Neue Terrorwelle im Irak Dutzende Tote nach Freitagsgebet

Bei einem Anschlag im nordirakischen Mossul sind 30 Menschen ums Leben gekommen, weitere 70 wurden verletzt. Der Sprengsatz explodierte, als Gläubige nach dem Freitagsgebet die Moschee verließen. Die Region um Mossul gilt als Hochburg des Terrornetzwerks al-Qaida im Irak. In Bagdad starben am Freitag bei drei Bombenanschlägen insgesamt sieben weitere Menschen.

Ein hoher Feiertag der Schiiten im Irak ist am Freitag von blutigen Terroranschlägen mit Dutzenden Toten überschattet worden. Während die Wallfahrt Hunderttausender Gläubiger zu ihrem heiligen Schrein im 100 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Kerbela ohne größere Zwischenfälle verlief, richtete sich der Terror der Extremisten gegen andere schiitische Ziele im Land. Mindestens 30 Menschen starben, als sich ein Selbstmordattentäter vor einer schiitischen Moschee im nordirakischen Mossul mit seinem Wagen in die Luft sprengte. 70 weitere Menschen wurden bei dem Blutbad verletzt.

Bomben explodierten während Feierlichkeiten

Der Attentäter zündete seine tödliche Sprengladung, als die Gläubigen ihr Gotteshaus nach dem mittäglichen Freitagsgebet verließen, berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die Polizei. Mossul gilt immer noch als eine Hochburg sunnitischer Extremisten und Terroristen. Die Schiiten leben dort als Minderheit, ähnlich wie die irakischen Christen, die dort in jüngster Zeit gleichfalls zu Opfern von Terrorakten wurden.

Die Schiiten, eine im 7. Jahrhundert vom sunnitischen Islam abgespaltene muslimische Glaubensrichtung, machen 60 Prozent der irakischen Bevölkerung aus. Am Freitag feierten sie den Geburtstag des von ihnen verehrten zwölften Imams, Mohammed el Mehdi. Nach der schiitischen Lehre soll er im 10. Jahrhundert auf wundersame Weise verschwunden sein. Nach seiner Rückkehr, die von den schiitischen Gläubigen erwartet wird, soll er als eine Art "Messias" die Welt retten und den Islam erneuern.

Sprengsätze explodierten in drei Stadtteilen

Hunderttausende fanden sich zu den Hauptfeierlichkeiten in der südirakischen Stadt Kerbela ein, wo Hussein, einer der Ahnherrn und Märtyrer ihrer Glaubensrichtung, begraben ist. Die irakischen Behörden hatten im Vorfeld umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um Terroranschläge auf die enorme Pilgermenge zu verhindern. Seit dem Rückzug der US-Truppen Ende Juni aus den Städten und Wohngebieten des Iraks sind die irakischen Behörden bei derlei Sicherungsaufgaben auf sich gestellt.

Anti-schiitische Extremisten griffen am Freitag einige der Pilger nach ihrer Rückkehr nach Bagdad an. Bei der Explosion von insgesamt drei Sprengsätzen wurden an verschiedenen Stellen im östlichen, schiitischen Teil der Hauptstadt sechs Menschen getötet und 24 weitere verletzt. Zwei der Bomben explodierten unter Autobussen, die aus Kerebla eingetroffen waren.

In Kirkuk tötete eine Autobombe am Donnerstagabend fünf Menschen. 32 weitere Menschen wurden verletzt, als die Sprengladung auf einem belebten Markt im nördlichen Stadtbezirk Rahimawa explodierte, berichteten irakische Medien am Freitag. In der nordirakischen Stadt leben Kurden, Araber und Turkmenen. Der Terrorakt dürfte in diesem Fall keinen konfessionellen Hintergrund gehabt haben. Zuletzt nahmen dort die Spannungen zu, weil die Kurden die Provinz Kirkuk mit ihren Erdölfeldern an ihre Autonomieregion im Nordirak anschließen wollen.

DPA DPA

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