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Herausforderer wird neuer Präsident: Nigeria wählt den Wechsel - und seinen Ex-Dikator

Der frühere Militärdiktator Buhari ist der neue Hoffnungsträger Nigerias. Der 72 Jahre alte Muslim hat die Wahl gewonnen und will in Afrikas bevölkerungsreichstem Land für einen neuen Aufbruch sorgen.

Anhänger von Muhammadu Buhari feiern den Sieg ihres Kandidaten

Anhänger von Muhammadu Buhari feiern den Sieg ihres Kandidaten

Der frühere Militärdiktator Muhammadu Buhari hat die Präsidentschaftswahl in Nigeria gewonnen. Amtsinhaber Goodluck Jonathan hat dem 72-Jährigen telefonisch zum Sieg gratuliert, wie ein Mitglied von Buharis Wahlkampfteam am Dienstag sagte. Jonathan habe ihm seine volle Unterstützung zugesichert, sagte Paul Ibe der Nachriuchtenagentur DPA.

Der Muslim Buhari lag laut offiziellen Auszählungsergebnissen aus 35 der 36 Bundesstaaten des bevölkerungsreichsten Landes Afrikas mehr als zwei Millionen Stimmen vor dem 57 Jahre alten Christen Jonathan. Buharis erzielte damit den ersten Sieg der Opposition, seit das ölreiche westafrikanische Land 1999 zur Demokratie zurückgekehrt ist.

Der geläuterte Diktator

Buhari regierte Nigeria von Ende 1983 für knapp zwei Jahre als Militärdiktator. Er setzte die Verfassung außer Kraft und beschnitt Freiheitsrechte. Seine Regierung konnte die damals bestehenden wirtschaftlichen Probleme jedoch nicht lösen und wurde ihrerseits weggeputscht. Buhari musste drei Jahre ins Gefängnis, hatte danach aber rasch wieder eine Spitzenposition unter einer Militärregierung inne. Buhari beschreibt sich selbst als inzwischen überzeugter Demokrat. Seit 2003 trat er bereits drei mal bei Präsidentschaftswahlen an.

Der hagere 72 Jahre alte pensionierte General ist ein ungewöhnlicher Hoffnungsträger für das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Er ist rund 50 Jahre älter als die Hälfte der Bevölkerung. Die durchschnittliche Lebenserwartung für Nigerianer hat er bereits um zwei Jahrzehnte überschritten. Auch seine Erfahrung als früherer Militärdiktator machte ihn zu einem ungewöhnlichen Kandidaten. Doch die Mehrheit der Nigerianer traut ihm zu, als Präsident einen neuen Aufbruch einzuleiten.

Die Ergebnisse aus den verbliebenen drei Bundesstaaten wurden noch am Dienstag erwartet. Rund 70 Millionen Wahlberechtigte waren am Samstag in dem ölreichen westafrikanischen Land zur Abstimmung aufgerufen. Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen.

Während des Wahlkampfes präsentierten sich der amtierende Präsident Goodluck Jonathen (l.) und sein Herausforderer Buhari als faire Konkurrenten

Während des Wahlkampfes präsentierten sich der amtierende Präsident Goodluck Jonathen (l.) und sein Herausforderer Buhari als faire Konkurrenten

Nigerianer wählen meist ethnisch

Nigerianer wählen meist nach ethnischer Abstammung und Religionszugehörigkeit. Ungefähr die Hälfte der 178 Millionen Nigerianer sind Muslime und etwa 45 Prozent sind Christen, diese leben hauptsächlich im Süden des Landes. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass auch viele von Jonathans Amtsführung enttäuschte Christen für Buhari gestimmt haben könnten. Der Amtsinhaber versprach den Wählern Kontinuität, Buhari warb mit der Bekämpfung der grassierenden Korruption und einem Sieg über den islamischen Terrorismus im Land.

Behörden fürchten Ausschreitungen

Aus Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse waren die Sicherheitskräfte im ganzen Land in erhöhter Alarmbereitschaft. Im südlichen Bundesstaat Rivers wurde vorsorglich für unbestimmte Zeit eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Bei der letzten Wahl 2011 kamen bei Zusammenstößen von Anhängern der großen Blöcke Schätzungen zufolge rund 1000 Menschen ums Leben.

Die Wahl war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt, wurde aber wegen des Terrorfeldzugs von Boko Haram im Nordosten des Landes verschoben. Auch am Wahltag kamen bei Anschlägen etwa 30 Menschen ums Leben. Seit 2009 töteten die sunnitischen Extremisten mindestens 14.000 Menschen.

Nigeria ist der größte Ölexporteur des Kontinents und auch die größte Volkswirtschaft. Die Mehrheit der Nigerianer lebt jedoch immer noch in großer Armut.

ono/DPA / DPA