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Myanmar: Mönche gehen wieder auf die Straße

In Myanmar haben erstmals seit der Niederschlagung der Proteste Mönche gegen die Militärjunta demonstriert. Die Regierung wird auch von Menschenrechtlern scharf kritisiert. Sie bezichtigen die Militärs, massiv Kindersoldaten einzusetzen.

Erstmals seit der Niederschlagung der Proteste in Myanmar haben in dem asiatischen Land wieder buddhistische Mönche gegen die Militärregierung demonstriert. Augenzeugen berichteten, in der Stadt Pakokku seien rund 200 Mönche durch das Zentrum marschiert und sangen, riefen allerdings keine Parolen. Die Mönche begannen ihren Marsch an der Shwagu-Pagode und sprachen fast eine Stunde Gebete. Danach kehrten sie ohne Zwischenfall in ihre Klöster zurück. Der Exil-Radiosender "Demokratische Stimme Birmas" berichtete, die Protestierenden hielten an ihren Forderungen nach niedrigeren Brennstoffpreisen und einer nationalen Aussöhnung fest. Ein Mönch kündigte im Gespräch mit dem Radiosender besser organisierte und größere Proteste für die nahe Zukunft an.

Außerdem verlangten sie die Freilassung aller politischen Gefangenen einschließlich Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. In dem rund 600 Kilometer nordwestlich von Rangun gelegenen Pakokku ist die Situation seit Beginn der Proteste im September angespannt. "Wir haben keine Angst davor, dass man uns festnimmt oder foltert", wurde ein Mönch zitiert. Berichte über ein Eingreifen der Sicherheitskräfte gab es nicht. Ein Anwohner sagte, die Mönche hätten die Route ihres Protestzugs so ausgewählt, dass Zusammenstöße mit von der Regierung gesteuerten Demonstrationen gegen die Erhebung vom September vermieden würden.

Menschenrechtler kritisieren Einsatz von Kindersoldaten

Menschenrechtler haben der Militärregierung von Myanmar vorgeworfen, reihenweise Kindersoldaten zu rekrutieren. Jungen ab dem Alter von zehn Jahren würden von Anwerbern gekauft und dann an das Militär veräußert, berichtete die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Die Kinder würden praktisch wie Gefangene behandelt und geschlagen. HRW berief sich dabei auf Interviews mit 20 früheren birmanischen Soldaten. Die überwiegende Mehrheit von ihnen habe die Zahl der Jugendlichen und Kinder unter den Rekruten auf fast ein Drittel beziffert. Die Militärjunta erklärte der Organisation zufolge, es würden nur Freiwillige über 18 Jahren zum Dienst in der Armee herangezogen.

HRW zufolge sucht das birmanische Militär derzeit händeringend nach Personal. Bereits vor der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung im September habe die Armee Probleme gehabt, ihre Ränge zu füllen. Der Einsatz von Soldaten gegen protestierende Mönche sowie bei der Tötung und Festnahme von Demonstranten könnte dazu führen, dass künftig noch mehr Kindersoldaten rekrutiert würden, erklärte Human Rights Watch weiter.

USA und UN wollen Druck erhöhen

US-Präsident George W. Bush und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verständigten sich unterdessen am Dienstag in einem Telefonat darauf, den Druck auf das Regime in Myanmar zu erhöhen. Es seien ernsthafte Gespräche zwischen der Militärregierung und der demokratischen Opposition notwendig mit dem Ziel, zu einer demokratischen Regierung zurückzukehren, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Dan Perino.

Ein asiatischer Diplomat in Rangun berichtete unterdessen, die Regierung in Myanmar habe einem erneuten Besuch des UN-Sondergesandten Ibrahim Gambari zugestimmt. Dieser werde am Samstag nach Myanmar reisen, um seine Bemühungen zur Vermittlung von Gesprächen zwischen der Regierung und Suu Kyi fortzusetzen. Voraussichtlich werde Gambari diesmal umfangreichere Gespräche führen als bei seinem Besuch kurz nach der Niederschlagung der Proteste.

Ein Sprecher der Partei von Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi erklärte, nach wie vor seien mindestens 150 der fast 300 im September verhafteten Parteimitglieder im Gefängnis. Vielen werde medizinische Hilfe verweigert, die Haftbedingungen seien sehr hart. Die Regierung hat eigenen Angaben zufolge während der Proteste etwa 3.000 Menschen verhaftet, die meisten inzwischen aber wieder freigelassen. Bei den Demonstrationen wurden nach Regierungsangaben zehn Menschen getötet, oppositionelle Gruppen sprechen von bis zu 200 Toten. Die weltweite Kritik am Militärregime nahm nach der Niederschlagung der friedlichen Massenproteste massiv zu.

Reuters/AP / AP / Reuters