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NAHOST: Israel beendet Belagerung von Arafat

Nach der Beendigung der Belagerung seines Amtssitzes in Ramallah beschuldigte Palästinenser-Präsident Arafat israelische Truppen der Brandstiftung in der Geburtskirche von Bethlehem.

Nach dem Abzug der israelischen Truppen von seinem Amtssitz in Ramallah hat Palästinenser-Präsident Jassir Arafat das israelische Vorgehen in Bethlehem in der Nacht zum Donnerstag scharf verurteilt. UNO-Generalsekretär Kofi Annan kündigte an, die Delegation zur Erkundung der Vorgänge im palästinensischen Dschenin aufzulösen.

Arafat wütend wegen Bethlehem

Was in Bethlehem geschehe, »ist ein Verbrechen«, sagte ein offensichtlich wütender Arafat in seiner ersten Stellungnahme unmittelbar nach Abzug der israelischen Panzer und gepanzerten Fahrzeuge von seinem Amtssitz. Zuvor waren sechs palästinensische Häftlinge in die Obhut britischer und amerikanischer Sicherheitskräfte übergeben worden, deren Auslieferung Israel vor einem Abzug gefordert hatte. Dutzende von palästinensischen Leibwächtern und Polizisten sammelten sich vor dem Amtssitz, um ihn mit palästinensischen Flaggen wieder in Besitz zu nehmen.

Scharon garantiert Arafat kein Rückkehrrecht

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hatte unterdessen in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC Palästinenserpräsident Jassir Arafat im Falle einer Auslandsreise kein Rückkehrrecht garantiert. Arafat könne das Land verlassen, sagte Scharon, aber Israel behalte sich das Recht vor, ihn nicht wieder einreisen zu lassen, falls es in dieser Zeit zu Terroranschlägen komme. Das im Internet vorab veröffentlichte Interview sollte am späten Mittwochabend (Ortszeit) ausgestrahlt werden. Wenn Arafat in der Vergangenheit auf Reisen war, habe dies für palästinensische Extremisten »ein Zeichen für eine Terrorwelle« bedeutet, sagte Scharon dem Sender. Wenn es also zu einer Terrorwelle komme und Arafat um die Welt reise, dann müsse Israel darüber nachdenken, was zu tun sei.

Arafat warf israelischen Soldaten Brandstiftung vor

Nach dem Feuer auf dem Gelände der belagerten Geburtskirche in Bethlehem hat Arafat den israelischen Soldaten Brandstiftung vorgeworfen. In seinem Hauptsitz in Ramallah zeigte sich Arafat erbost angesichts der Unruhen in Bethlehem und bezeichnete Israelis als Terroristen. »Wie kann die Welt angesichts dieses grausamen Verbrechens schweigen?«, erklärte er. Die Palästinenser in der Kirche erklärten, die Schüsse hätten den Brand ausgelöst; Israel warf den Palästinensern vor, das Feuer selbst gelegt zu haben. Bei Versuchen, den Brand zu löschen, wurden drei Menschen in der Kirche leicht verletzt. Insgesamt brannte es etwa eine halbe Stunde in einiger Entfernung des Kirchengebäudes.

Kein Ende der Belagerung

Während der von Israel erklärten Offensive gegen palästinensische Attentäter und ihre Hintermänner hat die Armee große Teile des Westjordanlandes wieder besetzt, während eines weitreichenden Abzugs jedoch Arafats Amtssitz und die Geburtskirche belagert gelassen. Inzwischen haben nach Verhandlungen mehrere Menschen das Gotteshaus verlassen, zuletzt am Mittwoch ein verletzter und ein kranker Palästinenser. In der Kirche befinden sich auch Mönche und Zivilisten.

USA bedauern Auflösung der Dschenin-Kommission

Die USA bedauerten am Mittwoch Annans Ankündigung, die Dschenin-Delegation am Donnerstag auflösen zu wollen. Die USA seien weiter daran interessiert, dass die Ereignisse während des israelischen Vorgehens in dem palästinensischen Lager und der benachbarten Stadt geklärt würden, sagte ein hochrangiger Vertreter des US-Außenministeriums. Man habe jedoch keinen Alternativ-Vorschlag zu der gescheiterten Erkundung.

Israel mauerte

Annan hatte die Auflösung der seit Tagen in Genf abreisebereiten Delegation in einem Brief an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UNO) angekündigt. Nach anfänglichem Einverständnis hatte die israelische Regierung Einwände gegen die Erkundung erhoben und der 20-köpfigen Gruppe die Einreise verweigert. Israel wirft der UNO vor, es nicht neutral zu behandeln. Palästinensischen Angaben zufolge hat die Armee in Dschenin ein Massaker an der Zivilbevölkerung angerichtet. Israel spricht von Kampfhandlungen. Palästinensische Ärzte haben die Zahl der palästinensischen Toten während des Einsatzes inzwischen mit 53 angegeben, darunter seien 21 Zivilisten. UNO-Vertreter schätzen, dass noch 22 Menschen unter den Trümmern der von der Armee zerstörten Häuser vermisst werden.

Noch Chancen für Friedensplan?

Vertreter des US-Kongresses kündigten Resolutionen des Parlamentes an, in denen es seine Solidarität mit Israel bekräftigen wolle. Die US-Regierung forderte das Parlament angesichts der angespannten Lage im Nahen Osten zu einem Aufschub seiner Abstimmung auf und betonte, sie arbeite an einer politischen Lösung. Dies geschehe in enger Zusammenarbeit mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah, der vor kurzem einen Friedensplan vorgelegt hat, sagte ein Sprecher von US-Präsident George W. Bush. Kern des Plans ist die Anerkennung Israels durch die arabischen Staaten, wenn es einen Staat Palästina an seiner Seite akzeptiere.

Scharon denkt an Pufferzone

Trotz des internationalen Drucks will Israel in das Westjordanland zurückkehren, wann immer und wohin auch immer es notwendig sei. Zudem gebe es einen Plan, eine etwa 1000 Kilometer lange Pufferzone zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten zu schaffen, erklärte Scharon.