NORDIRLAND Orgie der Gewalt


Brandsätze und Steine auf der einen Seite, Wasserwerfer und Plastikgeschosse auf der anderen - Bei Protesten gegen das Auftreten des protestantischen Oranier-Ordens kam es zu schweren Ausschreitungen in der nordirischen Hauptstadt Belfast.

Schwere Ausschreitungen in der nordirischen Hauptstadt Belfast haben die politische Suche nach einer Friedenslösung für die Provinz überschattet. Bei Protesten gegen das Auftreten des protestantischen Oranier-Ordens im katholischen Stadtteil Ardoyne wurden in der Nacht zum Freitag 113 Polizeibeamte verletzt. Überwiegend jugendliche Katholiken warfen nach Angaben der Sicherheitskräfte mehr als 260 Brandsätze gegen die Polizei, die Wasserwerfer einsetzte und 40 Plastikgeschosse in die Menge feuerte.

Wenige Stunden vor der geplanten Fortsetzung der Friedensbemühungen verurteilte der britische Premierminister Tony Blair in London die Gewalt gegen die Polizei als »völlig unakzeptabel«. Die Gespräche mit den Konfliktparteien über eine Rettung des Friedensprozesses sollten am frühen Freitagabend in einem Luxushotel bei Birmingham wieder aufgenommen werden. Dabei wurde die Dauer der Verhandlungen offen gelassen, die Blair als die »letzte Chance« zur Rettung des Friedensabkommens bezeichnete.

»Die Polizisten fielen einer nach dem anderen um«, berichtete die Agentur Press Association aus Belfast. Die Londoner Boulevardzeitung »Daily Mail« sprach von einem »Schlachtfeld.« Am schwersten verletzt wurde ein Polizist, der mit einer

Spitzhacke zu Boden geschlagen wurde. Insgesamt 19 Beamte mussten ins Krankenhaus. »Es waren mit Sicherheit die schlimmsten Angriffe auf die Polizei seit geraumer Zeit«, sagte ein Sprecher am Freitag.

Die Wut der katholischen Demonstranten hatte sich daran entzündet, dass Anhänger des Oranier-Ordens auf der Rückkehr von ihren traditionellen Siegesmärschen zum 12. Juli durch den Stadtteil marschierten. Etwa 200 pro-irische Katholiken versuchten, die Absperrungen zu durchbrechen, die die Marschroute der Oranier abschirmen sollten.

Auch in einem anderen Viertel von Belfast sowie in der Hafenstadt Londonderry und dem Küstenort Ballycastle (Grafschaft Antrim) kam es zu Gewalt. In Ballycastle schossen Oranier und Katholiken Feuerwerk und Brandbomben aufeinander ab. Als die Polizei die beiden Gruppen trennen wollte, richtete sich die Gewalt gegen sie. Mit ihren Paraden feiern die Oranier jedes Jahr am 12. Juli den Jahrestag der Schlacht am Fluss Boyne, in der der protestantische britische König Wilhelm von Oranien 1690 seinen gestürzten katholischen Vorgänger Jakob II. endgültig geschlagen hatte.


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