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NSA-Skandal: US-Spione wollen Edward Snowdens Tod

Während die Welt gespannt auf die Rede von Barack Obama zu den NSA-Spähprogrammen wartet, überrollen US-Geheimdienstler den Enthüller des Skandals, Edward Snowden, mit einer Welle des Hasses.

Von Marc Drewello

"Liebend gerne eine Kugel in den Kopf schießen": Edward Snowden am 24. Dezember bei den Vorbereitungen zu einer Weihnachtsansprache im britischen Fernsehen.

"Liebend gerne eine Kugel in den Kopf schießen": Edward Snowden am 24. Dezember bei den Vorbereitungen zu einer Weihnachtsansprache im britischen Fernsehen.

Die Welt empört sich über die ausufernde Überwachung durch die NSA und wartet gespannt auf die Rede von Präsident Barack Obama zu den US-Abhörpraktiken. Amerikas Spione teilen diese Empörung naturgemäß nicht. Ihr Zorn richtet sich gegen den Mann, der die Datensammelwut publik gemacht hat: Edward Snowden. Mehrere Geheimdienstmitarbeiter haben ihrem Hass auf der Internetplattform "BuzzFeed" mit drastischen Worten Luft gemacht.

"In einer Welt, in der es mir nicht verboten wäre, einen Amerikaner zu töten, würde ich mich persönlich aufmachen und ihn selbst umbringen", zitiert "BuzzFeed" einen namentlich nicht genannten NSA-Analysten. "Eine Menge Leute teilen dieses Gefühl."

Das trifft auf jeden Fall auf einen Pentagon-Mitarbeiter zu, mit dem das US-Portal ebenfalls gesprochen hat: "Ich würde ihm liebend gerne eine Kugel in den Kopf schießen", sagt der ehemalige Angehörige einer Spezialeinheit über Snowden. Es bereite ihm kein Vergnügen, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen, "aber er ist der größte Verräter in der Geschichte Amerikas".

"Vergesst das Verfahren und hängt ihn einfach"

Dass viele Amerikaner Snowden als Feind und Verräter ansehen, ist nicht neu. Erst vor wenigen Tagen haben Politiker beider Parteien im US-Kongress dem Whistleblower die Gefährdung von Militärangehörigen vorgeworfen: "Snowdens Verrat setzt die Männer und Frauen des US-Militärs einem großen Risiko aus", erklärte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, der Republikaner Mike Rogers. Diese hätten vermutlich tödliche Konsequenzen für die Truppen. Noch drastischer wurde der ranghöchste Demokrat in dem Ausschuss, Dutch Ruppersberger: Terroristen hätten nach Snowdens Enthüllungen begonnen, ihre Methoden zu ändern. "Durch seine Taten hat er sich bei unseren Gegnern eingereiht."

Das Ausmaß des Hasses auf Snowden innnerhalb der US-Geheimdienste erschreckt dennoch: "Sein Name wird hier jeden Tag verflucht", berichtet ein Auftragnehmer des Pentagons laut "BuzzFeed" von der Auslandsbasis eines amerikanischen Nachrichtendienstes. "Fast jeder, mit dem ich spreche, sagt, er muss verurteilt und aufgehängt werden. Vergesst das Gerichtsverfahren und hängt ihn einfach."

Detaillierte Vorstellung von Snowdens Tötung

Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Vereinigten Staaten Snowden tatsächlich in Russland, wo er sich seit Juni vergangenen Jahres aufhält, nachstellen, um ihn zu töten. Ein Mitarbeiter der US-Armee hat dennoch schockierend detaillierte Vorstellungen davon, wie ein solcher Mord ablaufen könnte: "Ich denke, wenn wir die Möglichkeit hätten, würden wir die Sache sehr schnell beenden", erzählt der Nachrichtendienstler "BuzzFeed". Snowden würde in Moskau auf dem Weg vom Einkaufen nach Hause von einem Passanten ganz beiläufig einen Knuff bekommen. Er würde sich nichts dabei denken, sich dann ein wenig benebelt fühlen und annehmen, das käme von Parasiten aus dem Trinkasser. "Er geht ganz unschuldig nach Hause und das nächste, was Du weißt ist: Er stirbt unter der Dusche."

Die Geheimdienstler, mit denen man unter Zusicherung von Anonymität gesprochen habe, erwarteten nicht, dass irgendjemand für die Befriedigung ihrer Rachegelüste sorge, heißt es bei "BuzzFeed". Leute, die regelmäßig mit Nachrichtendiensten zu tun haben, hätten aber bestätigt, dass die beschriebe Stimmungslage weit verbreitet sei.

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