentat?

Die Bundesanwaltschaft hatte im April letzten Jahres in einer großen Aktion 21 Objekte in zahlreichen deutschen Städten durchsucht. Dabei waren Computer, Disketten, falsche Ausweispapiere, eine Faustfeuerwaffe und Propagandavideos sichergestellt. Nach der Aktion hatten die Ermittler erklärt, die Mitglieder der Al-Tawhid hätten ein Attentat auf einem belebten Platz in Deutschland geplant. In einer anderen deutschen Stadt sollten wohl in direkter Nähe einer jüdischen oder israelischen Einrichtung Handgranaten gezündet und möglichst viele Menschen getötet werden.

Der in Düsseldorf vor Gericht stehende Shadi A. hatte durch seine Aussagen nach der Verhaftung unter anderem zur Festnahme des mutmaßlichen Terrorhelfers Abdelghani Mzoudi geführt. Seine Aussagen bestätigten den Angaben zufolge auch Verdächtigungen gegenüber einem Deutschen, der im Zusammenhang mit dem Attentat auf der tunesischen Ferieninsel Djerba steht.

Zunächst 26 Verhandlungstage terminiert

Der 26-Jährige hatte im Vorfeld des Verfahrens nach Zeitungsangaben außerdem erklärt, er sei selbst 1999 in einem afghanischen Ausbildungslager der El Kaida gewesen und habe dort sogar als Leibwächter Bin Ladens gedient. Für das Verfahren vor dem Sechsten Strafsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf sind zunächst bis zum 30. September 26 Verhandlungstage terminiert.

DPA