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Mutmaßliche Attentatspläne des Iran Die Komplott-Theorie bröckelt


Nach den Vorwürfen gegen den Iran, ein Anschlagskomplott in Washington geplant zu haben, basteln die USA und die Verbündeten an harten Strafmaßnahmen gegen Teheran. Die Beweislage gegen Präsident Ahmadinedschad ist jedoch dünn.

Nach dem Aufdecken eines angeblichen Mordkomplotts des Iran auf den saudiarabischen Botschafter in Washington gerät die US-Regierung in Erklärungsnot. Während in Amerika und Europa über diplomatische Strafmaßnahmen beraten wird, werden Zweifel laut an der Beweislage für das bizarre Mordkomplott. Vor allem die Frage, wie weit Teherans politische Führung involviert ist, bleibt offen: Präsident Mahmud Ahmadinedschad muss "nicht zwangsläufig davon gewusst haben", sagten jetzt US-Regierungsvertreter, die namentlich nicht genannt werden wollten.

Es sei aber "mehr als wahrscheinlich", dass zumindest die militärische Eliteeinheit Kuds von den Plänen gewusst hätten, hieß es. Diese Schlussfolgerung gründe sich aber vor allem auf Analysen und das Wissen über Aufbau und Funktionsweise der Kuds-Truppe. Die Aktion sei sicherlich nicht abseits des Systems geplant worden.

Ein Autoverkäufer aus Texas als Top-Agent?

Mehrere hochrangige Regierungsvertreter räumten ein, dass der angebliche Komplott ungewöhnlich schlecht organisiert worden sei. "Wir hätten erwartet, dass die Kuds-Truppe ihre Spuren effektiver verwischt", sagte einer von ihnen. Ein anderer meinte, der Plan für einen gewaltsamen Angriff in den USA liege "sehr außerhalb des Musters" jüngster Kuds-Aktionen.

Ein Iran-Experte des Kongresses äußerte Zweifel an den angeblichen Plänen. "Ein Autoverkäufer aus Texas, der nicht wirklich selbst ein Kuds-Mitglied ist und seit vielen Jahren in den USA lebt - das passt nicht zusammen", sagte Kenneth Katzman. "Es kann dazu einen gewissen Kontakt mit der Kuds gegeben haben, aber die Idee eines gezielten, voll durchdachten Plans, genehmigt von hohen Stellen der iranischen Führung, strapaziert die Gutgläubigkeit."

"Seine Socken haben nicht zueinander gepasst"

Die Frau des 56-jährigen Tatverdächtigen Mansour Arbabsiar beteuerte in Interviews seine Unschuld: Auch wenn sie inzwischen getrennt von ihm lebe, könne sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, "dass er zu so etwas fähig wäre", sagte sie dem TV-Sender KVUE im texanischen Austin. Der Anklageschrift zufolge bekleidet ein Cousin des Verdächtigen einen hochrangigen Posten bei der Kuds-Truppe. Nach Aussage der Behörden hat der Angeklagte nach seiner Festnahme die Pläne unter Beisein von Ermittlungsbeamten mit einem Kuds-Verbindungsmann am Telefon diskutiert.

In der "New York Times" beschreiben Freunde und Nachbarn Arbabsiar als eher unorganisierte Persönlichkeit. Er habe oft Schlüssel und Telefone verloren. "Selbst seine Socken haben nicht zueinander gepasst", sagte ein Freund dem Blatt. Allerdings habe der 56-Jährige in den letzten Monaten größere Geldbeträge bei sich gehabt.

Obama und König Abdallah planen "starke Antwort"

Die angeblichen Attentatspläne haben die Spannungen zwischen beiden Staaten massiv verschärft. Die Regierung in Washington nahm am Mittwoch bewusst auch eine militärische Reaktion nicht vom Tisch und erließ neue Sanktionen gegen Teheran. Auch Saudi-Arabien verurteilte den Iran scharf.

In einem Telefonat zwischen US-Präsident Barack Obama und dem saudiarabischen König Abdallah vereinbarten beide eine "starke und vereinte Antwort", mit der die Verantwortlichen für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen würden. Das teilte das Weiße Haus mit. Die Attentatspläne stellten eine "ungeheuerliche Verletzung" internationalen Rechts dar. Beide Seiten hätten zudem ihre Partnerschaft bekräftigt.

fw/Reuters/AFP Reuters

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