Nach dem Tod von Nigerias Staatschef "Die wichtigste Frage ist, wer der neue Vize-Präsident wird"


Nach dem Tod des nigerianischen Präsidenten Umaru Yar'Adua hat Nachfolger Goodluck Jonathan der Korruption in dem Erdölstaat den Kampf angesagt.

Nach dem Tod des nigerianischen Präsidenten Umaru Yar'Adua hat Nachfolger Goodluck Jonathan der Korruption in dem Erdölstaat den Kampf angesagt. Zu den Hauptaufgaben zähle er außerdem die Aufrechterhaltung des Friedens im Niger-Delta, dem wichtigsten Ölfördergebiet des Landes, kündigte Jonathan nach seiner Vereidigung am Donnerstag in Abuja an. Der 52-Jährige hatte die Amtsgeschäfte wegen Yar'Aduas schwerer Erkrankung bereits seit einigen Monaten geführt. Daher werden vorerst keine Kurswechsel in der Politik erwartet. Im April 2011 stehen in Nigeria allerdings Präsidentenwahlen an, deren Ausgang noch völlig ungewiss ist.

So ist unklar, ob der aus dem südlichen Niger-Delta stammende Jonathan bei dieser Wahl kandidieren wird. Nach einer ungeschriebenen Übereinkunft in der regierenden Partei wechselt die Macht zwischen dem Süden und dem Norden. Die Präsidentschaft für die nächste vierjährige Wahlperiode müsste damit an einen Kandidaten aus Yar'Aduas muslimischem Norden gehen. Viel hängt nun davon ab, wen Jonathan zu seinem Stellvertreter macht - diese Entscheidung könnte auch den Wahlausgang bestimmen.

"Die wichtigste Frage ist, wer der neue Vize-Präsident sein wird", sagt Kayode Akindele von der Unternehmensberatung Greengate Strategic Partners in Lagos. "Es dürfte sich um jemand aus dem Norden handeln, der dann Favorit bei der Wahl 2011 sein wird".

Der 58-jährige Yar'Adua litt seit längerem an Nieren- und Herzproblemen und starb in der Nacht zum Donnerstag. Er hatte sich in Saudi-Arabien behandeln lassen und wurde seit November nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Seit Februar führte der bisherige Vize-Präsident Jonathan die Geschäfte in dem Ölförderland. Yar'Adua sollte am Donnerstag in seiner Heimat im Norden des afrikanischen Landes beigesetzt werden.

Bei seinem Amtsantritt hatte Yar'Adua Respekt vor Recht und Gesetz versprochen. Nach acht Jahren unter seinem Vorgänger Olusegun Obasanjo, der in der Zeit des Militärregimes Karriere gemacht hatte, Gerichtsurteile ignorierte und es auch sonst mit dem Gesetz nicht immer so ernst nahm, setzten viele Bürger des bevölkerungsreichsten Staates Afrikas große Hoffnungen auf Yar'Adua. Der Nord-Nigerianer war der erste Präsident mit Studium und gewann die Wahl im April 2007. Obwohl die Abstimmung von Einschüchterungsversuchen und Manipulationen überschattet wurde, war es der erste Machtwechsel von einem zivilen Staatsoberhaupt zum nächsten seit der Unabhängigkeit des Landes 1960.

Der Optimismus schwand jedoch rasch und Yar'Adua erntete den Spitznamen "Baba Go-Slow". Kritiker warfen ihm vor, bei allen Themen von Wirtschaftsreformen bis hin zum Wiederaufbau des chaotischen Energiesektors nur schleichend voranzukommen. Das Ende seiner Regierungszeit war überschattet von langen Auslandsaufenthalten, wo er sich ärztlich behandeln ließ. Als Yar'Aduas größter politischer Erfolg gilt ein Amnestie-Angebot an die Mend-Kämpfer, die für ihre Angriffe auf Öl-Anlagen im Niger-Delta berüchtigt sind. Damit brachte er Tausende von Aufständischen dazu, ihre Waffen niederzulegen. Seit mehr als sechs Monaten herrscht in der Region eine relative Ruhe.

Auch die Aufständischen der Gruppe Mend bedauerten den Tod Yar'Aduas. Er sei ein echter Friedensstifter gewesen, dessen Initiativen, Bescheidenheit und Respekt begonnen hätten, Zuversicht in den Friedensprozess zu wecken, hieß es in einer E-Mail an Reuters. "Sein Tod könnte ein Vakuum hinterlassen, das vielleicht nicht gefüllt werden kann." US-Präsident Barack Obama würdigte den "persönlichen Anstand und die Integrität" seines verstorbenen Kollegen.

Reuters/AFP Reuters

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