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Nach Krawallen in Athen: Griechisches Konsulat in Berlin besetzt

Die Unruhen in Griechenland schwappen nach Berlin über. 15 Demonstranten sind in das Generalkonsulat des Landes eingedrungen. Sie protestieren gegen den Tod eines Schülers, der in Athen von einem Polizisten erschossen worden war. Unterdessen flackern in Griechenland die Proteste erneut auf.

Aus Protest gegen den Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel in Athen haben etwa 15 Demonstranten das griechische Konsulat in Berlin besetzt. Die Aktion blieb bis zum Nachmittag friedlich. Nachdem es in Griechenland zu massiven Unruhen gekommen war, hatte die Polizei den Schutz der Botschaft und des Konsulats in der deutschen Hauptstadt bereits am Samstagabend verstärkt.

Nach Angaben von Polizeipräsident Dieter Glietsch waren die Demonstranten am Montag als Besucher gekommen und deshalb nicht daran gehindert worden, in das Gebäude zu gelangen. Im Konsulat liefen stundenlange Gespräche mit den Besetzern, sagte Botschaftssprecher Pantelis Pantelouris. Die Demonstranten seien Landsleute und befänden sich in allen Räumen des Konsulats, wo etwa zehn Staatsdiener arbeiteten. Bis zum Nachmittag griff die Polizei nicht ein, hielt sich aber mit 120 Einsatzkräften vor dem Gebäude in Bereitschaft.

An der Fassade hatten die Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift "Ermordet vom Staat" angebracht. Am Nachmittag fanden sich etwa 60 Menschen zu einer nicht angemeldeten Sympathie-Kundgebung vor dem Konsulat zusammen, die von der Polizei geduldet wurde. Das Auswärtige Amt weist Reisende inzwischen auf die Unruhen in Griechenland hin und betont, dass auch in den nächsten Tagen mit Zwischenfällen gerechnet werden muss.

Unterdessen ist es am Montag in Griechenland erneut zu Demonstrationen gekommen. In Athen gingen mehrere tausend Schüler auf die Straßen und protestierten gegen den Tod des Jugendlichen, berichtete das Fernsehen. Vor der Polizeidirektion zogen sich zwei Jugendliche bis auf die Unterwäsche aus und legten sich vor den Eingang. "Tötet uns auch", skandierten sie.

Schüler blockierten die Straßenbahn von Athen. Andere Jugendliche besetzten eine Station der U-Bahn nahe der Vorstadt Kifissia. In Piräus warfen Schüler Steine auf eine Polizeistation. Randalierer zerstörten sechs Autos.

In der nordgriechischen Metropole Thessaloniki lieferten sich Hunderte Studenten Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Die Autonomen warfen Brandsätze auf die Polizisten, die mit Tränengas gegen die jungen Leute vorgingen. Für Montagabend wurden in fünf Städten, darunter auch in Athen und Saloniki, weitere Proteste angekündigt. Viele Griechen rechnen mit einem Anhalten der Unruhen, da am Mittwoch ein Generalstreik gegen die Rentenreform und die Wirtschaftspolitik der konservativen Regierung geplant ist.

In fast allen Landesteilen Griechenlands blieben am Montag die Schulen geschlossen. "Sie werden bis Mittwoch aus Protest gegen den Tod des Schülers geschlossen bleiben", sagte der Generalsekretär des Gymnasiallehrergewerkschaft, Kostas Maniatis, im Radio. Auch das Kultusministerium erklärte den Dienstag zum Tag der Trauer für die Schulen.

Ministerpräsident mahnt in TV-Ansprache zu Besonnenheit

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis kündigte in einer Fernsehansprache an, die Verantwortlichen für den Tod des 15-Jährigen Schülers zur Rechenschaft zu ziehen. "Wir werden alles tun, damit diese Tragödie sich nicht wiederholt", sagte Karamanlis.

Für die schweren Ausschreitungen am Wochenende machte er "extreme Elemente" verantwortlich. "Deren einziges Motiv ist die Gewalt und die Zerstörung", sagte der konservative Regierungschef. "Wir werden das nicht dulden." Er rief die Griechen auf, Ruhe zu bewahren und versprach Entschädigungen für die Inhaber der Geschäfte, die beschädigt oder zerstört wurden.

100 Millionen Euro Sachschaden

Bei den Straßenkämpfen waren seit Samstagabend rund 40 Menschen verletzt worden. Der Sachschaden wird auf 100 Millionen Euro geschätzt. Straßenzüge in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki boten Bilder wie in einem Bürgerkrieg. Mehr als 500 Angestellte der Stadt versuchten am Montag in Athen, die Wracks der Autos aus den Straßen zu entfernen. Die Krawalle hinterließen zudem zerstörte Geschäfte, Bankfilialen und Polizeiwachen. Auch Privatwohnungen waren demoliert worden. Brennende Barrikaden und massiver Tränengaseinsatz der Sicherheitskräfte legten weite Teile der Innenstadt Athens unter eine dichte Rauchdecke.

Am Samstagabend war in Athen ein 15 Jahre alter Schüler durch eine Polizeikugel gestorben. Der 37 Jahre alte Polizist, der den Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Der Jugendliche sei von einem Querschläger getroffen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Totschlag vor.

Anwalt des Todesschützen legt Mandat nieder

Einer der Anwälte des Polizisten trat am Montag zurück. Er lies verlauten, dass er einen "solchen Mandanten" aus Gewissensgründen nicht verteidigen könne. Über den mutmaßlichen Schützen wurde bekannt, dass er wegen seines harten Durchgreifens unter dem Spitznamen "Rambo" bekannt gewesen sei, berichtete der griechische Rundfunk.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters