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Nadschaf: Ultimatives Ultimatum

Die irakische Regierung hat mit der Vernichtung der schiitischen Rebellen in Nadschaf gedroht, sollten sie nicht innerhalb weniger Stunden die besetzte Imam-Ali-Moschee räumen.

Iraks Verteidigungsminister Hasim al Schalaan hat die schiitischen Rebellen in Nadschaf am Dienstag aufgefordert, sich binnen Stunden zu ergeben. Andernfalls würden sie vernichtet, sagte al Schalaan. Noch im Laufe des Tages würden irakische Soldaten notfalls mit Gewalt die Kontrolle über die Iman-Ali-Moschee übernehmen, in der sich Rebellen des radikalen Predigers Moktada al-Sadr verschanzt haben. Erst Ende vergangener Woche hatte die Regierung den Aufständischen ebenfalls ein Ultimatum gestellt.

In Bagdad überlebten am Morgen Umweltministerin Mischkat Mumin und Bildungsminister Sami Mudhafar Bombenanschläge im Süden und im Westen der irakischen Hauptstadt Bagdad. Insgesamt wurden nach Polizeiangaben mindestens drei Menschen getötet und vier weitere verletzt.

Bombenanschlag auf Ministerkonvoi

Im Stadtviertel Kadisea explodierte eine Autobombe, als Umweltministerin Mumin in einem Konvoi vorüberfuhr. Die Detonation habe sich rund hundert Meter vom Haupteingang des Fernsehsenders al Hurija entfernt ereignet, sagte ein Anwohner.

Bei der zweiten Explosion wurde ein Leibwächter von Bildungsminister Mudhafar getötet, zwei weitere Menschen wurden verletzt. Mudhafar war nicht in dem Konvoi, der nach Polizeiangaben Ziel des Anschlags war. Der am Straßenrand gelegte Sprengsatz detonierte im Viertel Al Chadra. Die Fahrzeugkolonne war auf dem Weg zu Mudhafars Haus, um den Minister abzuholen, wie ein Polizeisprecher sagte.

Im Zentrum der irakischen Stadt Nadschaf sind am Dienstag Granaten eingeschlagen. In der Nacht hatten US-Truppen die in der Stadt verschanzten schiitischen Rebellen aus der Luft angegriffen.

Die von den USA gestützte irakische Übergangsregierung hat angekündigt, sie werde eine Großoffensive gegen die Rebellen starten, sollten sie ihre Forderungen nicht erfüllen und die Waffen niederlegen. In der Nähe der Imam-Ali-Moschee waren allerdings keine irakischen Sicherheitskräfte zu sehen.

Kämpfe in Nadschaf gehen dritte Nacht in Folge weiter

Auch in der dritten Nacht in Folge ist die irakische Pilgerstadt Nadschaf wieder von schweren Kämpfen erschüttert worden. Am späten Montagabend griff die US-Armee erneut Stellungen der schiitischen Milizionäre rund um die Imam-Ali-Moschee an. Nach einem Bericht des arabischen Nachrichtensenders El Dschasira wurden Stellungen der so genannten "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada el Sadr von US-Flugzeugen aus der Luft beschossen. Auch in Sadr-City, einem Armenvorort der irakischen Hauptstadt Bagdad, sei es erneut zu Kämpfen gekommen, berichtete der Sender.

US-Kampfflugzeuge hätten in der Nacht Ziele in Sadr-City bombardiert, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. In dem Vorort, der zum Teil von Sadrs "Mahdi-Armee" kontrolliert wird, seien heftige Explosionen zu hören gewesen.

Moschee selbst offenbar noch nicht angegriffen

Bei ihrem Angriff auf Milizen-Stellungen in Nadschaf setzte die US-Armee am Abend laut El Dschasira auch Flugzeuge vom Typ AC-130 ein, die mit schweren Maschinenkanonen bewaffnet sind. In mehreren Gebäuden rund um den heiligen Bezirk sei Feuer ausgebrochen, hieß es. Für Berichte, wonach die Amerikaner auch die Moschee selbst angegriffen haben sollen, gab es zunächst keine unabhängige Bestätigung. El-Sadr-Anhänger hatten bereits am Montag behauptet, dass die Kuppel und die Außenwand der Moschee durch die US-Angriffe beschädigt worden sei.

Unterdessen ist der Verbleib El Sadrs weiter Unklar. In einem Interview mit El Dschasira wies sein Sprecher Berichte zurück, der Prediger habe Nadschaf verlassen. El Sadr halte sich weiter in der Stadt auf und koordiniere die Aktivitäten seiner Anhänger. Zuvor hatte der Polizeichef der Pilgerstadt mitgeteilt, El Sadr habe Nadschaf verlassen. Bei Verhandlungen zwischen den El-Sadr-Anhängern und gemäßigten schiitischen Religionsgelehrten über eine Übergabe der heiligen Stätten der Stadt gab es am Montag keine Fortschritte.

DPA/Reuters / DPA / Reuters