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Neue Wikileaks-Enthüllungen: Diplomatische Depeschen betreffen auch deutsche Politiker

Wenn US-Botschafter zurück an das Außenministerium funken, halten sie mit ihrer ungeschminkten Meinung für gewöhnlich nicht hinterm Berg. Warum auch, unterliegen die diplomatischen Depeschen doch strengster Geheimhaltung. Nun will Wikileaks rund 250 000 dieser heiklen Dokumente veröffentlichen. Ein Debakel für die Obama-Administration.

Der amerikanische Botschafter in Deutschland, Philip Murphy, bedauert, dass vertrauliche Diplomaten-Dossiers mit zum Teil kritischen Äußerungen über deutsche Spitzenpolitiker von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht werden. "Es lässt sich schwer sagen, welche Auswirkungen das haben wird. Es wird zumindest unangenehm sein", sagte Murphy der "Bild am Sonntag". Der US-Botschafter in Berlin wirft Wikileaks Verantwortungslosigkeit vor, die weltweit die Sicherheitslage verschärfen könne.

Nach Informationen der Zeitung bekommt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in den Botschaftsberichten die schlechteste Bewertung. Er werde als politisch geschwächt eingeschätzt, weil es der FDP nicht gelungen sei, ihre Wahlversprechen durchzusetzen. Ebenfalls soll Westerwelles Kompetenz für das deutsche Außenamt kritisch thematisiert worden sein. Demnach schätzten die US-Diplomaten den Vizekanzler zu Beginn der schwarz-gelben Koalition im vergangenen Jahr als jemanden ein, "der seinen Job noch lernen müsse". Ebenfalls kritisch, aber deutlich positiver soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beurteilt worden sein, positiv dagegen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU).

DAPD / dapd