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Deserteur Oh Chon Song: Die eigenen Kameraden durchsiebten ihn mit Kugeln: Nordkoreaner spricht über seine Flucht

Vor anderthalb Jahren wurde ein nordkoreanischer Deserteur beinahe von seinen Kameraden erschossen. Im Interview mit einem US-Sender erinnert er sich an die spektakuläre Flucht. 

Nordkorea

Nordkoreanische Soldaten stehen Wache an der Demarkationslinie in der Demilitarisierten Zone zwischen den beiden koreanischen Staaten (Symbolbild) 

DPA

Die Bilder gingen um die Welt: Im November 2017 desertierte der nordkoreanische Soldat Oh Chong Song und floh nach Südkorea. Überwachungskameras filmten, wie Oh in einem Militärjeep eine Absperrung durchbrach und in die stark gesicherte Demilitarisierte Zone im Grenzgebiet der beiden Länder raste, in Richtung südkoreanische Grenze.

Als der Wagen stecken blieb, stieg er aus und setzte die Flucht zu Fuß fort. Im Kugelhagel seiner eigenen Kameraden rannte Oh weiter, wurde fünf Mal getroffen. Kurz hinter der Grenze brach er blutüberströmt zusammen. Südkoreanische Soldaten bargen ihn und flogen ihn per Hubschrauber in ein Krankenhaus. 

Die Vereinten Nationen veröffentlichten später Bilder der Flucht: 

Oh Chong Song hegt keinen Groll gegen seine Kameraden

Knapp anderthalb Jahre nach der Flucht sprach Oh Chong Song am Montag in Südkorea mit "NBC News" über seine Flucht. So verriet er zum Beispiel, dass er keinen Groll gegen die ehemaligen Kameraden hege, die ihn fast erschossen hätten. "In ihrer Situation hätte ich auch gefeuert. Das ist keine Frage von Freundschaft", wird Oh zitiert. Und weiter: "Ich verstehe sie, weil ich an ihrer Stelle dasselbe getan hätte. Wäre er gefasst worden, da ist Oh sicher, wäre er entweder in eines der berüchtigten Straflager seines repressiven Heimatstaates gekommen oder erschossen worden. 

Der Deserteur diente dem Bericht zufolge acht Jahre in der nordkoreanischen Armee, die Entscheidung zur Flucht traf er offenbar ganz spontan. An seine Flucht erinnert er sich offenbar nur noch teilweise, seine Rettung bekam er dem Bericht nach nicht mehr mit. "Ich dachte ich würde sterben, als ich da lag", so Oh. Als sie (die Südkoreaner, Anm. d. Red.) ihn retteten, wäre er bewusstlos gewesen. Zuvor hätte er gemerkt, wie eine Kugel einen Muskel zerfetzt hatte: "Ich konnte fühlen, wie das Blut warm herunterlief. Ich rannte immer noch".

Ärzte fanden Parasiten im Darm des Verwundeten

Die Ärzte, die den Verletzten anschließend operierten, sagten "NBC News" zufolge, es wäre ein Wunder, dass Oh überlebt hat. Außer dem Kugeln entdeckten die Ärzte demnach auch knapp 30 Zentimeter lange Würmer im Körper des Nordkoreaners - offenbar eine Folge der schlechten Hygiene-Standards in dem bitterarmen Land. Die Parasiten hatten sich im Darm festgesetzt.

Quellen: "NBC News", Vereinte Nationen (via Youtube)


rös