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Obama-Ruhani-Telefonat: Um 14:30 Uhr rief Teheran an

Bricht nach mehr als 30 Jahren das Eis zwischen den USA und dem Iran? Obama und Ruhani telefonierten miteinander. Ganze 15 Minuten dauerte das Gespräch, in dem es um die Lösung des Atomstreits ging.

Erstmals seit dem Sturz des Schahs im Jahr 1979 haben die Staatschefs der USA und des Irans direkt miteinander gesprochen: US-Präsident Barack Obama und sein iranischer Kollegen Hassan Ruhani führten am Freitag ein 15-minütiges Telefonat. Bei dem historischen Gespräch ging es vor allem um eine Beilegung des Streits um das iranische Atomprogramm.

Die USA und der Iran unterhalten seit 1980 keine offiziellen Beziehungen. Damals hatten Anhänger von Ayatollah Chomeini die US-Botschaft in Teheran 444 Tage lang besetzt und 52 US-Bürger als Geiseln genommen. Die Führung in Teheran titulierte die USA als den "Großen Satan", der frühere US-Präsident George W. Bush ordnete den Iran auf einer "Achse des Bösen" ein.

"Die pure Tatsache, dass dies die erste Unterhaltung zwischen einem Präsidenten der USA und des Iran seit 1979 war, unterstreicht das tiefe Misstrauen zwischen unseren Ländern", sagte Obama. "Aber es zeigt auch die Aussicht, diese schwierige Geschichte hinter uns zu lassen." Noch gebe es "bedeutende Hindernisse" für die Verhandlungen im Atomstreit. "Aber ich glaube, dass wir eine umfassende Lösung finden können", sagte der Präsident.

Eine Chance für die Diplomatie

Die Initiative für das Telefonat ging offenbar von iranischer Seite aus. Ruhani habe vor seinem Abflug aus New York um ein Telefongespräch mit Obama gebeten, hieß es aus Regierungskreisen in Washington. Das Telefonat begann demnach um 14.30 Uhr (Ortszeit) und dauerte 15 Minuten. Nach iranischen Angaben befand sich Ruhani, der sich zur UN-Generaldebatte in New York aufgehalten hatte, gerade mit seiner Staatskarosse auf dem Weg zum Flughafen. "Beide bestanden auf dem politischen Willen für eine schnelle Lösung der Atomfrage", hieß es in einer auf der Webseite der iranischen Präsidentschaft veröffentlichten Erklärung.

Seit seiner Wahl im Juni richtete der als gemäßigt geltende Ruhani versöhnliche Töne an den Westen. Am Rande der UN-Generaldebatte in dieser Woche gewann die Annäherung zwischen den USA und dem Iran deutlich an Fahrt. "Ich glaube fest, dass der diplomatische Weg ausprobiert werden muss", sagte Obama am Dienstag in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung. Ruhani versicherte bei der Generaldebatte, dass der Iran nicht nach Atomwaffen strebe.

Beilegung des Atomstreits

Ein für möglich gehaltenes Treffen zwischen Obama und Ruhani kam aber nicht zustande. Aus US-Kreisen hieß es, dass die iranische Seite ein Angebot für "informelle Diskussionen" nicht angenommen habe. Ruhani sagte dem Fernsehsender CNN, dass er "im Prinzip" zu einem Treffen bereit gewesen wäre. Für die Vorbereitung habe es aber nicht genügend Zeit gegeben.

Dafür trafen US-Außenminister John Kerry und sein iranischer Kollege Mohammed Dschawad Sarif am Donnerstag am Rande von internationalen Atomgesprächen in New York zu einem Zweiergespräch zusammen. Das halbstündige Treffen unter vier Augen war eine der hochrangigsten Begegnungen von Vertretern beider Länder seit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland vereinbarten mit Sarif, am 15. und 16. Oktober in Genf die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm fortzusetzen. Ruhani sagte am Freitag zum Abschluss seiner Reise zur UN-Generaldebatte, dass er bei dem Treffen einen Plan für eine Beilegung des Atomstreits vorlegen wolle. "Iran wird diesen Plan vorbereiten und in Genf vorstellen", sagte er.

ivi/AFP / AFP