HOME

Unterirdischer Test: Nordkorea zündet Atombombe - "Manische Rücksichtslosigkeit"

Ein messbares Erdbeben hat ihn verraten - den fünften Atombomben-Test durch Nordkorea. Trotz Sanktionen der Weltgemeinschaft ließ Diktator Kim Jong un den bisher wohl stärksten Nukleartest durchführen. Nachbar Südkorea und die Uno reagieren nervös auf die erneute Provokation.

Erdbebenwarte Südkorea: Seismische Wellen deuten auf den Atomwaffentest von Nordkorea hin

Ein Mitarbeiter des Meteorologischen Instituts Südkoreas zeigt auf einer Karte seismische Wellen, die auf einen Atomwaffentest in Nordkorea hindeuten

Trotz eines internationalen Verbots hat Nordkorea allem Anschein nach zum fünften Mal eine Atombombe zu Testzwecken gezündet. Nach Angaben der südkoreanischen Regierung handelte es sich dabei um den bislang stärksten Atomwaffentest. Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye warf der Führung des Nordens am Freitag "manische Rücksichtslosigkeit" vor, mit der sie "ihren Weg zur Selbstzerstörung" beschleunige. Die USA und Japan leiteten Untersuchungen ein, ob tatsächlich eine Atomexplosion stattfand.

Das nordkoreanische Staatsfernsehen sprach von einem "erfolgreichen" Atomwaffentest. Bei dem Test sei ein "neu entwickelter Atomsprengkopf" zur Explosion gebracht worden, hieß es in dem Bericht. Der Test habe den Beweis erbracht, dass Nordkorea in der Lage sei, einen Atomsprengkopf auf eine Trägerrakete zu montieren, berichtete die Staatsagentur KCNA.

Zweidrittel der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe

Am Freitagmorgen hatten internationale Erdbebenwarten Erdstöße der Stärke 5,3 im Bereich des nordkoreanischen Atomtestgeländes Pyunggye-Ri registriert, die nach Einschätzung südkoreanischer Experten von einer Bombenexplosion herrühren könnten. "Wir gehen von einem Nukleartest aus", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums. Dem Ministeriumssprecher zufolge wurde eine Detonationsstärke von rund zehn Kilotonnen gemessen. Dies wäre der stärkste der bislang fünf nordkoreanischen Atomwaffentests. Die bis heute heftigste Explosion war im Februar 2013 mit sechs bis neun Kilotonnen registriert worden. Die Atombombe, die 1945 über dem japanischen Hiroshima abgeworfen worden war, hatte eine Sprengkraft von rund 15 Kilotonnen.

Die japanische Regierung kündigte die Entsendung von Spezialflugzeugen an, die Luftproben entnehmen und auf Radioaktivität prüfen sollten. "Ein nordkoreanischer Atomtest ist für Japan nicht hinnehmbar", sagte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. "Wir müssen schärfsten Protest einlegen." Nordkoreas atomare Entwicklung "wird zu einer immer schwereren Bedrohung der Sicherheit Japans und untergräbt den Frieden und die Sicherheit in der Region", sagte Abe.

USGS: Seismisches Vorkommen in Nordkorea

Das Weiße Haus in Washington erklärte, ihm lägen Informationen über seismische Vorkommnisse in Nordkorea vor, die nun geprüft wurden. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte zuvor erklärt, die gemessenen Erdstöße der Stärke 5,3 nahe Sungjibaegam könnten von einer "möglichen Explosion" herrühren. Südkoreanische Geologen sprachen von einem "künstlichen Erdbeben", das "fast identische Merkmale mit den Erdstößen bei früheren Atomwaffentests in Nordkorea aufweise.

Auf dem Gelände Pyunggye-Ri hatte Nordkorea zuletzt im Januar eine Atombombe gezündet. In den folgenden Monaten setzte sich das Land immer wieder mit Raketentests über ein internationales Verbot hinweg. Der UN-Sicherheitsrat hatte wegen früherer Verstöße bereits harte Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Südkoreas Präsidentin Park forderte am Freitag "noch mehr Sanktionen und noch mehr Isolation". Erstmals hatte Nordkorea 2006 eine Atombombe gezündet.

dho/Jung Ha-Won/AFP