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Nominierungsrede: Kerry: Vertrauen in die USA wieder herstellen

In seiner Antrittsrede zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA hat John Kerry den Bürgern versprochen, als Präsident das Vertrauen der Welt in die USA wieder herzustellen.

Es sollte der große Auftritt von John Kerry werden. Vor allem die 25 Millionen Amerikaner an den Fernsehschirmen sollten Vertrauen in den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gewinnen. "Melde mich zum Dienst" sagte Kerry lächelnd, als er vor die vielen tausend jubelnden Delegierten und Anhängern in der brodelnden Sportarena Bostons trat, um seine Herkulesaufgabe zu meistern. Denn er wollte seine Landsleute überzeugen, dass er das zerrissene Amerika einen kann, dass er eine starke und sympathische Führungspersönlichkeit ist, dass er eine politisch klare Botschaft hat.

"Heldentum und Mut"

Die Inszenierung zum Ende des demokratischen Parteitags war perfekt: Kerrys Kinder bezeugten, was für ein "wunderbarer Vater" er sei, Kriegsgefährten aus Vietnamzeiten priesen in bewegten Worten Kerrys "Heldentum und Mut". Der frühere NATO-Generalsekretär Wesley Clark sah Kerry gar bald im "Pantheon der großen demokratischen Kriegs-Präsidenten". Ein Film des Hollywood-Regisseurs und Oscar-Preisträgers James Moll, dem sein Kollege Steven Spielberg beratend zur Seite stand, präsentierte Kerry als Helden und als einfachen Amerikaner. Das Publikum sah ihn als Vietnamkrieger, der Kameraden rettete, als Vater, der "geweint hat wie ein Baby", als seine Kinder geboren wurden, als jugendliches Mitglied der Rockgruppe "Electras". Kerrys Kommentar dazu: "Da konnte man prima Mädchen kennen lernen...". All das sollte den als spröde verrufenen Kandidaten menschlicher machen.

Und dann kam der politische Auftritt des Senators aus Massachusetts. Kerry beseitigte mit seiner Rede die letzten Zweifel über das zentrale Wahlkampfthema: Seine langen Ausführungen zu Krieg und Terrorismus belegten, dass im Wahlkampf 2004 die Außen- und Sicherheitspolitik im Mittelpunkt stehen wird. Er griff Bush - meist indirekt - heftig an und sagte, dass die USA mit ihm als Präsident wieder "Ansehen und Glaubwürdigkeit" wiedergewinnen würden.

"Wir können es besser"

Kerrys Botschaft war klar: Er will ein militärisch starkes Amerika, das zwar notfalls für seine Interessen und Werte weltweit auch allein antritt. Aber eine neue, berechenbare Politik und die Suche nach Dialog und Bündnissen soll eine wachsende Isolation der USA in der Welt wieder rückgängig machen. Glaubwürdigkeit, Wahrheitsliebe, Patriotismus waren die Schlüsselworte seiner Rede. Innenpolitisch versprach er auf vielen Feldern "wir können es besser" und kündigte Steuersenkungen für die Mittelklasse, Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, für eine bessere Gesundheitsversorgung und Schulen sowie die Förderung von alternativen Energien an.

Nachdem aber Kerry seine 50-minütige Rede gehalten hatte, war trotz allen Jubels in der Halle die Unsicherheit unter den Demokraten spürbar, ob dass denn nun wirklich der erste entscheidende Schritt zum Sieg über Präsident George W. Bush am 2. November war. Das Zittern begann noch in der Nacht unter den 100.000 von der Decke rieselnden Luftballons, noch während Kerry, sein "Vize" John Edwards und die Familien der Kandidaten mit Anhängern bei Rockmusik auf der Bühne feierten und tanzten.

Leiser Zweifel bei den Demokraten

Unter den Demokraten gab es schon am Abend leise Zweifel, ob Kerry die erwartet "große Rede" gehalten hat. Vor allem aber begann das Bangen um die ersten Umfrageergebnisse nach dem Parteikonvent, die darüber Aufschluss geben werden, ob Kerry mit seiner durchaus kämpferischen Rede Pluspunkte sammeln konnte. Denn genau das haben Bill Clinton und Al Gore auf ihren Nominierungsparteitagen 1992 und 2000 in überzeugender Manier geschafft.

Ansonsten bliebe Kerry, der in Umfragen der letzten Zeit meist Kopf an Kopf mit Bush liegt, nur die Hoffnung, dass in Demokratien die Wähler Meinungsforschern zufolge sich selten positiv für einen Oppositionskandidaten entscheiden, sondern oft nur den alten Präsidenten oder Regierungschef satt haben und ihn abwählen wollen. Und der Überdruss an Bush in den USA ist erheblich - er könnte Kerry ins Weiße Haus bringen, auch wenn er nicht unbedingt die Herzen der Amerikaner erobert.

Laszlo Trankovits, DPA / DPA