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Neunstündiger Web-Ausfall Internet in Nordkorea kaputt - welches Internet?


Kein Anschluss unter dieser Nummer: Stundenlang ist das Internet in Nordkorea ausgefallen. Die Meldung zeigt: Ja, es gibt Internet in dem isolierten Land. Aber nur für wenige Menschen. Sehr wenige.
Von Niels Kruse

Waren es die Amerikaner? Oder nur ein technisches Problem, wie es immer mal wieder vorkommen kann? Besonders bei so einem wackeligen Zugang, wie ihn Nordkorea hat. Sicher ist nur: Neun Stunden lang lag das Netz in der isolierten Diktatur lahm. Laut des US-Unternehmens Dyn Research, das sich auf Internetsicherheit spezialisiert hat, gab es erste Probleme bereits am Wochenende. Die Art der Ausfälle deuteten auf einen "Angriff von außen" hin, so Earl Zmijewski, Mitarbeiter der Firma.

Spekuliert wird nun, dass die USA den Hackerangriff auf Sony Pictures vergelten wollten. Der anonyme Überfall auf die Server und mysteriöse Anschlagsdrohungen auf US-Kinos hatten Sony bewogen, den Filmstart von "The Interview" abzusagen. In dem Streifen geht es darum, Nordkoreas Führer Kim Jong Un zu ermorden. US-Präsident Barack Obama hatte das Land beschuldigt und eine "angemessene Antwort" angekündigt. Zu den Gründen des aktuellen Netzausfalls wollte sich die Regierung in Washington nicht äußern.

IP-Adressen international unbekannt

Ohnehin dürfte der Ausfall nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Nordkoreanern betroffen haben. Denn der freie Zugang zum Internet ist nur der Elite - hohe Militärs und Parteifunktionäre - vorbehalten. Schätzungen zufolge gibt es im ganzen Land wenige tausend Internetzugänge. Der normale Bürger darf sich, so er denn einen Computer oder ein Smartphone besitzt, höchstens im abgeriegelten nordkoreanischen Intranet bewegen. (Sehen Sie hier einen Beitrag der BBC dazu.) Dessen IP-Adressen sind nicht einmal Teil des internationalen Systems, so dass sie von kaum einem ausländischen Server erkannt werden würden. Nordkoreaner hätten also große Schwierigkeiten, im World Wide Web zu surfen. Selbst wenn man zu den wenigen Auserwählten zählen würde, gäbe es keinen Anschluss unter deren Nummern.

Ausnahmen gibt es nur für ausländische Besucher, Firmen und diplomatische Vertretungen. Seit anderthalb Jahren dürfen sie zudem drahtlose Verbindungen nutzen. Das UMTS-Netz Nordkoreas gilt ironischerweise als eines der moderneren der Welt, weil es relativ neu ist. Errichtet wurde es vom staatlichen Mobilfunkanbieter Koryolink, der mit der ägyptischen Firma Global Telecom Holding zusammenarbeitet. Allerdings hat die Führung in Pjöngjang den Zugang erst im Sommer wieder stark eingeschränkt - aus Gründen der nationalen Sicherheit, wie es hieß.

Kochseite ist online, der Shop nicht mehr

Vor wenigen Wochen wurde damit begonnen, einige nordkoreanische Seiten mit dem weltweiten Netz zu verbinden. Darunter zum Beispiel die Auftritte von Universitäten, wie etwa die neue Website der Kim-Il-Sung-Hochschule oder die Hochschule für Wissenschaft und Technik, die um Studenten buhlen, aber auch Kochseiten, wie diese hier, die sich der traditionellen koreanischen Küche widmet. Bis 2010 gab es auch den Online-Shop Chollima. Viele Webseiten nutzen die Endungen .com oder die südkoreanische .kr, statt der nordkoreanischen Domain .kp. Beobachter glauben, dass die zaghafte Öffnung des Internets der Versuch ist, "vor allem die Produktivität des Landes zu erhöhen", wie Andray Abrahamian, Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation Choson Exchange sagt.

Bislang führt der gesamte Datenverkehr nur über einen chinesischen Anbieter nach draußen. Laut Zmijewski von Dyn Research läuft die gesamte Telekommunikation über China Netcom, einer Tochter von China Unicom. "Als Nordkoreas einziger Internetprovider wäre es für China Unicom ein Leichtes, den Zugang zu blockieren", sagte Zmijewski. So seien vereinzelte Ausfälle in Nordkorea normal, aber keine länger andauernden Verbindungsprobleme.

Obwohl sich das Land so gut es eben geht vom Rest der Welt abschottet, ist es neuen Techniken durchaus aufgeschlossen. Bei den Computern, die auf Propagandabildern aus Bibliotheken und Universitäten zu sehen sind, handelt es sich meistens um Dell-Rechner mit einem Windows-Betriebssystem. Nordkorea selbst stellt auch Smartphones und Tablets her, die sich aber vermutlich kaum ein Durchschnittsbürger wird leisten können. Die Apps sind zumeist Klone bekannter West-Spiele wie "Angry Birds". Selbst Browser sind vorinstalliert, leider nur relativ nutzlos - ob trotz oder wegen Hackerattacken.

mit DPA

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