HOME

Nordkorea: Neffe von Kim Jong Un nennt seinen Onkel "Diktator"

Ein Interview, das aufhorchen lässt: Kim Han Sol, Neffe des nordkoreanischen Machthabers, hat im finnischen TV kein Blatt vor den Mund genommen. Er wünscht sich bessere Verhältnisse in seiner Heimat.

Der Neffe des nordkoreanischen Staatsführers Kim Jong Un hat seinen Onkel als "Diktator" bezeichnet. In einem im bosnischen Mostar geführten Interview des finnischen Fernsehsenders Yle mit der ehemaligen UN-Menschenrechtsbeauftragten für Bosnien, Elisabeth Rehn, spricht der 17-jährige Kim Han Sol von seinem Wunsch, die Dinge in Nordkorea zu verbessern und von seiner Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit Südkorea. Das Interview ist inzwischen auf YouTube zu sehen.

In flüssigem Englisch schildert der junge Mann mit schwarzem Brillengestell, stylisher Frisur und zwei Ohrsteckern im linken Ohr seine überwiegend in der Familie seiner Mutter verbrachte einsame Kindheit - fernab von seinem im Dezember 2011 gestorbenen Großvater Kim Jong Il, den er nie zu sehen bekam. Der 17-Jährige besucht derzeit eine Schule in Mostar, wo er nach eigenen Angaben Freundschaften auch mit Schülern aus den USA und Südkorea schloss.

Teil 1 des Interviews von Elisabeth Rehn mit Kim Han Sol

Vater ist ein Halbbruder des Machthabers

Kim Han Sol ist der Sohn von Kim Jong Nam. Der ältere Halbbruder von Kim Jong Un soll Berichten zufolge 2001 bei seinem Vater Kim Jong Il in Ungnade gefallen sein, als er beim Versuch erwischt wurde, mit einem gefälschten Pass nach Japan zu reisen. Nach dem Tod von Kim Jong Il folgte ihm sein jüngster Sohn Kim Jong Un an der Spitze der kommunistischen Führung nach. Kim Jong Il hatte selbst die Staatsführung von seinem 1994 verstorbenen Vater Kim Il Sung geerbt, der Nordkorea 1948 gegründet hatte. Die Familie von Kim Jong Nam lebt mittlerweile im chinesischen Macao.

Teil 2 des Interviews von Elisabeth Rehn mit Kim Han Sol

Nordkorea droht mit Angriff auf den Süden

Der Wunsch Kim Han Sols, dass die beiden koreanischen Staaten wiedervereinigt werden, wird vorerst wohl nicht erfüllbar sein. Im Gegenteil: Am Freitag verschärfte sich einmal mehr der Ton zwischen Nord und Süd. Nordkorea drohte mit militärischer Vergeltung "ohne Vorwarnung", sollten Aktivisten ihr Ankündigung wahrmachen und am kommenden Montag politische Flugblätter über nordkoreanischem Territorium abwerfen. Der südkoreanische Verteidigungsminister Kim Kwan Jin kündigte umgehend an, dass dann sein Land zurückschlagen werde.

Die Einwohner der Region, von der aus Aktivisten die Flugblätter an Ballons steigen lassen wollen, sollten vorsichtshalber in Sicherheit gebracht werden, hieß es in der von der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zitierten Erklärung. Die für Montag angekündigte Aktion soll um 11.30 Uhr (4.30 Uhr MESZ) nahe der Grenzstadt Paju, rund 60 Kilometer nördlich von Seoul stattfinden. Trotz aller Drohungen erklärte die Organisation Kämpfer für ein freies Nordkorea, an der Aktion festhalten zu wollen.

dho/AFP / AFP