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Neuseeland Parlament beschließt Trauerurlaub für Paare nach einer Fehl- oder Totgeburt

Fehlgeburt
Sehen Sie im Video: Warum immer mehr Stars mit der schweren Erfahrung ihrer Fehlgeburt an die Öffentlichkeit gehen.


Topmodel Chrissy Teigen wandte sich am 1. Oktober mit einer traurigen Nachricht an ihre Fans: Sie hatte ihr Baby verloren.  Bis heute macht die 34-Jährige ihr Verlust zu schaffen. Aber Teigen ist mit mit ihrer Trauer nicht allein. Denn immer mehr berühmte Frauen berichten von ihren kürzlichen Fehlgeburten. Gerade erklärte Sängerin Christina Perri ihren Fans, dass sie eine Stillgeburt erlitten hat. Herzogin Meghan hat das gleiche Schicksal im Juli ereilt. Auch sie berichtete jetzt von dem tragischen Ereignis.  Und das hat einen Grund. Während die Herzogin und ihr Mann Prinz Harry normalerweise ihr Privatleben schützen, bisweilen auch mit rechtlichen Schritten, äußerte sich Meghan jetzt ungewohnt offen. 
"Ein Kind zu verlieren bedeutet, eine fast unerträgliche Trauer zu tragen, die von vielen erlebt wird, von der aber nur wenige sprechen“, schreibt die Herzogin in einem Essay in der New York Times.  Sie berichtet sogar von dem Moment, als ihr bewusst wurde, dass sie ihr Kind verloren hatte. Sie habe ihren Sohn gewickelt und plötzlich einen stechenden Krampf im Unterleib gespürt. „Als ich mein erstgeborenes Kind umklammerte, wusste ich, dass ich mein zweites verlor.“ 
In dem Schmerz ihres Verlustes hätten Harry und sie festgestellt,   dass in einem Raum von 100 Frauen 10 bis 20 von ihnen eine Fehlgeburt erlitten hätten.  Obwohl sie alle denselben Schmerz teilen würden, sei das Gespräch darüber tabu und die Scham über den Verlust setze einen Kreislauf einsamer Trauer fort.
Das ist der Grund, warum Meghan dazu aufruft, nicht weiter zu schweigen, sondern den Schmerz zu teilen. Das sei der erste Schritt in Richtung Heilung.
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Ein Schritt für die gleichberechtigte Trauer von Paaren: Das neuseeländische Parlament hat jetzt einstimmig beschlossen, Schwangeren und ihren Partnern drei Tage Trauerurlaub nach einer Fehl- oder Totgeburt zuzugestehen. Die deutsche Gesetzgebung regelt das anders.

Am Mittwoch stimmte das Parlament in Wellington, der neuseeländischen Hauptstadt, einstimmig für einen neuen Gesetzesentwurf: Paare, die während einer Schwangerschaft ein Kind verlieren, bekommen drei Tage bezahlten Urlaub, berichtet unter anderem die britische Zeitung "The Guardian". Das betrifft nicht nur die Mütter, sondern auch ihre jeweiligen Partner:innen sowie Familien, die eine Adoption planten. Eine Eheurkunde spielt dabei keine Rolle. Die Labour-Abgeordnete Ginny Andersen hatte den Gesetzesentwurf präsentiert: "Die Trauer, die mit einer Fehlgeburt einhergeht, ist keine Krankheit, es ist ein Verlust. Dieser Verlust braucht Zeit – Zeit, um sich körperlich zu erholen und Zeit, um sich mental zu erholen; Zeit, um sich mit einem Partner zu erholen.“

Andersen erinnerte dabei an die neuseeländische Schriftstellerin Kathryn Van Beek, die den Abgeordneten ihres Wahlkreises nach ihrer eigenen Fehlgeburt angesprochen hatte: "Eine Fehlgeburt ist eine seltsame, geheime Geburt, die auch ein Tod ist", schrieb Beek damals.

Neuseeland ist erst das zweite Land mit einer vergleichbaren Gesetzgebung

Bisher konnten Angestellte in Neuseeland nach einer Fehlgeburt erst bezahlten Urlaub einreichen, wenn die Schwangerschaft mindestens 20 Wochen angedauert hatte. Das neue Gesetz ermöglicht diesen Schritt an jedem Punkt der Schwangerschaft, gilt jedoch nicht für Abtreibungen.

Nur wenige Länder haben eine vergleichbare Gesetzgebung. Beispielsweise stehen Frauen in Indien nach einer Fehlgeburt bis zu sechs Wochen Urlaub zu. Da viele der dort Beschäftigten allerdings in prekären Arbeitsverhältnissen sind, nehmen die wenigsten Frauen diese Gelegenheit auch wahr. Die dazugehörigen Partner sind ebenfalls ausgeklammert.

In der kanadischen Provinz Ontario kann eine Frau ab der 23. Woche unbezahlten Schwangerschaftsurlaub nehmen und in Großbritannien können Frauen ab einem ähnlichen Zeitraum in den gesetzlichen, bezahlten Mutterschutz gehen.

Das deutsche Gesetz unterscheidet zwischen Fehl- und Totgeburten

In Deutschland sind die Regelungen im Falle einer Fehlgeburt ähnlich wie in Großbritannien, hier wird allerdings gesetzlich zwischen Fehl- und Totgeburten unterschieden. Dies berühre jedoch nicht die Wertschätzung einer Frau in Person, so das Familienportal des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). In beiden Fällen sind die jeweiligen Partner:innen allerdings ausgeschlossen.

Eine Fehlgeburt gilt bei einem Abgang bis zur 24. Schwangerschaftswoche oder wenn das Gewicht des Fötus weniger als 500 Gramm beträgt. Ab der zwölften Woche dürfen Personen nicht einfach gekündigt werden, ihnen steht aber auch kein bezahlter Mutterschutz zu. Dennoch haben Familien jederzeit die Möglichkeit, bei entsprechenden psychischen oder auch körperlichen Beeinträchtigungen ein Attest vom Arzt zu erhalten. Bei einem Geburtsgewicht von mehr als 500 Gramm oder einer Geburt nach der 24. Schwangerschaftswoche wird die Entbindung gesetzlich als Totgeburt definiert. In diesem Fall gelten die Regeln des bezahlten Mutterschutzes und die Gebärenden dürfen ohne ärztliches Attest nicht vorher beschäftigt werden.

Quellen:  "The Guardian" / "New York Times" / Familienportal

mkb

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