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Nach Kritik an Merkel: Westerwelle läßt türkischen Botschafter einbestellen

Wegen undiplomatischen Äußerungen, die ein türkischer Politiker an Kanzlerin Merkel richtete, hat das Außenministerium den türkischen Botschafter einbestellt.

Nach der Kritik eines türkischen Ministers an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Außenministerium den türkischen Botschafter einbestellt. Mit der Einbestellung reagiere Außenminister Guido Westerwelle (FDP) auf "Äußerungen von offizieller türkischer Seite in Richtung Deutschland", die in Berlin "großes Unverständnis" ausgelöst hätten, sagte ein Außenamtssprecher am Freitag in Berlin. "Das geht so nicht", fügte er hinzu. Die Bundesregierung werde dem türkischen Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu am Freitagmittag "mit aller notwendigen Klarheit" ihre Haltung erläutern.

Der türkische Minister für europäische Angelegenheiten, Egemen Bagis, hatte Merkel davor gewarnt, aus dem Beitritt der Türkei zur EU ein Wahlkampfthema für die Bundestagswahl im September zu machen. Bagis verwies darauf, dass Nicolas Sarkozy bei der französischen Präsidentschaftswahl im Jahr 2012 eine Niederlage erlitten hatte. Narkozy hatte sich als entschiedener Gegner eines Beitritts der Türkei zur EU positioniert. "Die Türkei eignet sich nicht für innenpolitische Spielereien", fügte der Minister hinzu. Merkel hatte am Montag gesagt, sie sei "erschrocken" über das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die türkischen Demonstranten

Im Februar hatte Merkel nach einem Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Ankara ihre Vorbehalte gegen eine türkische EU-Mitgliedschaft bekräftigt. Zugleich hatte sie aber den Wunsch geäußert, ein weiteres Verhandlungskapitel in den türkischen EU-Gesprächen zu eröffnen. Anstelle eines EU-Beitritts der Türkei plädiert Merkel für eine "privilegierte Partnerschaft" der Türkei mit der EU.

ono/AFP / AFP